Dienste

 

 

«Tödliche Lücke» Private Retter setzen Einsätze im Mittelmeer aus

Die Stimmung gegen die privaten Seenotretter im Mittelmeer hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Nun sehen sich einige Hilfsorganisationen gezwungen, ihre Rettungseinsätze auszusetzen. Nicht nur aus Sicherheitsgründen.
  • Kapitän und Offizier des Rettungsschiffs «Aquarius» blicken auf das Mittelmeer. An Deck des Schiffs sind bereits Migranten zu sehen, die zuvor an Bord von Einsatzkräften der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee gerettet wurden. Foto: Lena Klimkeit/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Kapitän und Offizier des Rettungsschiffs «Aquarius» blicken auf das Mittelmeer. An Deck des Schiffs sind bereits Migranten zu sehen, die zuvor an Bord von Einsatzkräften der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee gerettet wurden. Foto: Lena Klimkeit/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Flüchtlinge warten in einem überladenen Boot auf Helfer. Foto: Bram Janssen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Flüchtlinge warten in einem überladenen Boot auf Helfer. Foto: Bram Janssen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Ein Mitarbeiter der spanischen NGO «Proactiva Open Arms» hebt vor der libyschen Küste ein Kind aus einem überfüllten Flüchtlingsboot. Foto: Santi Palacios © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Ein Mitarbeiter der spanischen NGO «Proactiva Open Arms» hebt vor der libyschen Küste ein Kind aus einem überfüllten Flüchtlingsboot. Foto: Santi Palacios © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kniet an einem Strand im Jemen neben dem Leichnam eines ertrunkenen Flüchtlings. Foto: IOM © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kniet an einem Strand im Jemen neben dem Leichnam eines ertrunkenen Flüchtlings. Foto: IOM © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Flüchtlinge in Rettungsbooten auf dem Mittelmeer: Italien will Rettungseinsätze von NGOs künftig an klare Regeln binden. Foto: Sima Diab © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Flüchtlinge in Rettungsbooten auf dem Mittelmeer: Italien will Rettungseinsätze von NGOs künftig an klare Regeln binden. Foto: Sima Diab © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Aus Seenot gerettete Migranten warten auf den Transfer von einem zivilen Schiff im Mittelmeer auf das Rettungsschiff «Aquarius». Foto: Lena Klimkeit © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Aus Seenot gerettete Migranten warten auf den Transfer von einem zivilen Schiff im Mittelmeer auf das Rettungsschiff «Aquarius». Foto: Lena Klimkeit © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Foto: Guardia Costiera © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Foto: Guardia Costiera © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Sie haben überlebt: Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration kniet neben Flüchtlingen, die von Schleppern ins Meer geworfen worden waren. Foto: IOM/Internationale Organisation für Migration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Sie haben überlebt: Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration kniet neben Flüchtlingen, die von Schleppern ins Meer geworfen worden waren. Foto: IOM/Internationale Organisation für Migration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Archivbild Foto: Santi Palacios © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Archivbild Foto: Santi Palacios © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Michael Buschheuer, Initiator von Sea Eye, auf dem neuen Kutter der Initiative. Foto: Stefan Sauer © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Michael Buschheuer, Initiator von Sea Eye, auf dem neuen Kutter der Initiative. Foto: Stefan Sauer © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
1 / 10

Wegen Sicherheitsrisiken im Mittelmeer vor Libyen unterbrechen einige Hilfsorganisationen ihre Missionen zur Rettung von Migranten. Einen Tag nach der Ankündigung von Ärzte ohne Grenzen zogen am Sonntag die deutsche Organisation Sea Eye und später auch Save the Children nach.

«Grund dafür ist die veränderte Sicherheitslage im westlichen Mittelmeer», teilte die Regensburger Gruppe Sea Eye mit. Ärzte ohne Grenzen hatte erklärt, von der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) eine konkrete Warnung erhalten zu haben. Save the Children will ihr Schiff so lange im Hafen von Malta lassen, bis es Klarheit über die Sicherheitslage gibt.

«Für NGOs wird das Klima auf dem Mittelmeer immer feindseliger. Das wird eine riesige Lücke in die Such- und Rettungskapazitäten reißen und Menschenleben fordern», twitterte Ärzte ohne Grenzen. Wie Sea Eye bezog sich die Organisation auf Berichte, wonach libysche Behörden ihre Kontrolle auf internationale Gewässer ausweiten wollen und diese Ankündigung mit einer expliziten Drohung gegen die humanitären Schiffe verknüpften.

«Nachdem die libysche Küstenwache in der Vergangenheit schon öfter auf Flüchtlingsboote und auch auf Rettungsschiffe geschossen hat, können wir dieses Risiko nicht mehr auf uns nehmen und dieses Gebiet weiterhin befahren. Das sind wir unseren Crews, der Sicherheit unserer Leute schuldig», sagte Sea-Eye-Sprecher Hans-Peter Buschheuer der Deutschen Presse-Agentur. Die Hilfsorganisation sprach von einer «tödlichen Lücke» im Mittelmeer, weil die Chance auf Rettung nun geringer wird. Dieses Jahr starben bereits mehr als 2400 Menschen auf der Route.

Die libysche Küstenwache bekräftigte ihren Vorwurf, dass einige Organisationen mit Schleppern zusammenarbeiteten. «Wir haben keine Beweise. Aber es ist schon merkwürdig, dass keine Flüchtlingsboote unterwegs sind, wenn die libysche Küstenwache auf See ist, aber Schiffe dieser Organisationen in der Nähe sind», sagte der Sprecher Ajub Kasim der Deutschen Presse-Agentur. Die Anweisung an ausländische Schiffe, nicht in die von Libyen eigenmächtig erweiterte Such- und Rettungszone für die Boote mit Migranten einzudringen, stimme mit internationalem Recht überein.

