Nützlich geht kaum günstiger

03.09.2021 Der Dacia Duster dürfte so ziemlich das günstigste automobile Multifunktionswerkzeug auf dem Markt sein. Ein Hauch von Lifestyle plus ein Quäntchen Komfort sind ebenfalls an Bord. Und er ist erstaunlich geländegängig, wenn man die richtige Option wählt. 

 SP-X/Paris. Die erste Fahrt im gelifteten Dacia Duster ruft Erinnerungen an eine andere Zeit wach. Wer ständig mit neumodischen Testfahrzeugen unterwegs ist, wundert sich schon beim Anblick von klassischen Rundinstrumenten mit physischen Anzeigenadeln statt der heute üblichen reinen Bildschirmfläche. Und auch manuelle Schaltgetriebe – im Duster mehr Regel als Ausnahme – sind auf dem Rückzug. Doch ein Neuwagen, der ab einem Listenpreis von 11.990 Euro zum Kauf steht, kann schwerlich sämtliche angesagten Goodies bieten. Überbordend viel Displayfläche scheint jedenfalls nicht dazuzugehören. Immerhin steckt unter der Haube des Einsteigers das Einliter-Dreizylindertriebwerk mit 66 kW/90 PS als Innovationsleistung. Vor nicht allzu langer Zeit waren es schließlich noch größervolumige Saugmotoren.

Aber so manche positiven Überraschungen bietet der mit 4,34 Metern Außenlänge quasi zum Kingsize-Kleinwagen gehörende Duster dann doch. Er ist für ein Low-Budget-Vehikel beispielsweise recht stylisch, was nicht zuletzt spannenden Außenlackierungen vom peppigen „Arizona-Orange“ bis zum gedeckten „Iron-Blau“ geschuldet ist. Die praktische und überdies architektonisch ausgefallen gestaltete Dachreling mit dem markanten Duster-Schriftzug lässt den Rumänen zur Designerware avancieren. Ähnlich blickfangend fällt auch die Front mit dem prägnanten Kühlergrillmuster aus und dem jetzt nachgeschärften Lichtdesign. Letzteres gilt auch für die Heckleuchten.

Innen präsentiert sich der Duster dann doch schlichter. Aber Vorwürfe kann man dem Dacia-Entwicklerteam kaum machen, muss es doch mit schmalen Budgets operieren. Insofern geht ein bisschen Hartplastik dann doch in Ordnung. Und einen sogar zackig reagierenden zentralen Touchscreen hat das Dacia Infotainment-Repertoire ja im Angebot, damit sollten die Forderungen der entsprechenden Fangemeinde abgegolten sein. Natürlich laufen hier neben der integrierten Navigation auch die Anwendungen, die vom eigenen Smartphone auf die Fahrzeug-Oberfläche gespiegelt werden. Mehr USB-Anschlüsse (auch hinten) haben mit dem Facelift Einzug in den Duster gehalten, um den Erwartungen heutiger Kunden gerecht zu werden.

Zurück zum Antrieb: Dacia bietet einen aufgeladenen Ottomotor, der zumindest in den mittleren Ausstattungslinien ohne Mehrpreis ebenso als Flüssiggas-Ausführung geordert werden kann und dann sogar auf 74 kW/100 PS kommt. Mit knapp 50 Litern Gas (früher nur 42) plus weitere 50 Liter Benzin ist diese Version gut für knapp 1.600 Kilometer Reichweite mit zwei vollen Tanks, wenn man die werksangegebenen 7,1 Liter Gas je 100 Kilometer sowie 5,8 Liter Benzin für die gleiche Strecke als gemittelte Werte zu Grunde legt. Weitere Optionen sind der 96 kW/131 PS starke Vierzylinder sowie der Vierzylinder mit 110 kW/150 PS mit Sechsgang-Automatik (Doppelkupplung). Die 150 PS-Variante ist auch mit Allradantrieb zu haben. Außerdem steht noch der 85 kW/115 PS leistende Selbstzünder in Kombination mit Front- oder Allradantrieb zur Wahl.

Dass der Einsteiger kein Dynamikpaket ist, liegt auf der Hand. Aber recht quirlig setzt er sich dann doch in Bewegung, und ein Sechsgang-Getriebe ist Standard. Für urbane Regionen reicht der Motor jedenfalls, und selbst auf Autobahnen bietet er zumindest bis Richtgeschwindigkeit genügend Reserve. Einen ganz anderen Charakterzug als erwartet dagegen kennzeichnet den kräftigen 1,3-Liter mit 150 PS. Der Turbo geht fast ohne Anfahrschwäche ziemlich bissig zu Werke, hängt richtig gut am Gas und sorgt für Fahrspaß in dem ansonsten eher sachlich ausgerichteten Duster. Da kommen bisweilen sportliche Fahrgefühle auf. Währenddessen arbeitet der Doppelkuppler hinreichend geschmeidig und verkneift sich Schaltrucke weitgehend.

