Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

"Alte Bande": Mario Adorf und Tilo Prückner im Interview

06.01.2020 - Mario Adorf und Tilo Prückner sprechen im exklusiven Doppelinterview über ihre gemeinsame Geschichte und das Alter.

  • 
		Boxer (Mario Adorf, l) und Wallberg (Tilo Prückner, r) wollen endlich Kathrin wiedersehen. © WDR/Roland-Guido

    Boxer (Mario Adorf, l) und Wallberg (Tilo Prückner, r) wollen endlich Kathrin wiedersehen. © WDR/Roland-Guido Marx

Zwei ältere Gangster planen ihren Ausbruch aus dem Seniorenknast: In der Gaunerkomödie „Alte Bande“ (Mittwoch, 8. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste) spielen der 89-jährige Mario Adorf und der 79-jährige Tilo Prückner ein Ganovenduo – nicht zum ersten Mal in ihrer langen Film- und TV-Karriere. GOLDENE KAMERA traf die beiden gut gelaunten Schauspieler zum exklusiven Doppelinterview.

 

Interview mit Mario Adorf und Tilo Prückner

 

GOLDENE KAMERA: Herr Adorf, Herr Prückner, Sie haben schon 1976 in „Bomber und Paganini“ gemeinsam in einer Gaunerkomödie gespielt. Ist Ihnen das in guter Erinnerung geblieben?

MARIO ADORF: Ja, wir hatten damals viel Spaß! Das sind sehr angenehme Erinnerungen. Wir haben danach noch einige Filme zusammengedreht. Es war immer Tilos Wunsch, „Bomber und Paganini“ fortzusetzen. Das wurde aber leider nie realisiert. Umso schöner, dass wir nach 43 Jahren in „Alte Bande“ endlich wieder zueinandergefunden haben. Sozusagen eine späte Fügung.

 

Was ist das genau für ein Film?

TILO PRÜCKNER: Eine etwas melancholische Komödie, in der auch das Älterwerden reflektiert wird. ADORF: Aber es ist keine Greisengeschichte. Es sind zwei alte Männer, die gern leben und dem Alter manches Mal ein Schnippchen schlagen.

Gaunerkomödien scheinen Ihnen zu liegen. Was macht dabei Spaß?

ADORF: Gauner geben mehr her als die Heldenfiguren, die mir nicht so liegen.

PRÜCKNER: Gauner sind oft die besseren Rollen, weil schräge Typen interessanter sind. Ich spiele gern Außenseiter. Ich habe einmal einen Penner gespielt, danach bekam ist ständig Rollen als Penner angeboten. Aber inzwischen habe ich mich hochgespielt zum Kommissar wie bei den „Rentnercops“.

 

Wodurch zeichnen sich Ihrer Meinung nach gute Komödianten aus?

PRÜCKNER: Man braucht Fantasie. Mario fällt immer etwas ein. Das ist nicht leicht.

ADORF: Du kannst dich nicht beklagen. Dir fällt ja auch immer etwas ein.

Das heißt, es ist ein Wechselspiel, bei dem man sich gegenseitig fordert?

PRÜCKNER: Ja, der eine hat einen Einfall, und der andere muss darauf reagieren.

Sie haben einige Boxeinlagen im Film, Herr Adorf. Das sieht gekonnt aus.

ADORF: Da tut man natürlich so, als sei man fit. Wir haben das aber auch nicht übertrieben. Ich will das Publikum nicht belügen, indem ich das Alter verleugne. Es soll ja auch deutlich werden, dass nicht mehr alles problemlos funktioniert bei dem Boxer. Wenn er zuschlägt, dann tut das weh, vor allem ihm selbst.

PRÜCKNER: Man merkt bei Mario aber, dass er boxen kann. Das ist echt. Er hat ja früher richtig geboxt.

ADORF: Zum Boxen kam ich in jungen Jahren nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern aus der Notwendigkeit der Selbstverteidigung. Bei uns in der Kleinstadt gab es nach dem Krieg eine Bande junger Burschen, die mir immer wieder meine auf dem Land gehamsterten Lebensmittel abnahmen und mich verprügelten. Um mich zu verteidigen, bin ich in einen Boxklub gegangen. Mein Pech war, dass diese Burschen auch da waren. Und dann haben sie mich noch mal verprügelt, diesmal mit Handschuhen. So habe ich Boxen gelernt und konnte es einigen von ihnen heimzahlen.

 

Auch Sie haben sportliche Szenen, Herr Prückner. Wie halten Sie sich fit?

PRÜCKNER: Ich mache Gymnastik und Konditionstraining und achte darauf, dass ich einigermaßen fit bleibe. Das ist mir wichtig, nicht nur wegen des Berufs. Das kostet aber viel Selbstüberwindung.

ADORF: Ich mache leider immer weniger. Früher bin ich viel geschwommen. Ich habe die Ferien meistens am Meer verbracht. Da bin ich oft Stunden geschwommen. Jetzt wird es immer weniger.

Achten Sie auf gesunde Ernährung?

ADORF: Ja, ich habe immer schon achtgegeben, weil ich keinen Bauch bekommen wollte. Ich neige dazu zuzulegen, aber ich habe immer aufgepasst. Ich ernähre mich vernünftig, bin aber kein Gesundheitsapostel und zähle keine Kalorien. Wenn es zu viel wird, dann ist Fasten angesagt.

PRÜCKNER: Das Dumme ist, dass mein Gewicht weniger wird und mein Bauch trotzdem wächst, weil die Muskeln schwinden. Früher waren meine Beine richtige bayerische Haxen.

