Mit dem Swace schlägt Suzuki einen neuen Kurs ein

10.03.2021 So richtig viel Neues hat Suzuki bei uns seit dem Jimny nicht auf den Weg gebracht. Und wenn die Japaner jetzt gleich zwei Premieren feiern, dann nur dank der großzügigen Hilfe eines wichtigen Partners. Was genau ist bei der Kooperation herausgekommen?

Suzuki, Subaru, Ssangyong - so klein diese Marken bei uns auch sind, so groß ist die Treue ihrer Kunden. Deshalb denken die Asiaten auch gar nicht daran, sich vom hiesigen Markt zu verabschieden.

Weil es für den Fortbestand aber bisweilen auch mal neue Autos braucht und die niedrigen Stückzahlen in Europa kaum eigene Entwicklungen rechtfertigen, hat Suzuki jetzt einen geschickten Trick angewandt: Die Japaner kooperieren mit Toyota und übernehmen mit dem Swace und dem Across zwei Modelle des japanischen Riesen. Den Swace, der bei Suzuki mindestens 31.390 Euro kostet, kennt man deshalb auch als Corolla, und den mindestens 58.280 Euro teuren Across verkauft der Kooperationspartner als RAV-4.

Drei Vorteile auf einmal

Damit schlägt die Nischenmarke gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Es gibt wieder Premieren-Zauber beim Händler. Das bislang vor allem auf Kleinwagen und handliche SUVs beschränkte Modellangebot wächst bis ans obere Ende der Kompaktklasse. Und es gibt plötzlich zukunftsfeste, weil nachhaltig elektrifizierte Antriebstechnik. Dabei hält sich der Aufwand in engen Grenzen. Denn viel mehr als die Markenlogos und die Frontschürzen haben die Designer nicht ausgetauscht, alle Blechteile bleiben unverändert.

Während der Across als SUV der gehobenen Mittelklasse ein Segment bedient, in dem es Suzuki mit dem Grand Vitara schon einmal versucht hat, öffnet der Swace den Japanern neue Wege: Einen Kombi in der Kompaktklasse hatte Suzuki bis dato noch nie zu bieten. Jetzt dagegen lockt die Marke Familien mit erhöhtem Platzbedarf mit einem 4,66 Meter langen Fünfsitzer, der hinter seiner großen Heckklappe schon bei voller Bestuhlung 596 Liter fasst. Legt man die Rückbank um, schluckt der Swace 1606 Liter und wird zum Lademeister im Suzuki-Programm. Dazu gibt es bequeme Sitze, eine nüchterne aber noble Materialauswahl und mehr Assistenz und Infotainment als Suzuki in seinen eigenen Modellen verwendet. Dass die Japaner bei ihrem Touchscreen-System auf die Toyota-Navigation verzichten und stattdessen auf das über Apple Carply oder Android Auto integrierte Smartphone verweisen, könnte für manchen allerdings ein Defizit sein.

Hybrid als Highlight

Das Highlight des Swace ist aber ohne jeden Zweifel sein Hybrid-Antrieb, den Suzuki so bis dato nicht im Programm hatte. Er kombiniert einen Benziner von 72 kW/98 PS mit einer E-Maschine im Planetengetriebe und einem 3,6 kWh großen Akku unter dem Rücksitz und kommt so auf eine Systemleistung von 90 kW/122 PS. Allein mit überschüssiger Motorleistung oder Bremsenergie kommt der Swace zwar rein elektrisch kaum mehr als einen Kilometer weit. Doch in der Stadt fährt der Kombi überraschend oft elektrisch und senkt den Normverbrauch damit auf 3,4 Liter (CO2-Ausstoß 78 g/km). Außerdem wirkt der Wagen dort mit seinem doppelten Antrieb flotter als er tatsächlich ist.

Jenseits des Ortsschildes ist der Spaß allerdings etwas eingeschränkt. Wer gelassen dahin gleitet, erlebt den Swace als entspannte Familienkutsche mit niedrigem Geräusch- und hohem Komfortniveau. Doch wer es eilig hat, den nervt beim Beschleunigen der Gummiband-Effekt der stufenlosen Automatik, der von einem unangenehmen Heulen begleitet wird. Der zähe Vortrieb ab 160 km/h und die auf 180 km/h limitierte Höchstgeschwindigkeit dürfte Schnellfahrer ebenfalls stören.

Erstes SUV mit Stecker

Noch einen Schritt weiter hin zur Elektrifizierung macht Suzuki beim Across, den es ausschließlich als Plug-in-Hybriden gibt - zum ersten Mal bei der Marke also ein SUV mit Stecker: Er fährt mit der Kombination aus einem 2,5 Liter großen Benziner, einem E-Motor im stufenlosen Automatikgetriebe, einer zweiten E-Maschine an der Hinterachse sowie einem Akku von 18,1 kWh. So schafft er bis zu 75 Kilometer rein elektrisch, erreicht bei einer Systemleistung von 225 kW/306 PS mit vereinten Kräften eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h und kommt auf einen Normverbrauch von 1,0 Litern (CO2-Ausstoß 22 g/km).

Fazit: Für treue Freunde

Grundsolide und technisch auf der Höhe der Zeit - mit Swace und Across hat Suzuki sein Modellprogramm um zwei interessante Varianten erweitert. Als Toyota sind die Autos zwar zum Teil schon seit Jahren auf dem Markt, und für die Originale gibt es nicht nur mehr Auswahl bei Ausstattung und Ambiente, sondern bisweilen auch die attraktiveren Preise. Doch wer aus Treue fest zu Suzuki steht, muss damit künftig keinen Kleinwagen oder altbackenen SUV mehr fahren.

Datenblatt: Suzuki Swace

Motor und Antrieb Hybridantrieb mit Vierzylinder- Benzindirekteinspritzer und E-Motor
Hubraum: 1798 ccm
Benziner
Max. Leistung: 72 kW/98 PS bei 5200 U/min
Max. Drehmoment: 142 Nm bei 3600 U/min
E-Motor
Max. Leistung: 53 kW/72 kW
Max. Drehmoment: 163 Nm
System
Max. Leistung: 90 kW/122 PS
Antrieb: Frontantrieb
Maße und Gewichte  
Länge: 4665 mm
Breite: 1790 mm
Höhe: 1460 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1400 kg
Zuladung: 435 kg
Kofferraumvolumen: 596-1606 Liter
Fahrdaten:  
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,1 s
Durchschnittsverbrauch: 3,4 Liter/100 km
CO2-Emission: 78 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: A+
Kosten:  
Basispreis des Suzuki Swace: 31.350 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 36 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:  
Sicherheit: Sieben Airbags, Spurführungshilfe, Verkehrszeichenerkennung
Komfort: Klima-Automatik, Beheizte Sitze, schlüsselloses Zugangssystem, Lenkradheizung
Spritspartechnik: Hybrid-Antrieb

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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