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Sympathy for the dino

30.04.2018 - „Und ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich ganz ungeniert,“ sollen sich sowohl Dichter Wilhelm Busch als auch Denker Bertold Brecht schon gedacht haben. Obgleich sich die „Gelehrten“ aber (relativ) einig darüber sind, dass wohl erst der Kabarettist Werner Kroll 1945 die bekannte Lebensweisheit erstmals öffentlich vortrug. Und Sie fragen sich jetzt, was das mit dem Bundesliga-Fußball zu tun hat, richtig?

  • Hamburger Vetternwirtschaft – die sich aber lohnt: Lewis Holtby (l.) lotste einst Christian Titz als Nachwuchscoach zum HSV. Nachdem er von diversen Trainern abgeschoben worden war, feierte Holtby nun sein Comeback. Das 2:0 in Wolfsburg...

    Hamburger Vetternwirtschaft – die sich aber lohnt: Lewis Holtby (l.) lotste einst Christian Titz als Nachwuchscoach zum HSV. Nachdem er von diversen Trainern abgeschoben worden war, feierte Holtby nun sein Comeback. Das 2:0 in Wolfsburg war bereits sein vierter Treffer unter Titz. Insgesamt hat er in vier Jahren HSV nun neun Tore erzielt... - Foto: Peter Steffen © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Sie läuft und läuft und läuft (auch wenn dieser Spruch eher nach Wolfsburg gehört...): Die HSV-Bundesliga-Uhr wird womöglich auch 2018 nicht abgestellt, sollte dann aber langsam mal auf den Müll, bevor die...

    Sie läuft und läuft und läuft (auch wenn dieser Spruch eher nach Wolfsburg gehört...): Die HSV-Bundesliga-Uhr wird womöglich auch 2018 nicht abgestellt, sollte dann aber langsam mal auf den Müll, bevor die Fans gleich wieder von den guten, alten Zeiten und der Europa League träumen - Foto: Daniel Reinhardt © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Erstmals in seiner Zeit beim VfL Wolfsburg wurde Bruno Labbadia lautstark gefeiert. Allerdings von den HSV-Fans, die minutenlang seinen Namen skandierten und ihn (erneut) als Retter feierten. Seine Mission in Wolfsburg als dritter Coach...

    Erstmals in seiner Zeit beim VfL Wolfsburg wurde Bruno Labbadia lautstark gefeiert. Allerdings von den HSV-Fans, die minutenlang seinen Namen skandierten und ihn (erneut) als Retter feierten. Seine Mission in Wolfsburg als dritter Coach der Saison scheint zu scheitern – Foto: Julian Stratenschulte © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Schulterschluss: Auch in schlechten Zeiten stehen Fans und Mannschaft des 1.FC Köln zusammen. So heißt es mit Sicherheit nur: auf Wiedersehen! – Foto: Helge Prang © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 / dpa – Deutsche...

    Schulterschluss: Auch in schlechten Zeiten stehen Fans und Mannschaft des 1.FC Köln zusammen. So heißt es mit Sicherheit nur: auf Wiedersehen! – Foto: Helge Prang © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das will ich Ihnen gern erläutern: Der aus der Not heraus „geborene“ HSV-Trainer Christian Titz scheint sich die vorgenannte Weisheit des Lebens zu eigen gemacht zu haben. Denn anders lässt sich die Beharrlichkeit, Ruhe und Souveränität, mit der der vormalige U-21-Coach der Hamburger den Rettungsweg an der Elbe eingeschlagen hat, kaum noch erklären. Ihn interessiert (fast) Nichts, was vor seiner Zeit war, sondern nur das Hier und Jetzt – immer ein wenig vorausschauend und nach vorn blickend. Ein Quäntchen Demut, eine gehörige Portion Mut und eine große Prise Sachlichkeit dazu gegeben - fertig ist das Rezept des vermeintlichen Retters!