Sie haben beide sehr viel erlebt. Was würden Sie jüngeren Menschen fürs Leben raten? Worauf kommt es an?

ADORF: Jungen Menschen Ratschläge zu geben ist grundsätzlich eine heikle Sache. Ich halte mein Leben nicht für so exemplarisch, dass ich anderen sagen möchte, sie sollen es so machen wie ich. Ich habe ein paar Grundsätze. Meine Mutter hat gesagt: „Bleib auf dem Boden.“ Das habe ich beherzigt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich nicht sehr ehrgeizig bin. Ich wollte nie der Beste sein. Schon in der Schule nicht. Auch nicht im Sport. Wenn einer schneller lief als ich, dann habe ich ihn laufen lassen.

PRÜCKNER: Mario ist für mich vorbildlich in Sachen Lebenskunst. Nach außen sieht es so aus, als hättest du alles richtig gemacht. Hohe Gagen, gute Rollen, internationale Anerkennung, eine schöne Frau. Und dabei bist du immer auf dem Boden geblieben.

ADORF: Ich würde von mir nicht behaupten, dass ich alles richtig gemacht habe. Aber ich weiß, wo ich herkomme. Ich habe zwei Erbteile. Es kann sein, dass die Spielfreude eine südliche Begabung ist, die ich von meinem italienischen Vater geerbt habe.

PRÜCKNER: Und Mario hat Humor und kann über sich selbst lachen. Einen Rat an junge Schauspieler hätte ich schon. Mir hat mal ein Regisseur gesagt: „Als Schauspieler brauchst du einen langen Atem.“ Das stimmt. Es geht viel auf und ab. Auch prominente Schauspieler erleben Riesenflauten zwischendurch. Ich habe es insgesamt ganz gut hinbekommen. Das liegt aber auch daran, dass ich in schwierigen Zeiten schlechte Rollen gespielt habe.

ADORF: Ich hatte eigentlich immer Glück und nie einen richtigen Einbruch. Aber ich habe schon mal gesagt: Anders als in anderen Ländern ist in Deutschland nichts so folgenlos wie der Erfolg. Ich höre das öfter von jüngeren Kollegen. Nach einem großen Erfolg kommt oft ein Loch.

 

Was ist Ihrer Ansicht nach die beste Phase im Leben?

ADORF: Ich habe mein Leben durchweg genossen. Besonders die 40 Jahre in Italien waren eine schöne Zeit. Dolce Vita: Man war jung, alles fühlte sich leicht an. Ich hatte nie das Gefühl, das Leben sei schwer. Ich habe die italienische Mentalität genossen. Das ist heute auch nicht mehr so. Die Heiterkeit, die Leichtigkeit ist weg.

Und wie gehen Sie mit dem Alter um?

PRÜCKNER: Im Alter habe ich den Vorteil, dass ich mit meiner Meinung weniger Rücksichten nehme als früher. Ich rede, wie ich denke. Die Konsequenzen sind mir egal, davor muss ich keine Angst mehr haben. Ich bekomme meine Rente und habe meinen Verdienst. Die jungen Kollegen agieren oft stromlinienförmig aus nackter Angst, den Job zu verlieren. Wenn ich eine Sendung trotz hoher Einschaltquote für Mist halte, dann sage ich das. Das will niemand hören, aber das ist mir egal. Das ist der Vorteil des Alters. Der Druck ist weg.

In „Alte Bande“ geben Sie vor, dement zu sein. Haben Sie davor Angst?

PRÜCKNER: Ja logisch. Das kann jeden Moment losgehen. Es droht einem ja ständig, dass man verblödet. Ich lerne Texte nicht mehr so schnell wie früher. Und wenn ich mir etwas nicht merken kann, denke ich schon manchmal, was ist denn nun los? Geht es jetzt los? Das hört man auch im Bekanntenkreis. Ich bekomme auch deswegen so viele Rollen angeboten, weil Kollegen wegsterben, dement sind oder durch zu viel Alkohol kaputtgingen.

ADORF: Kollegen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, die getrunken haben, sind alle tot. Und meist sind sie sehr früh gestorben. Ich hatte zum Glück nie Probleme mit Alkohol. Ich trinke gern guten Wein, mit Maßen, aber keine harten Sachen.

 

Wie lange wollen Sie noch spielen? Haben Sie sich einen Zeitpunkt gesetzt, wann Sie aufhören wollen?

ADORF: Man macht nicht mehr alles. Aber das Schöne an unserem Beruf ist ja, dass man nicht mit 65 in Rente gehen muss. In anderen Berufen ist von heute auf morgen Schluss. Ich beobachte das bei Freunden, die damit große Probleme haben. Sie müssen plötzlich einen neuen Lebenssinn finden und sich beschäftigen. Das Problem haben wir Schauspieler nicht. 65? Das ist bei mir 24 Jahre her. Was habe ich seitdem noch alles gedreht.

PRÜCKNER: Ich brauche das Spielen nicht, und ich möchte auch nicht auf der Bühne sterben. Aber solang es geht und Spaß macht, mache ich weiter. Wie bei „Alte Bande“. Oder den „Rentnercops“, wo ich den Edwin sehr gern spiele. Da steckt einiges von mir drin. Außerdem habe ich ein größeres Mitspracherecht als früher, auch bei den Regisseuren. Ich sage immer, dass ich keine Regisseure brauche, was sie natürlich ärgert. Aber ich habe eine gute Verhandlungsposition. Der finanzielle Druck ist weg. Ich muss das nicht mehr machen.

ADORF: Genau. Nur wenn es Spaß macht.

Die TV-Highlights 2020:

 

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren