Schluchtenflitzer

23.03.2021 Yamaha hat seinen kompakten 125er Roller D’elight modellgepflegt und bietet 2021 ein stark aufgehübschtes Einstiegsmodell in die Leichtkraftroller-Klasse.

SP-X/Florenz. Der Name D’elight schreibt sich nicht nur schwer, er ist auch nicht so ohne weiteres verständlich. Hinter ihm steckt einerseits das englische Wort „delight“ für Freude, andererseits „light“, also leicht. Leichtgewichtig, das ist der Yamaha D’elight mit seinen lediglich 101 Kilogramm Leergewicht tatsächlich. So verwundert es nicht, dass der Umgang mit diesem 125er Rollerchen spielerisch leicht fällt. Fast wie von selbst hüpft er auf den Zentralständer – einen gut erreichbaren Seitenständer gibt es ebenfalls –, er lässt sich auch von einer zierlichen Frau kommod rangieren und ist dank seiner reduzierten Statur ausgesprochen wendig, selbst wenn der Stadtverkehr so richtig zäh ist. Fast ist man geneigt, ihn als Wonneproppen zu bezeichnen, zumal er mit einem Preis von 2.924 Euro noch unter der 3.000-Euro-Grenze angesiedelt ist.

125er Roller waren im vergangenen Jahr bekanntlich die absoluten Gewinner auf dem deutschen Zweiradmarkt. Um unglaubliche 108 Prozent hat sich zwischen Januar und Dezember das Stückzahlvolumen erhöht. Yamaha hat als Scooter-Hersteller durchschnittlich abgeschnitten; um 111 Prozent ging es für die Japaner nach oben. Allerdings nicht mit dem D’elight; der stand im großen Schatten des weitaus erfolgreicheren NMAX 125. Aber nach seiner umfangreichen Renovierung dürften die Chancen des zierlichen D’elight auf ein besseres Abschneiden im Jahr 2021 deutlich steigen. Denn auch optisch hat er dank völlig neuer Karosserie an Attraktivität gewonnen.

Technisch ebenfalls: Sein 125er Einzylinder erfüllt die Anforderungen der Euro 5-Norm, ist bemerkenswert leise und soll mit einem Durchschnittsverbrauch von 1,8 Litern auch echt sparsam sein. Der 5,5 Liter-Tank könnte damit gut 250 Kilometer weit reichen. Das mit einer sehr gut funktionierenden Start-Stopp-Technologie ausgerüstete Triebwerk leistet 6,2 kW/8,4 PS bei 7.000U/min, das maximale Drehmoment von 9,8 Nm fällt bereits bei erstaunlich niedrigen 5.000 U/min an. Damit lässt sich angesichts des geringen Fahrzeuggewichts im Stadt- und Vorortverkehr gut leben. Die Beschleunigung des D’elight liegt nämlich auf dem Niveau etwas stärker motorisierter Scooter; Yamaha hat die Variomatik offensichtlich sehr gut abgestimmt. Wer auf niedrige Schadstoffwerte schaut, dürfte am D’elight ebenfalls seine Freude haben: Die Klassendurchschnitt liegt bei 56 g/km, der D’elight verharrt bereits bei 43 g/km.

Der kleine Roller ist im Umgang praktisch: Das Untersitz-Staufach fasst einen voluminösen Integralhelm plus einiger Kleinigkeiten, die Sitzbank lässt sich auf Knopfdruck entriegeln. Auch die Tankklappe ist leicht zugänglich. Das Zentralinstrument im Cockpit ist bestens ablesbar und bietet die nötigsten Informationen inklusive Uhrzeit und Benzinvorrat. Eine Smartphone-Einbindung hat Yamaha in der Einstiegsklasse nicht vorgesehen. Sehr vorteilhaft ist der freie Durchstieg mit dem ebenen Boden; so ist reichlich Platz für die Füße. Ausgerichtet ist der D’elight eher an durchschnittsgroßen und kleineren Personen; Menschen jenseits der 1,90 Meter fühlen sich beengt, die kleineren dagegen sehr wohl.
Einschränkungen muss man beim D’elight bei der Federung in Kauf nehmen; sehr unebene Straßen und harte Fugen werden wegen kurzer Federwege nicht so gut weggebügelt, wie das bei den technisch aufwändiger gemachten Komfort-Scootern der Fall ist. Durchaus zufrieden kann man mit den Bremsen sein, auch wenn der Hersteller aus Kostengründen auf eine Scheibenbremse hinten und damit ein ABS verzichtet; das Kombi-Bremssystem mit vorderer Scheibe und hinterer Trommel verzögert sicher und ist nur mit roher Gewalt an seine Grenzen zu bringen. Der Frontbremshebel rechts am Lenker verzögert nur vorne, der Hinterradbremshebel links am Lenker wirkt auf beide Räder. Für ein Einstiegsmodell geht das voll in Ordnung und entspricht natürlich auch den gesetzlichen Vorgaben.

Unterm Strich kann der Yamaha D’elight absolut überzeugen: Er ist sehr zugänglich, mit seinen kleinen Rädern ausgesprochen wendig und dank des geringen Gewichts wirklich spielerisch im Handling. Das Platzangebot ist gut, die Praktikabilität voll gegeben; wirklich Wichtiges fehlt nicht, die Start-Stopp-Anlage gehört zu den besten, die wir je gefahren sind. Insofern macht der neue D’elight seinem Namen tatsächlich Ehren nämlich Freude.

Technische Daten - Yamaha D’elight
Motor:  Luftgekühlter Einzylindermotor, 125 ccm Hubraum, 6,2 kW/8,4 PS bei 7.000 U/min., 9,8 Nm bei 5.000/min; zwei Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, radiale Fliehkraftkupplung, CVT-Riemengetriebe.

Fahrwerk: Stahlrohrrahmen; Telegabel vorne, 8,1 cm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, zwei Federbeine, Vorspannung manuell einstellbar, 6,8 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 90/90-12 (vorne) und 100/90-10 (hinten). 18 cm Einscheibenbremse vorne, Trommelbremse hinten.

Assistenzsysteme:  Kombinationsbremssystem.

Maße und Gewichte: Radstand 1,275 m, Sitzhöhe 80 cm, Gewicht fahrfertig 101 kg; Tankinhalt 5,5 l.

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit ca. 90 km/h; Normverbrauch 1,8 l/100 km.

Preis: 2.924 Euro inkl. Nebenkosten.

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