Tschechische E-Offensive: Der Skoda Enyaq im Praxischeck

16.06.2021 Die Welle der E-Mobilität erfasst jetzt auch Skoda. Nach dem umgerüsteten CitiGo bringt die VW-Tochter ihr erstes Auto aus dem modularen Elektrobaukasten des Konzerns - und macht damit der Mutter gewaltig Konkurrenz.

Jetzt also auch Skoda: Als zweite Marke im VW-Konzern greifen die Tschechen in den modularen Elektro-Baukasten der Großfamilie und konstruieren daraus einen SUV: Größer als der VW ID4, der EQA von Mercedes oder der Mokka E von Opel steht er seit Ende April zu Preisen ab 33.800 Euro als Enyaq in den Autohäusern.

Alles neu und trotzdem vertraut

Benannt nach dem keltischen Begriff «Enya» (übersetzt: «Quell des Lebens») zeigt der Enyaq eine für Skoda neue und trotzdem irgendwie vertraute Formensprache. Denn er ist wie die Verbrenner klar und kantig gezeichnet, wirkt aber glatter und schnittiger, was vor allem am geschlossenen Kühler und dem schrägen Heck liegt. Zudem waren die Ingenieure im Ringen um maximale Reichweite um minimalen Luftwiderstand bemüht. Wenn man gegen Aufpreis auch noch den mit LED-Elementen hinterleuchteten Kühlergrill bestellt, ist das bisher Dagewesene schon fast Geschichte. Außerdem bereiten die Tschechen auf der gleichen Basis bereits ein Coupé vor, das im nächsten Jahr dann noch mehr Eleganz auf die Straße bringen soll.

Auch innen finden die Tschechen eine gute Balance zwischen bewährter Bedienung und neuem Ambiente. Während die Muttermarke VW die Kundschaft mit allzu vielen Sensorfeldern und einem Schaltknauf neben dem Tacho herausfordert, gibt es im Skoda rund um die digitalen Instrumente und den großen Touchscreen noch erfreulich viele Schalter und Taster. Das Infotainment im Lenkrad oder die Klimasteuerung in der Mittelkonsole erfolgen noch analog - und sind deshalb auch dann gut bedienbar, wenn die Augen dem Verkehrsgeschehen folgen. Und selbst wenn man nur noch zwischen vorwärts und rückwärts wechseln muss, ist der deutlich geschrumpfte Schalthebel noch immer zwischen den Sitzen installiert.

Mehr Platz, aber kein One-Pedal-Feeling

Ganz neu dagegen ist das Raumgefühl im ersten dezidierten Elektro-Skoda. Weil die Elektrotechnik im Boden verschwindet und die Achsen weit nach außen rücken, hat der Enyaq bei nur 4,65 Metern Länge einen Radstand von 2,77 Metern. Das Ergebnis ist vor allem für die Hinterbänkler ein Platzangebot auf dem Niveau des Flaggschiffs Superb - obwohl der Enyaq kürzer ist als dieser. Und natürlich bietet der Stromer auch genügend Stauraum: 585 bis 1710 Liter passen in den Kofferraum und allein beinahe 20 Liter in die Ablagen in der riesigen Mittelkonsole. Ebenso haben sich die cleveren Helfer, die Skoda üblicherweise ins Fahrzeug packt, der neuen Entwicklung angepasst. Denn neben dem üblichen Eiskratzer und dem Regenschirm in der Tür gibt es erstmals auch ein Reinigungsset fürs Ladekabel.

Beim Fahren haben die Tschechen wie bei der Bedienung darauf geachtet, ihre Bestandskunden behutsam umzugewöhnen. Es gibt die für Elektroautos typische Ruhe und die lineare Beschleunigung, und weil die Vorderräder ohne störenden Verbrenner im Bug weiter einschlagen können, ist der Enyaq handlich wie ein Kleinwagen. Aber das so genannte One-Pedal-Feeling beim Fahren allein mit der Motorbremse bietet der Skoda nur in Ansätzen. Zwar kann man den Grad der Rekuperation verstellen und so zwischen Segeln oder Stoppen wählen, doch ganz ohne Bremspedal lässt sich das Auto nur mit sehr viel Weitblick stoppen.

Viel Auswahl beim Antrieb

Wie bisher bei den Verbrennern bietet Skoda auch für die E-Kundschaft eine große Bandbreite an Antriebsvarianten: Im Wagenboden montiert Skoda drei Batteriepakete mit Kapazitäten von 55 bis 82 kWh, die im WLTP-Zyklus Normreichweiten zwischen 350 und 520 Kilometern ermöglichen sollen. Dazu gibt es einen Motor im Heck oder je einen pro Achse und insgesamt fünf Leistungsstufen mit 109 kW/148 bis 220 kW/299 kW. Dabei erreicht der Enyaq in der Regel bis zu 160 km/h. Lediglich das zum RS geadelte Top-Modell bekommt Auslauf bis 180 km/h. Geladen wird - allerdings nur gegen Aufpreis - mit bis zu 125 kW, so dass selbst der größte Akku an einer schnellen Säule im besten Fall binnen 38 Minuten von fünf auf 80 Prozent befüllt werden kann.

Fazit: Alles neu und trotzdem typisch Skoda

Mit bis zu 520 Kilometern Reichweite, einem wettbewerbsfähigen Grundpreis und reichlich Platz auf allen Plätzen taugt der Enyaq als elektrisches Erstauto für Familien. Praktischer als sein Plattform-Bruder VW ID4 und deutlich preiswerter ist auch das erste designierte Elektroauto der Tschechen damit wieder ein typischer Skoda. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in den Simply-Clever-Details, die zu Skoda gehören wie der Pfeil auf der Haube.

Datenblatt: Skoda Enyaq iV 80

Motor und Antrieb: Eine permanent erregte Synchron-Maschine
Hubraum: 000 ccm
Max. Leistung: 150 kW/204 PS
Max. Drehmoment: 310 Nm
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: 1 Gang-Automatik
Maße und Gewichte  
Länge: 4649 mm
Breite: 1879 mm
Höhe: 1604 mm
Radstand: 2765 mm
Leergewicht: 2308 kg
Zuladung: 379 kg
Kofferraumvolumen: 585-1710 Liter
Fahrdaten:  
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,6 s
Durchschnittsverbrauch: 16,0 kWh/100 km
Reichweite: 536 km
Batteriekapazität: 82 kWh
Kraftstoff: Strom
Schadstoffklasse: k.A.
Energieeffizienzklasse: A+
Kosten:  
Basispreis des Skoda Enyaq iV: 33.800 Euro
Grundpreis des Skoda Enyaq iV 80: 43.950 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:  
Sicherheit: Sieben Airbags, LED-Scheinwerfer, automatische Abstandsregelung
Komfort: Klimaautomatik, digitales Cockpit, Rückfahrkamera
Spritspartechnik: Elektroantrieb

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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