Robuster Luxus

10.06.2021 Präsent, komfortabel und geräumig: Der Kia Sorento positioniert sich in der neuen Generation eine Klasse edler als seine Vorgänger. Vor allem in einer Hinsicht kann er beeindrucken.

SP-X/Köln. Große SUV asiatischer Hersteller waren lange Zeit eher profane Allrad-Arbeiter mit viel Platz und wenig Flair. Bei Kia hat spätestens der aktuelle Sorento mit dieser Tradition gebrochen: Der 4,81 Meter lange Siebensitzer prunkt vor allem innen mit robustem Luxus.

Schon äußerlich macht der Allrader einiges her. Die bullige Geländewagen-Optik verzichtet auf die Vorspiegelung falscher Sportlichkeit und setzt voll auf den klassisch kantigen Geländewagen-Stil. Hohe Schultern, ein mächtiger Kühlergrill und ein breites Heck lassen ihn neben gewöhnlichen Pkw noch eine Klasse größer wirken als er mit seinen ausladenden Abmessungen bereits ist. Auch innen hält der Kia mit einer eher wuchtigen Möblierung an dem klassischen Offroader-Stil fest, führt diesen aber so fein und edel aus, dass man sich eher an Bord einer besonders luftigen Business-Limousine fühlt.

Das Layout ist mit vielen Knöpfen und Schaltern eher klassisch gehalten, findet in dem großen Infotainment-Bildschirm und dem hochauflösenden Zentralinstrumenten-Display (optional) jedoch einen reizvollen Kontrast. Vor allem, wenn die Bilder der Außenspiegelkameras bei gesetztem Blinker in den Drehzahlmesser- beziehungsweise Tacho-Kreis eingeblendet werden, finden Interieur-Handwerk und Digitalisierung stimmig zusammen. Das alles gilt natürlich in erster Linie für die hohen Ausstattungslinie, die den Sorento allerdings nicht nur luxuriös, sondern auch teuer machen. Dazu später mehr.

Weniger Einfluss hat die Wahl von Variante und Extras auf das Platzangebot im Inneren. Das ist nicht nur auf den vorderen beiden Plätzen mehr als großzügig. Selbst in Reihe zwei können erwachsene Passagiere bequem die Beine übereinanderschlagen. Auch im Vergleich mit direkten Konkurrenten wie Skoda Kodiaq, Mitsubishi Outlander oder Audi Q5 fällt der große Kia innen deutlich luftiger aus, orientiert sich eher an der SUV-Ober- als an der Mittelklasse.

An der Qualität und Ergonomie des Gestühls gibt es ebenfalls nichts zu meckern. In Reihe drei geht es naturgemäß deutlich beengter zu; sie bietet die in dieser Fahrzeugklasse typischen Notsitze, die sich lediglich für den Kurzstreckentransport von Kindern eignen. Immerhin machen eine eigene Belüftung und sogar ein USB-Ladeport pro Stuhl die Nutzung etwas komfortabler. Bei Nichtgebrauch wird die dritte Reihe fugenlos im Boden versenkt, so dass eine große Ladefläche entsteht. Die gut 2 Kubikmeter Volumen darüber dürften für fast alle Transportaufgaben reichen. Zusätzlich lassen sich zumindest vom Diesel-Modell Anhänger mit bis zu 2.500 Kilogramm Gewicht an den Haken nehmen – auch in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit.

Auf der Straße gibt der Sorento den souveränen Gleiter. Mit langem Radstand und massiger Straßenlage rollt er über die meisten Asphalt-Verwerfungen irritationslos hinweg, auch auf der Autobahn überzeugt er als ruhiger Reisewagen. Selbst die Windgeräusche halten sich trotz der großen und kantigen Karosserie zumindest bis rund 145 km/h in Grenzen. Für den Stadtverkehr baut der Koreaner allerdings tendenziell zu groß. Dank des optionalen Rundum-Kamerasystems mit sehr hoch auflösender Darstellung, das sich bei Rangierbedarf zudem überzeugend schnell aktiviert, lässt er sich aber relativ sorgenfrei durch die City lenken. Auch kurvige Landstraßen sind in dem hohen SUV keine allzu schaukelige Angelegenheit, ernsthafte sportliche Ambitionen sind dem Sorento aber fremd. Auch der immer an ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe gebundene 2,2-Liter-Diesel mit 148 kW/202 PS ist angesichts des Fahrzeuggewichts eher ein solider Gefährte als ein Kraftpaket. Wer es ruhig angehen lässt, kommt selbst im Allradmodell auf einen Mix-Verbrauch im Bereich von 7 Litern. Sogar ohne speziell ökonomische Fahrweise werden es nicht viel mehr als 8 Liter. Alternativ stehen für den größten Kia zwei elektrifizierte Benziner zur Wahl, ein konventioneller Hybrid und einer mit Plug-in-Technik. Beide liegen preislich knapp oberhalb des Selbstzünders.

Zum kleinen Preis ist ein großes Auto wie der Sorento nicht zu bekommen. Der günstigste Diesel mit Frontantrieb und niedrigstem Ausstattungsniveau („Edition 7“) startet bei 42.500 Euro. Mit dem Umfang an Extras kommt man dann bereits ganz gut zurecht, deutlich schicker und komfortabler wird der Kia aber in der „Vision“-Variante ab 45.300 Euro. Wer das Premium-Potenzial des großen SUV aber wirklich realisieren will, muss schon zum „Spirit“-Modell greifen. Mit 19-Zoll-Felgen, Ledersitzen und elektrischer Heckklappe werden dann mindestens 49.300 Euro fällig. Die getestete Allrad-Variante kostet in diesem Trim ab 51.300 Euro. Das sind Beträge, die man tendenziell eher von gehobenen deutschen Marken kennt und die koreanische Hersteller lange Jahre kaum aufrufen konnten. Auch wenn Kia das Veredelungs-Niveau der heimischen Premiummarken nicht ganz erreicht (und das wohl auch gar nicht will): Der Sorento bietet durchaus einen guten Gegenwert in Form von Platz, Komfort und Ambiente für das Geld. Und dazu noch sieben Jahre Garantie.

Technische Daten – Kia Sorento 2.2 CRDI:
Fünftüriges, fünf- oder siebensitziges Mittelklasse-SUV; Länge: 4,81 Meter, Breite: 1,90 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,17 Meter), Höhe: 1,70 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen Fünfsitzerl: 902 – 2.100 Liter, Anhängelast: 2.500 kg

2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel; 148 kW/202 PS, maximales Drehmoment: 440 Nm bei 1.750 – 2.750 U/min, Allradantrieb, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 9,2 s, Vmax: 202 km/h, Normverbrauch: 5,7 - 6,0 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 150 - 158 g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: B, Testverbrauch 7,5 l/100 Kilometer, Preis: ab 47.290 Euro

Kurzcharakteristik – Kia Sorento:
Warum: sehr viel Platz, edel ausstaffierter Innenraum, hohe Anhängelast
Warum nicht: eingeschränkte Übersichtlichkeit, kleine Diesel-Auswahl
Was sonst: Skoda Kodiaq, VW Tiguan Allspace, Alfa Romeo Stelvio

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