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Cloud-Gaming will den teuren Spiele-PC ersetzen

22.08.2018 - Spielen bald alle nur noch per Stream? Anbieter virtueller Gaming-PCs und Streamingdienstleister arbeiten gerade hart am Ende des klassischen Gaming-PCs daheim. Das muss nicht mal eine schlechte Sache sein - aus gleich mehreren Gründen.

  • Der Cloud-Gaming-Dienst Shadow unterstützt viele Plattformen - darunter auch Smartphones. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Cloud-Gaming-Dienst Shadow unterstützt viele Plattformen - darunter auch Smartphones. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Aus dem Rechenzentrum auf den Laptop: Ein Gamescom-Besucher probiert die Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now aus. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Aus dem Rechenzentrum auf den Laptop: Ein Gamescom-Besucher probiert die Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now aus. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die meisten Cloud-Gaming-Dienste funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Abo abschließen, App runterladen und losspielen - wie hier mit Shadow fürs Smartphone. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur...

    Die meisten Cloud-Gaming-Dienste funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Abo abschließen, App runterladen und losspielen - wie hier mit Shadow fürs Smartphone. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Emmanuel Freund ist Gründer des französischen Unternehmens Blade, das den Shadow-Dienst anbietet. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Emmanuel Freund ist Gründer des französischen Unternehmens Blade, das den Shadow-Dienst anbietet. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Shadow-Box von Blade: Darüber lassen sich etwa auch anspruchsvolle Spiele am Fernseher zocken. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Shadow-Box von Blade: Darüber lassen sich etwa auch anspruchsvolle Spiele am Fernseher zocken. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Wind weht sanft durch die Waldhänge Montanas, in der Ferne hetzt ein Berglöwe seiner Beute nach. Aber eigentlich ist der Spieler gerade auf der Flucht vor einem schaufelschwingenden Wahnsinnigen: Willkommen in «Far Cry 5», einem der technisch anspruchsvolleren Spiele dieses Jahres.

Für volle Details ist ein leistungsstarker Spiele-PC Pflicht. Aber im Business-Bereich der Videospielemesse Gamescom (Besuchertage: 22. bis 25. August) läuft «Far Cry 5» in ansehnlicher Grafikpracht auf einem unscheinbaren Notebook für 200 Euro. Wie kann das sein?

«Wir haben in einem Elektronikmarkt nach dem günstigsten Modell gefragt», sagt Emmanuel Freund, Gründer des französischen Unternehmens Blade. Mit dem Billigrechner will Freund vor allem eines zeigen: In naher Zukunft wird es egal sein, welchen Computer oder welche Konsole jemand hat, es werden auch die neuesten und anspruchsvollsten Spiele darauf laufen. Denn Blade vermietet virtuelle Computer. Das geht so: Man schließt ein Abo ab, lädt eine App herunter und legt los. Bei jeder Anmeldung wird im Rechenzentrum ein virtueller Computer zusammengestellt.

«Ziel ist, dass Nutzer kein eigenes Gerät mehr brauchen», sagt Freund. Denn Zugang zu Shadow, so der Name des Dienstes, gibt es vom Notebook, Mac, Smartphone, Tablet oder von einer Zugangsbox aus. Auf dem virtuellen Rechner können Nutzer installieren und spielen, was sie wollen. Alle anspruchsvollen Arbeiten erledigt das Rechenzentrum, Spieler streamen auf ihre Geräte nur noch das bewegte Bild.

«Cloud Gaming ist der nächste Schritt», sagt Felix Falk, Geschäftsführer beim Branchenverband Game. Er sieht solche Angebote als niedrigschwellige Lösung auch für Gelegenheitsspieler. Jeder könne so unabhängig von der Hardware seine Wunschtitel spielen. Statt einer einzelnen großen Investition in einen teuren Gaming-PC alle paar Jahre würden viele künftig monatlich zahlen, sagt er voraus. Dafür erhalten sie Zugang zu Spiele-Bibliotheken, wie es jetzt schon bei Video-Streamingdiensten üblich ist. Der Vorteil: eine hohe Verfügbarkeit von Spielen und alle Spielstände auf allen Geräten.

Doch noch gibt es Hindernisse. Schaut man in Deutschland auf den Breitbandausbau, ist Cloud Gaming zwar ein schöner Gedanke. Für eine Massennutzung ist das Netz aber längst nicht bereit. Trotzdem sieht auch Prof. Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn die Spiele-Zukunft zum Teil im Rechenzentrum. «Was wir heute von Amazon-Prime, Netflix oder dem Apple-TV kennen, werden wir auch bei Spielen sehen», sagt er. «Das geht aber nur, wenn der Breitbandausbau wie geplant vorangeht.»

Bandbreite ist das entscheidende Kriterium für den Erfolg von Cloud Gaming. 10 Megabit pro Sekunde (MBit/s) braucht es laut Emmanuel Freund mindestens für ruckelfreies Spielen in HD-Auflösung, für Full-HD sind es schon 25 bis 50 MBit/s, und wer in 4K spielen will, braucht eine Internetleitung jenseits der 50 MBit/s. Bandbreiten, die in etlichen Teilen Deutschlands noch längst nicht Standard sind.

Neben Blades Shadow-Dienst gibt es noch weitere Cloud-Gaming- oder Streaming-Angebote für Games. Etwa Playstation Now, den Xbox Gamepass oder Origin Access. Auch Grafikkartenriese Nvida etabliert mit Geforce Now eine Streamingplattform. Anders als Blade richten sich die US-Amerikaner stärker auf den reinen Spiele-Service aus. Spieler können hier auf einen festen Katalog mit mehr als 200 Spielen zugreifen oder eigene Spiele von anderen Dienstleistern verknüpfen, erklärt Sridhar Ramaswamy von Nvidia. Aktuell ist der Dienst in einer offenen Testphase bis zum Ende des Jahres. Wie es dann weitergeht und was Geforce Now einmal kosten wird, verrät Nvidia noch nicht.

Bei Blade ist man da schon etwas weiter. Rund 30 Euro im Monat, also 360 Euro im Jahr, verlangen die Franzosen für den Cloud-Computer. Rechnet man das auf die Laufzeit eines Gaming-Computers inklusive neuer Austauschhardware hoch, unterscheiden sich die Preise am Ende nicht groß. Dennoch kann sich Cloud-Gaming für den Spieler lohnen. Denn so hat er immer aktuelle Hardware zur Verfügung. «Ich glaube, dass Spieler bereit sind, dafür zu bezahlen», sagt Jörg Müller-Lietzkow. Er rechnet damit, dass sich die Angebote bei Monatspreisen von 15 bis 20 Euro einpendeln werden.

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