„Rampensau“ ohne Allüren

Selbst im „Aktuellen Sportstudio“ machte Lewis Holtbys „Ziehvater“ Titz eine nahezu perfekte Figur: sympathisch, unterhaltsam, nüchtern analysierend. Nur an der Torwand war er nicht besser als der Tabellenstand seines Teams. Der 47-Jährige wird nicht müde zu warnen, dass lediglich die sportliche Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt verbessert worden sei. Erreicht habe man dagegen noch gar nichts. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass ihm das Rampenlicht durchaus zusagt, aber er verkauft den Verein, die Mannschaft und sich dabei so gut, als hätte er sich jahrelang darauf vorbereitet. Kaum zu glauben, aber der HSV hat da einen echten Sympathieträger in der sportlichen Verantwortung, bei dem selbst den Hamburgern nicht gerade wohlgesonnene Fußball-Anhänger ins Schwärmen geraten. Wenn Christian Titz jetzt noch verspricht, bei Klassenerhalt persönlich die Stadionuhr abzustellen und den seit Jahren nervenden „Dino-Kult“ eigenhändig zu beerdigen, dann hätte er binnen weniger Wochen mehr Positives bewirkt, alle Vorstände und Trainer der vergangenen 15 Jahre zusammen. Und „Hamburg meine Perle“ wird (als letztes Relikt einer längst vergangenen Zeit), in Anlehnung an einen Hit der Rolling Stones, von „Sympathy for the dino“ als Stadion-Gassenhauer abgelöst. Allerdings sangen die alten Rocker damals vom „Devil“ - und der Teufel steckt beim Blick auf die Tabelle immer noch im Detail...

 

Abgas-Krise färbt ab

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach den Hansestädtern aus Bremen auch die aus Hamburg retten werden, ist seit dem 3:1-Sieg am Samstag in Wolfsburg noch einmal enorm gestiegen. Schuld daran sind ganz allein die erneut enttäuschenden Verlierer des VfL, der adäquat dem unterstützenden VW-Konzern in der Abgas-Krise, selbstzerstörerisch auf die 2. Liga zutaumelt. Etatmäßig auf Champions-League-Kurs, stecken die Wölfe nun schon die zweite Saison in Folge mitten im tiefen Abstiegssumpf. Eine verfehlte Personalpolitik auf allen Ebenen und offensichtlich fehlende Kompetenz auf Entscheider-Level sind die Gründe. Es war ein Armutszeugnis und Desaster, wie die geplanten Korrekturen des “Führungs-Vakuums“ mit den gescheiterten Verpflichtungen von Hannovers Horst Heldt als Sportdirektor und Nürnbergs Michael Meeske als kaufmännischer Leiter im Sande verliefen. Ein fehlender „Plan B“ inklusive der Entlassung von Sportdirektor Olaf Rebbe nicht einmal 24 Stunden vor dem Schicksalsspiel gegen den HSV vervollständigte das Desaster, das dann folgerichtig auf dem Platz ebenso stattfand und in der 2.Liga zu enden droht.

 

„En unserem Veedel“

Dort könnte es ein Wiedersehen mit dem seit Samstag feststehenden Absteiger, dem 1. FC Köln, geben. Fast genau 40 Jahre nach der bislang letzten Deutschen Meisterschaft verabschiedete sich der FC nun schon zum sechsten Mal aus der Bundesliga. So traurig der Sturz der Kölner aus der Europa-League in die 2. Liga auch ist, so einfühlsam und zusammen stehend zeigte sich der treue Kölner Anhang. „En unserem Veedel“ schallte es lautstark nach dem Abpfiff den Akteuren von den Rängen entgegen. Auch in Köln hatte die verfehlte Transferpolitik maßgeblichen Anteil am Absturz. Insbesondere den Abgang von Goalgetter Anthony Modeste ohne sinnvolle Ersatzlösung kompensieren zu wollen, war ein Fauxpas, der den Kölnern teuer zu stehen kam: Manager Jörg Schmadtke musste gehen, der eigentlich so geliebte Coach Peter Stöger wurde entlassen und – aller guten Dinge sind ja bekanntermaßen deren drei – die Rückkehr ins zweite Glied des Profifußballs.

Wechselspiel am Rhein

Jenes zweite Glied hat der Erzrivale aus Düsseldorf gerade verlassen, denn seit Samstag ist die Fortuna zurück in Liga 1! Kontinuität, geschlossenes Auftreten und mit Friedhelm Funkel (64) ein alter ausgebuffter Hase auf der Trainerbank, der bereits zum sechsten Mal einen Zweitligisten ins Fußball-Oberhaus führte, waren die Ausschlag gebenden Faktoren für den Aufstieg.  Willkommen - und Herzlichen Glückwunsch!!!

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