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Auch ohne Dahlmeier: Deutsche Biathletinnen wollen angreifen

05.12.2018 - Laura Dahlmeier kehrt wahrscheinlich erst im neuen Jahr in den Weltcup zurück. Es ist aber für die anderen Skijägerinnen auch eine Chance, nach vorne zu rücken. Die Männer müssen warten: Ihr Auftakt wurde wegen Nebels abgesagt und um einen Tag verschoben.

  • Wollen angreifen: Nadine Horchler, Maren Hammerschmidt, Denise Herrmann und Franziska Hildebrand (l-r). Foto: Lee Jin-Man/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wollen angreifen: Nadine Horchler, Maren Hammerschmidt, Denise Herrmann und Franziska Hildebrand (l-r). Foto: Lee Jin-Man/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Erfolgsdruck lastete in den vergangenen Wintern vor allem auf Laura Dahlmeier - nach dem vorläufigen Ausfall der deutschen Vorzeige-Biathletin stehen nun Denise Herrmann, Franziska Hildebrand und Co. vom ersten Saisonrennen an im Mittelpunkt.

«Für die anderen ist es eine Chance, herauszutreten. Sie sind gut drauf. Ziel ist es, vorne mit anzugreifen», sagte der neue Damen-Trainer Kristian Mehringer vor dem schweren Einzel am Donnerstag (14.15 Uhr) im slowenischen Pokljuka.

Kurz vor ihnen (10.15 Uhr) gehen Erik Lesser, Simon Schempp & Co ins Rennen. Denn ihr Auftaktrennen am Mittwoch über 20 Kilometer wurde wegen Nebels abgesagt und um einen Tag verschoben. «Die Jungs haben gesagt, da haben wir wenigstens ordentlich Zeit für Kaffee und Kuchen. Das ist erstmal das Allerwichtigste, dass sie bei Laune bleiben», sagte Bundestrainer Mark Kirchner dennoch gut gelaunt.

Er begrüßte die Entscheidung, da die Bedingungen auf der 1300 Meter hohen alpinen Hochebene im Nationalpark Triglav nicht für alle gleich gewesen wären. Noch im Januar hatte der Weltverband in Oberhof die Männer-Staffel trotz irregulärer Bedingungen durchgedrückt.  Johannes Kühn hatte bei Platz sechs neun Strafrunden drehen müssen.

Bei Laune sind auch die deutschen Damen. Die Skijägerinnen und ihre neuen Trainer scheinen schnell zu einer homogenen Einheit zusammengewachsen zu sein. So sehr, dass Herrmann von der Zusammenarbeit mit dem neuen leitenden Disziplintrainer Kristian Mehringer und seinem Assistenten Florian Steirer regelrecht schwärmt. «Bisher ist jeder Tag eine Bereicherung. Ich habe selten so gut kommuniziert mit den Trainern, eine so gute Betreuung erlebt», sagte die 29-Jährige. Die Zusammenarbeit habe ein ganz anderes Level erreicht als in der Vergangenheit.

Trotz vieler Erfolge vor allem von Doppel-Olympiasiegerin Dahlmeier, die erst nach dem Jahreswechsel wieder starten dürfte, war es zuletzt im Weltcup-Team der Frauen nicht mehr ganz so harmonisch zugegangen. Einen Einblick ins Teamgefüge hatte Franziska Hildebrand gegeben, als sie den damaligen Bundestrainer Gerald Hönig nach dem olympischen Staffel-Debakel mit Platz acht öffentlich harsch kritisierte. Später ruderte sie zwar zurück, doch die Lawine war ins Rollen gekommen.

Vielleicht auch deshalb sorgte nach den in der Endabrechnung erfolgreichen Winterspielen - Dahlmeier holte zweimal Gold und einmal Bronze - der Verband mit unerwarteten Personalentscheidungen für ein Trainer-Beben. Der langjährige Chef Hönig, in dessen Amtszeit es 25 Olympia- und WM-Medaillen gab, wurde durch die jungen Mehringer/Steirer abgelöst und ist nun Schießtrainer. Sein einstiger Assistent Tobias Reiter ist wieder am Ruhpoldinger Stützpunkt, Männer-Bundestrainer Kirchner Damen- und Herren-Chefcoach.

«Wir haben ein junges Team. Die Trainer sprechen die Sprache der Mädels. Es geht auch darum, an sie heranzukommen, wenn es Probleme gibt», sagte der sportliche Leiter Björn Weisheit.

Für Mehringer (37) und Steirer (36) war es «sehr wichtig, wieder Menschlichkeit und Zusammenhalt ins Team zu bekommen. Das war die wichtigste, aber auch zeitgleich schwerste Aufgabe», sagte Steirer. Eine freundschaftliche und respektvolle Trainer-Sportler-Basis, offen auf die Mädels zugehen, sie nehmen, wie sie sind. Versuchen, alle gleichzustellen, egal ob es Laura Dahlmeier als siebenmalige Weltmeisterin oder Karolin Horchler ist: Das sei ihre Maxime, so Steirer.

Ihre Ankündigung, frischen Wind reinzubringen, haben die Coaches schnell umgesetzt, absolvieren Einheiten sogar mit. Das Rad neu erfinden müssten sie nicht, neben kleineren Optimierungen habe man keine gravierenden Änderungen vorgenommen. «Wenn wir so erfolgreich sind wie die letzten Jahre, haben wir vieles richtig gemacht», sagte Steirer.

Im vergangenen Winter holten Dahlmeier & Co im Weltcup sieben Siege sowie acht weitere Podestplätze. Dahlmeier war daran mit zwei Siegen und fünf weiteren Podiums beteiligt. Unter die Top Ten können Herrmann, Hildebrand, Preuß und Vanessa Hinz immer laufen. Dass es zum Auftakt aber auch ohne Dahlmeier geht, zeigten sie auch schon: In der Vorsaison gewann Herrmann zwei der ersten drei Rennen.

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