Moderner Rollerkult

27.04.2021 Roller der 125-Klasse sind in. Der Klassiker dazu kommt aus Italien und feiert in diesem Jahr auch noch Geburtstag. Grund genug, die Vespa GTS 125 auszufahren.

SP-X/Köln. Die Vespa gilt nicht umsonst als das Synonym für den klassischen Roller, schließlich hat die Marke vor genau 75 Jahren diesen Kult begründet. Damals als preiswertes Transportmittel für das Gros der italienischen Bevölkerung konzipiert, hat sich die Vespa zu einem Kultobjekt ersten Ranges weiterentwickelt. Ein Teil dieser Beliebtheit resultiert aus der Wahrung des Markenkerns und der Wiederholung typischer Designelemente, die seit Jahrzehnten charakteristisch für eine Vespa sind: Die durchgehende Stahlblechkarosse mit dem rundlichen Heck, das aufragende Beinschild mit rundem Scheinwerfer und die kleinen Räder, vorn von einer Kurzschwinge geführt.

Dieses Reinheitsgebot wahrt auch die Vespa GTS 125 des Baujahres 2021. Die einzigen, augenscheinlich wahrnehmbaren zarten Modifikationen gegenüber dem bekannten Modell betreffen neu gestaltete Fünfspeichen-Leichtmetallfelgen. Ansonsten sieht auch dieses Modell aus, wie eine Vespa auszusehen hat: Mit geschwungener Linie und abgerundeten Formen im typisch italienischen Schick, mit wohlfeilen Beigaben wie dem LED-Tagfahrlicht in Scheinwerfer und Blinkern und dem großen runden Rücklicht auf modernen Stand gebracht.

Unter der Sitzbank befindet sich die wichtigste, gleichwohl nicht sichtbare Neuerung: Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder, konstruktiv unverändert mit einer Nockenwelle, die vier Ventile steuert, wurde mit Änderungen an der Peripherie samt entsprechend angepasster Zünd-Einspritz-Elektronik sauberer auf Euro-5-Standard gebracht. Die bessere Schadstoffverarbeitung geht nicht zulasten der Leistung, im Gegenteil: Aus nach wie vor exakt 124,7 ccm Hubraum erlöst der Einspritzer mit 14 PS und 12 Newtonmeter nun fast 2 PS und knapp 1 Nm Drehmoment mehr als zuvor. Gleichzeitig verspricht Piaggio eine Verbrauchsreduktion um 0,1 Liter auf umweltgerechte 2,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer.

Gute Manieren zeigte die GTS ohnehin. Ungewöhnlich leise und etwas verzögert springt der Motor an, dass man genau hinhören muss, ob er auch wirklich läuft. Denn hier sitzt die bürstenlose Lichtmaschine direkt auf der Kurbelwelle und fungiert als Anlasser, was den klassischen Starter überflüssig macht. Das ermöglicht zudem eine Start-Stopp-Automatik, die an der Ampel den Verbrennungsvorgang anhält und bei Betätigen des Gasgriffs wieder in Gang setzt.

Geht’s dann vorwärts, dominiert distinguiertes Beschleunigen, die Vespa setzt sich sehr leicht beherrschbar in Bewegung und bewahrt trotz aufgepumpter Muskeln ihre zurückhaltende Art. Um an der Ampel lustig im Verkehr mit zu schwimmen, reicht das allemal. Ihre Stärke liegt in der gleichmäßigen, harmonischen Kraftentfaltung und der besonderen Laufruhe, die nur wenige Roller des 125er-Segments bieten können.

Genauso wie die großzügige Unterbringung der Besatzung. Dank des großen Durchstiegs kommen auch besonders Hüftsteife auf das vorn schön schmal ausgeführte Polster und platzieren ihre Beine entspannt auf dem tiefen, fast flachen Trittbrett. Der recht schmale Lenker liegt griffgünstig bestens zur Hand, was allen Fahrerstaturen einen aufrechten Oberkörper mit lässiger Armhaltung beschert.

So genügt ein leichter Zug am Lenker, schon fährt die Vespa in die gewünschte Richtung. Vorn wie hinten rollt die GTS auf Zwölf-Zoll-Reifen, die Richtungswechseln keinerlei Widerstände entgegensetzen. Zusammen mit dem tiefen Schwerpunkt flitzt die Italienerin wieselflink durch die Stadt. Hindernisse? Locker umrundet. Lücken im Verkehr? Schon durchgeflutscht. Und alles mit einer Souveränität, die Beginner wie Könner begeistert.

Sensibel ansprechende Federelemente runden den makellosen Auftritt ab, selbst auf ungnädigem Kopfsteinpflaster bietet die GTS einen überzeugenden Fahrkomfort. Hat sich hier Feuchtigkeit gesammelt, mahnt die aufflackernde Warnleuchte der Traktionskontrolle im gut ablesbaren, indes etwas kleinen LC-Display zu behutsamerem Gasgeben. Die zurückhaltend agierende Vorderbremse zwingt das ABS aber selbst dann nur selten zur Arbeitsbereitschaft, mehr Verzögerung steuert die Scheibe am Hinterrad bei.

Unterm Strich hat die neue GTS 125 also ein wenig an Dynamik gewonnen und dabei die typischen Vespa-Tugenden inklusive der kultigen Optik und hohen Verarbeitungsgüte gewahrt. Als Vorzeigemodell unter den Leichtkraftrollern hat sie daher keine Konkurrenz zu fürchten – außer der Primavera aus gleichem Hause, die zwar etwas günstiger zu haben ist, dafür bietet die GTS für 5.540 Euro den leistungsstärkeren Motor, mehr Ausstattung und Komfort.

Technische Daten Vespa GTS 125

Motor: flüssigkeitstgekühlter Viertakt-Einzylinder, 125 ccm Hubraum, 10,3 kW/14 PS bei 8.750 U/min, 12 Nm bei 6.750/min; vier Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraftkupplung, Riemen-Sekundärantrieb

Fahrwerk: Stahlrohrrahmen; gezogene Einarmkurzschwinge vorne (nicht einstellbar), 7,8 cm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, ein Federbein (Vorspannung vierfach einstellbar), 7 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; 120/70-12 (vorne) und 130/70-12 (hinten). 22 cm Einscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme: ABS, Traktionskontrolle

Maße und Gewichte: Radstand 1,380 m, Sitzhöhe 81 cm, Gewicht fahrfertig 147 kg, Zuladung 193 kg; Tankinhalt 7 l

Fahrleistungen und Verbrauch (Werksangaben): Höchstgeschwindigkeit 98 km/h, 2,4 l/100 km

Preis: 5540 Euro



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