Die spanische Proactiva Open Arms will dagegen weiterretten. «Für uns ändert sich nicht viel im Vergleich zu den vergangenen Wochen», sagte Riccardo Gatti der Zeitung «La Repubblica». «Wir werden unsere Rettungseinsätze ohne Pause fortführen.» Nach Angaben der Organisation war ihr Schiff in der vergangenen Woche im Mittelmeer von der libyschen Küstenwache mit Warnschüssen bedrängt worden.

Für Ärzte ohne Grenzen scheint die Sicherheit nicht der einzige Beweggrund zu sein, die Mission der «Vos Prudence» zu unterbrechen. «Das Problem ist die absurde und rücksichtslose politische Linie der italienischen Regierung und von Europa, um das Migrationsproblem zu lösen», sagte Stefano Argenziano, der für Ärzte ohne Grenzen Migrations-Projekte koordiniert, «La Repubblica». «Die Libyer können ohnehin bereits mit der Unterstützung Europas und Italiens machen, was sie wollen. Wir wollen nicht Teil dieses illegalen, abartigen und unmenschlichen Mechanismus sein.» Ein medizinisches Team werde aber an Bord des Rettungsschiffs «Aquarius» von SOS Méditerranée bleiben.

Seit Anfang August unterstützt die italienische Marine die libysche Küstenwache technisch und logistisch. Die Regierung in Rom erhofft sich von dem Einsatz, dass weniger Migranten nach Italien kommen - und die Zahlen sprechen dafür: In den ersten zwei Augustwochen sind bislang erst etwas mehr als 1700 Menschen in Italien angekommen. Im gesamten Juli waren es 11 459, im Juni noch 23 526.

Ärzte ohne Grenzen forderte die EU und insbesondere Italien auf, von Strategien abzusehen, die «Menschen in einem Bürgerkriegsland einsperren, ohne deren Bedürfnisse nach Schutz und Unterstützung in Betracht zu ziehen». Sea-Eye-Sprecher Buschheuer warf der EU vor, die Lage «massiv verschlimmbessert» zu haben. «Sie haben dieses Regime (...) mit unendlich viel Geld ausgestattet, damit die die Drecksarbeit für die EU machen.» Es sei davon auszugehen, dass dies die Flüchtlinge nicht davon abhalte, sich auf den Weg zu machen.

Der EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos forderte unterdessen eine «strengere und effektivere Politik für Rückführungen», wie er den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte. «Das ist ein unverzichtbarer Aspekt einer gut funktionierenden Migrationspolitik.» Migranten, die keinen internationalen Schutz benötigten, in ihre Heimatländer zurückzuschicken, sei unerlässlich, um das öffentliche Vertrauen in das Asylsystem der EU zu wahren.

© dpa-infocom GmbH
 
Der umstrittene Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus. Foto: Carolyn Kaster © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

Er war massiv an Trumps Wahlkampf beteiligt und galt als rechter Vordenker im Weißen Haus. Jetzt verlässt Stephen Bannon die Regierung in Washington - inmitten eines tobenden Flügelkampfes.
 
 
 Zur Übersicht AuslandZur Startseite 
 

 

Arcor Video-News des Tages

 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
  • Die effektivste Art, Stürzen vorzubeugen, bleibt Bewegung. Schwimmen zum Beispiel fördert die Ausdauer, hält den Körper fit und hilft so, auch im Alltag besser zurecht zu kommen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Ein harmloser Stolperer kann für ältere Menschen schwerwiegende Folgen haben. Häufig sind sie hinterher noch immobiler und damit gefährdeter, erneut zu stürzen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Wer mehrere Pillen pro Tag einnehmen muss, sollte seine Medikation einmal im Jahr überprüfen lassen. Manche Mittel machen müde und provozieren so Stürze. Foto: Caroline Seidel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Klare Sicht & Bewegung: Wie Senioren Stürzen vermeiden

Viele ältere Menschen haben Angst, zu fallen. Denn sind die Knochen schon angegriffen, kann ein Stolperer schwerwiegende Folgen haben. Mit ein paar ...  mehr
 
 
 

Terror in Barcelona

Sanitäter versorgen nahe des Boulevards Las Ramblas Verletzte. Foto: Oriol Duran © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Ein Van rast in eine Menschenmenge auf Barcelonas beliebter Flaniermeile Las Ramblas - ein echter Touristen-Hotspot! Der Schock sitzt tief, viele wollen Barcelona nun meiden - oder aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr in den Urlaub fliegen. Besser so?
 Ja, man muss es realistisch sehen: Derzeit ist einfach kein Land sicher. Ich meide auch öffentliche Plätze so gut es geht.
 Das ist doch Quatsch, auch Zuhause kann einem was passieren - Haushaltsunfall, Auto-Crash...die Angst darf nicht überhandnehmen!
 Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon. Urlaub ja, aber lieber nicht in Touristen-Hochburgen.
Abstimmen Ergebnis
 
Aggressive Katze: Hund erlebt sein blaues Wunder
 

Aggressive Katze: Hund erlebt sein blaues Wunder

Im türkischen Adana lief eine Katze Amok. Das Tier attackierte einen vollkommen friedlichen Hund, der ein bisschen in der Gegend rumguckte. Auch das ...  mehr
 
 
 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Bonus: Milo Moires geiler Wandtanz
 

"Promi Big Brother": Milos scharfer Wandtanz

Milo Moiré möchte tanzen. Für ihren lasziven Tanz braucht sie allerdings keine Pole - sie nimmt einfach das Trenngitter zum anderen Bereich.  mehr
 
 
 
Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Kalenderblatt 2017: 19. August

Das aktuelle Kalenderblatt für den 19. August 2017:  mehr