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Hot Chip nehmen ein Vollbad in der Elektropop-Ekstase

21.06.2019 - Erklärtermaßen in «keine Schublade» zu passen: Im Indie-Bereich gehört das fast schon zum guten Ton. Im Fall von Hot Chip trifft es sogar zu. Mit dem neuen Album will die Londoner Band ihre Hörer zur Ekstase bringen - und hat sich dafür Hilfe von zwei ganz Großen geholt.

  • Alexis Taylor (l) von der britischen Band Hot Chip auf der Bühne. Foto: Laurent Gillieron/epa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Alexis Taylor (l) von der britischen Band Hot Chip auf der Bühne. Foto: Laurent Gillieron/epa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das erste Video zu Hot Chips neuem Album «A Bath Full Of Ecstasy» sprengt gleich das Format: Acht Minuten dauert der Clip. Er zeigt ein Paar, dessen Leben plötzlich von Musik untermalt ist.

«Bist Du das?», fragt die Frau, als der Beat von «Hungry Child» einsetzt. «Nicht Du?», fragt ihr Mann zurück. Und weil die Quelle des Klangs nicht auszumachen ist, finden sich beide schließlich bei einer Therapeutin wieder.

In drei einwöchigen Sessions haben Hot Chip, die seit bald 20 Jahren vor allem Europas Clubs mit elektronischer Tanzmusik versorgen, es in der Vergangenheit aber auch gelegentlich in die US-Albumcharts schafften, «A Bath Full Of Ecstasy» (Veröffentlichung 21. Juni/Domino Records) geschrieben und aufgenommen. Das Ergebnis ist geprägt von Synthesizer-Klängen, der Falsettstimme von Sänger Alexis Taylor - und wie immer von ambitioniertem Songwriting.

Hilfe bei der Produktion holte sich die Band unter anderen bei Zdar, der in der Vergangenheit schon Bands wie Phoenix oder eben seinem eigenen Projekt Cassius dabei half, einen ganz eigenen Klang zu prägen. Zusätzlich unterstützte Rodaidh McDonald, der in der Vergangenheit Pop-Wunder wie den jungen Briten King Krule produzierte, mit Vampire Weekend zusammenarbeitete und auch für das letzte Album («I'm New Here») des 2011 gestorbenen Soul-Poeten Gil Scott-Heron verantwortlich zeichnete. Für solche popkulturellen Weihen scheint das Paar im «Hungry Child»-Video allerdings kaum empfänglich zu sein.

«Ich habe gesagt, ich würde ihnen raten, auf den Text zu hören!», schreit die Therapeutin, latent genervt von dem misslaunigen Duo, über den Trommelfell-zerberstenden elektronischen Klangteppich hinweg. Und der Text scheint tatsächlich ganz gut zu einem Paar zu passen, dem irgendwie der Sinn abhanden gekommen ist. «Loving never felt so wrong before», heißt es da etwa.

Wenn man so will, dann ist «A Bath Full of Ecstasy» genau der Gegenentwurf zu dem hier zur Schau getragenen Unwillen, auf die Zwischentöne des Lebens zu hören und zur Weigerung, sich am Moment, ja aneinander zu erfreuen. Und so ist jeder Beat, jedes Sample ein Aufruf, sich treiben zu lassen, statt getrieben zu sein. Es gehe um «Ekstase als persönliches Glück», heißt es in einer Mitteilung. In diesem Kosmos wäre es die folgerichtigere Reaktion, einfach zu tanzen, wenn das Leben plötzlich von Musik untermalt wird, statt nach dem Lautstärkeregler zu suchen.

In den Texten zeigt sich dennoch, dass Hot Chip mehr tun, als bloß den Soundtrack zu liefern, zu dem sich Menschen «locker machen» sollen. Beziehungen, Freundschaft, Umgang mit Krankheit und Trauer - all das thematisiert Taylor in den neun Stücken des Albums, ohne dass sich das je schwermütig anhören würde. «Leave your past behind: Just an echo, nothing to regret» - Lass die Vergangenheit hinter dir: Sie ist nur ein Echo - nichts, das du bereuen müsstest, gibt Taylor in «Echo» seinen Hörern sinngemäß mit auf den Weg. Das ist sicher nicht die schlechteste Didaktik, wenn Ekstase das Ziel ist.

Wer die Technicolor-Pop-Explosion live erleben möchte, bekommt dazu in diesem Jahr zahlreiche Gelegenheiten. So werden Hot Chip 2019 in zahlreichen Clubs und bei europäischen Festivals zu sehen sein - etwa beim berühmten Glastonbury Festival in Großbritannien oder beim Pukkelpop in Belgien. Wer in Deutschland den umjubelten Auftritt beim Mayfeld-Derby in Mannheim Mitte Juni verpasst hat, wird sich allerdings gedulden müssen: Erst im Dezember schlägt die Band hier wieder auf - mit jeweils einem Konzert in Hamburg und Berlin.

Überschattet wird die Hot-Chip-Veröffentlichung vom Tod des Mitproduzenten Zdar. Dessen Management und die französische Gesellschaft für Autorenrechte der Musiker sprachen am Donnerstag in Paris von einem tragischen Unfall des DJ-Stars, der mit bürgerlichem Namen Philippe Cerboneschi hieß. Auch Zdars Projekt Cassius veröffentlichte am 21. Juni ein neues Album mit dem Titel «Dreems».

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