Und noch eine Facette lässt den Duster charmant erscheinen – zumindest für eine bestimmte Klientel: Es gibt in diesem Preissegment quasi keinen Wettbewerber, der so flink im Gelände ist. Denn dazu gehört neben Allradantrieb - über den in diesem Segment kaum ein Auto verfügt - ja auch noch ein entsprechender Böschungswinkel, um beim Anfahren von Hindernissen nicht schon mit dem vorderen Stoßfänger hängenzubleiben. Dacia führt auf einem kleinen Geländeparcours vor, dass der Duster überdies mit veritablen Verschränkungssituationen wunderbar klarkommt und dank Sperrfunktion auch dann nicht steckenbleibt, wenn ein Rad in der Luft hängt. Als Unterstützung darf der Fahrer auf diverse Kameraperspektiven und verschiedene Geländeinformationen wie Neigungswinkel oder die Höhenlage zurückgreifen. Derlei spielt dem Dieselmotor in die Hände, der schon knapp über Leerlaufdrehzahl sattes Eingangsdrehmoment an das Getriebe liefert. Die dCi-Ausgabe des Duster ist übrigens die günstigste Möglichkeit, in den 4x4-Genuss zu kommen – schlägt mit 19.990 Euro allerdings merklich drastischer ins Kontor als die Basis. Dafür bleibt der 1,5-Liter mit 4,7 Litern Kraftstoff pro 100 km deutlich unter den Werten seiner Benziner-Kollegen.

Ein geräumiges Innenleben mit viel Platz für Passagiere und Gepäck – bis zu 1.478 Liter Kofferraumvolumen sind angesagt – mach den Duster nicht nur zu einem preislich günstigen, sondern obendrein nutzwertigen Kandidaten. Ein schicker ist er ja sowieso.

Dacia Duster – Technische Daten:

Kleinwagen-SUV, Länge: 4,34 Meter, Breite: 1,80 (mit Außenspiegeln 2,05) Meter, Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 411 bis 1.478 Liter

TCe90/TCe100 ECO-G: 1,0-Liter-Dreizylinder-Otto mit Saugrohreinspritzung und Turboaufladung, 67 kW/91 PS (mit Autogas 74 kW/101 PS), maximales Drehmoment: 160 (Autogas 170) Nm bei 2.200/2.000 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, 0-100 km/h: 15,1 (Autogas 13,8) s, Vmax: 166/168 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,7 (Autogas 7,1) Liter, CO2-Ausstoß: 131 (Autogas 116) g/km, Effizienzklasse: C (Autogas B), Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 11.990 Euro

TCe130: 1,3-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 96 kW/131 PS, maximales Drehmoment: 240 Nm bei 1.700 U/min, Frontantrieb, 0-100 km/h: 10,6 s, Vmax: 193 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter, CO2-Ausstoß: 121 g/km, Effizienzklasse: C, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 16.790 Euro

TCe150: 1,3-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.700 U/min, Sechsgang-Automatik (Doppelkupplung), Frontantrieb, 0-100 km/h: 9,7 s, Vmax: 199 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,4 Liter, CO2-Ausstoß: 121 g/km, Effizienzklasse: B, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 20.190 Euro

TCe150 mit Allrad: 1,3-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.700 U/min, 0-100 km/h: 10,4 s, Vmax: 198 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,1 Liter, CO2-Ausstoß: 121 g/km, Effizienzklasse: C, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 21.090 Euro

Blue dCi115 4WD: 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 85 kW/116 PS, maximales Drehmoment: 260 Nm bei 1.750 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Allradantrieb, 0-100 km/h: 10,2 s, Vmax: 175 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter, CO2-Ausstoß: 124 g/km, Effizienzklasse: A, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 19.990 Euro

Blue dCi115: 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 85 kW/116 PS, maximales Drehmoment: 260 Nm bei 1.750 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, 0-100 km/h: 10,2 s, Vmax: 183 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,2 Liter, CO2-Ausstoß: 124 g/km, Effizienzklasse: A, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 17.390 Euro


Dacia Duster – Kurzcharakteristik:
Warum: Weil er viel Auto für wenig Geld bietet
Warum nicht: Weil er viele moderne Features eben doch nicht hat
Was sonst: Renault Captur, Volkswagen T-Cross, Peugeot 2008, Seat Arona oder Audi Q2 respektive Mini Countryman im Premium-Bereich
Wann: Sofort

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