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Warum Pediküre für Pferde so wichtig ist

27.11.2020 - Wenn der Hufschmied kommt, geht es Pferden an alle vier Hufe. Denn das überflüssige Horn muss ab. Würde es einfach schief und krumm weiterwachsen, hätte das böse Folgen.

  • Regelmäßige Hufpflege beim Pferd ist wichtig: Sonst kann es zum Beispiel zu Fehlstellungen kommen. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Regelmäßige Hufpflege beim Pferd ist wichtig: Sonst kann es zum Beispiel zu Fehlstellungen kommen. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Daniel Sinka ist Hufschmied in Hermsdorf (Berlin). Foto: Jeannette Hix/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Daniel Sinka ist Hufschmied in Hermsdorf (Berlin). Foto: Jeannette Hix/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Zum Themendienst-Bericht von Jeannette Hix vom 27. November 2020: Im Winter reicht es aus, wenn der Hufschmied alle acht bis zehn Wochen kommt. Foto: Jeannette Hix/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zum Themendienst-Bericht von Jeannette Hix vom 27. November 2020: Im Winter reicht es aus, wenn der Hufschmied alle acht bis zehn Wochen kommt. Foto: Jeannette Hix/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Das Hufeisen muss beim Anpassen sehr heiß sein, damit es sich perfekt anschmiegt. Dann wird es unter den Huf genagelt. Foto: Nicolas Armer/dpa/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Hufeisen muss beim Anpassen sehr heiß sein, damit es sich perfekt anschmiegt. Dann wird es unter den Huf genagelt. Foto: Nicolas Armer/dpa/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit gespitzten Ohren steht das weiß-rotbraun gescheckte Pferd vor dem Stall. Schon längst hat der Wallach namens Redford den Motor vom weißen Kastenwagen gehört, indem Hufschmied Daniel Sinka sitzt.

Im Winter fährt der 50-Jährige aus Berlin alle acht bis zehn Wochen den kleinen Pferdehof im Land Brandenburg an. Im Sommer kommt er sogar alle sechs Wochen. Denn durch das frische, nährstoffreiche Gras wächst das Horn der Pferdehufe schneller.

«Der Pferdehuf ist ein bisschen vergleichbar mit unseren Finger- und Fußnägeln», sagt Daniel Sinka, der wie sein Vater den Beruf von der Pike auf erlernt hat. «Wenn unsere Finger- und Fußnägel nicht regelmäßig geschnitten werden, wachsen sie schief und krumm und brechen schließlich ab.»

Hauspferde laufen sich überflüssiges Horn nicht ab

Im Gegensatz zu Wildpferden kommen Hauspferde nicht ohne Hufschmied aus. «Denn Hauspferde bewegen sich deutlich weniger als ihre Artgenossen in freier Natur und laufen sich überflüssiges Horn nicht ab», weiß Sinka. Würden Hufe von Hauspferden nicht regelmäßig gekürzt und in Form gebracht, komme es zu Fehlstellungen oft mit gesundheitlichen Folgen.

«Ist der Huf zu lang, ausgebrochen oder schief abgelaufen, kann das negative Auswirkungen auf die inneren Stützelemente im Huf wie das Huf- und Strahlbein haben», sagt Michael Köhler, Fachtierarzt für Pferde und Chirurgie aus dem brandenburgischen Wusterhausen. Arthrosen und Entzündungen sind dann häufig die Folge.

«Fehlstellungen können auch Entzündungen der großen Strecksehne und der tiefen Beugesehne hervorrufen», so Köhler. «Unbehandelt ist das Pferd schlimmstenfalls nicht mehr reitbar und belastbar.»

Ran an den Horn mit Hufmesser, Zange und Raspel

Hufschmied Daniel Sinka hat sich in seiner mobilen Hufschmiede im Kastenwagen an die Arbeit gemacht. Der Schmied legt die Lederschürze an, die ihn vor Verletzungen mit den scharfen Hufmessern schützt, falls das Pferd scheuen sollte. «Mit dem Hufmesser wird der Strahl in der Mitte der Hufsohle gekürzt», sagt der Schmied.

Auch die Hufschneidezange zum Kürzen des Hornes, die Raspel zum Begradigen und der Hufbock zum Ablegen des Pferdefußes stehen bereit. Brav hebt Redford nun ein Bein nach dem anderen. Schon als Fohlen hat seine Besitzerin das mit ihm geübt. Um das Beschlagen mit Hufeisen kommt er allerdings herum - den Redford ist ein sogenannter Barfußgänger.

Für Pferdehufen, die Eisen tragen, hat Daniel Sinka vier verschiedene Hufeisengrößen an Bord seiner mobilen Schmiede samt Gas betriebenen Ofen. In dem werden die Hufeisen bei Temperaturen bis zu 1200 Grad erhitzt, um dann glühend auf dem Amboss in die individuelle Form des Hufes geschlagen zu werden.

Im Winter barfuß - im Sommer mit Hufeisen

Die 14 Pferde von Josephine Pisch auf der «P-Ranch» auf Rügen gehen im Winter bei wenig Reitbetrieb barfuß und in der Saison mit Hufeisen. So wird das Horn bei den zahlreichen Ausritten auf teils befestigten Wegen nicht zu kurz, was Pferde dann lahm gehen ließe.

«Ein guter Hufschmied muss nicht nur zuverlässig und pünktlich sein, sondern auch die fachliche Kompetenz mitbringen», sagt die Westernreiterin Josephine Pisch, die schon von Kindheit an im Sattel sitzt. «Je mehr Erfahrung der Schmied hat, desto besser. Jedes Pferd ist anders und muss dementsprechend auch individuell behandelt werden», sagt die Hofbesitzerin mit Ferienbetrieb.

Regelmäßige Pediküre das A und O

«Die Regelmäßigkeit der Hufbearbeitung ist ein entscheidender Faktor», sagt Jan-Gerd Rhenius, Vorstand vom Ersten Deutschen Hufbeschlagschmiedeverband (EDHV) in Landsberg am Lech. Dadurch ließen sich Hufprobleme vermeiden, bereits entstandenen Fehlstellungen entgegenwirken oder sogar beheben.

Bundesweit gibt es laut EDHV etwa 4000 Hufschmiede. Gute Hufbeschlagschmiede seien gefragt und hätten in der Regel volle Terminkalender. Die Preise für die «Pediküre der Pferde» liegen bei der Barhufbearbeitung je nach Aufwand zwischen 30 und 60 Euro. Spezialanfertigungen sind teurer.

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