Steuerung per Stift: Samsung Galaxy Note 10+ im Test

04.08.2020 Früher war es gang und gäbe, dass Smartphone-Nutzer mit einem berührungsempfindlichen Stift auf das Display eintippten. Bei Betriebssystem wie Windows 6.5 war dank ultrakleiner Bedienelemente auf dem Display eine Steuerung auch sonst kaum möglich. Samsung macht es mit seiner Note-Serie schon seit langem besser. Das Samsung Galaxy Note 10+ kann man sowohl mit dem Finger als auch mit dem mitgelieferten S-Pen bestens bedienen. Im Test zeigt das 999 Euro (UVP) teure Phablet auch innere Qualitäten.

Gehäuse

Mit Maßen von 162,3 x 77,2 x 7,9 Millimetern und einem Gewicht von 196 Gramm ist das Phablet nicht viel größer und schwerer als „normale“ moderne Smartphones. Aufgrund der dünnen Display-Ränder nutzt das Samsung Galaxy Note 10+ nur seine Vorderseite fast komplett für das Display aus. Nervig ist die glatte Oberfläche an den Seiten und auf der Rückseite des Gehäuses. Man muss immer wieder aufpassen, dass das Samsung Galaxy Note 10+ z.B. auf Tischplatten nicht ins Rutschen kommt.

Der S-Pen ist bündig ins Gehäuse des Samsung Galaxy Note 10+ integriert und kann nach einem sanften Druckimpuls herausgezogen werden. Der Fingerabdruck-Scanner liegt unterhalb des Bildschirms, aber viel öfter benutzt man die sehr gut funktionierende Gesichtserkennung.

Display

Der 6,8-Zoll-Bildschirm des Samsung Galaxy Note 10+ kratzt schon an der Grenze zum Tablet und löst mit 3.040 x 1.440 Pixeln auf. Das sieht gut, doch wenn man Akkukapazität sparen möchte, sollte man die Auflösung bis auf HD-Plus-Qualität herunterfahren. Das reicht im Normalbetrieb völlig aus. Der Super-AMOLED-Bildschirm hat einen hohen Helligkeitswert von 1.200 nits und kann auch bei direkter Sonneinstrahlung gut abgelesen werden. Auf die Druckimpulse des S-Pen reagiert er zuverlässig.

Speicher

In puncto Speicherkapazität ist das Samsung Galaxy Note 10+ als High-End-Gerät natürlich bestens ausgestattet. So gibt es neben der Basisversion mit 256 Gigabyte (GB) internem Speicher auch eine Variante des Phablets mit 512 GB internem Speicher. Zusätzlich kann man eine microSD-Karte einlegen. Üppig bemessen ist auch der Arbeitsspeicher mit zwölf GB.

Prozessor

Dank des 2,7 Gigahertz schnellen Exynos-9825-Prozessors, der von Samsung selbst hergestellt wird und der auf acht Rechenkernen läuft, schafft das Phablet absolute Spitzenleistungen in unseren Benchmark-Tests. Im Rightware Benchmark 3.0 erreicht das Samsung Galaxy Note 10+ sehr gute 457,57 Punkte.

Software

Als Betriebssystem kommt Android 10 zum Einsatz, doch ein Update auf Android 11 sollte bald verteilt werden. Darauf aufgesetzt hat Samsung seine Benutzeroberfläche One UI, die insgesamt einen gut bedienbaren, aber auch etwas überladenen Eindruck hinterlässt.

Der S-Pen ist via Bluetooth mit dem Phablet verbunden. Deshalb muss man den Stift nicht zwangsläufig immer auf den Bildschirm aufsetzen, sondern kann ihn als Fernsteuerung für einige Funktionen nutzen. Praktisch ist beispielsweise der Fernauslöser für die Kamera bei Selfies. Ein bisschen nach Luftgitarre sehen die sogenannten „Air Gestures“ aus. Diese Gesten werden in die Luft gezeichnet, um bestimmte Anwendungen auf dem Samsung Galaxy Note 10 zu starten.

Akku

Der Akku des Samsung Galaxy Note 10+ misst 4.300 Milli-Ampèrestunden und ist damit in Relation zu den Außenabmessungen nicht sonderlich groß. In der Praxis hielt der Energiespeicher des größeren Phablets jedoch circa 36 Stunden durch – ein guter Wert. Die Aufladung dauert ungefähr 90 Minuten und kann auf Wunsch kabellos erfolgen.

Kameras

Die Hauptkamera des Samsung Galaxy Note 10+ löst mit nur zwölf Megapixeln (MP) auf, doch dafür verfügt sie über eine Blende, die mechanisch zwischen f/1.5 und f/2.4 umgeschaltet werden kann. Daneben liegt ein 16-MP-Weitwinkel-Objektiv. Das Samsung Galaxy Note 10+ hat zudem eine VGA-3D-Tiefenkamera an Bord. Da das Phablet über eine gute Restlichtverwertung, eine optische Bildstabilisierung und einen schnell reagierenden Autofokus verfügt, schießt es sowohl bei Tage als auch bei Nacht gute Bilder. Nur die Verzerrungen bei Weitwinkel-Aufnahmen fallen ein wenig ins Auge (siehe Bildergalerie).

Für Selfies hat das Samsung Galaxy Note 10+ eine Linse mit zehn MP, die auf der Vorderseite in den Bildschirm eingelassen ist und im Dunklen von einem Display-Fotolicht unterstützt wird. Der Autofokus der Frontkamera funktioniert gut, so dass Selfies fast immer gelingen (siehe Bildergalerie).

Sound

Das Samsung Galaxy Note 10+ glänzt durch kräftigen und klaren Lautsprecher-Sound. Der ganze Stolz der Samsung-Ingenieure sind jedoch die Mikrofone, für die Samsung so etwas wie einen Audio-Zoom verspricht. So sollen die drei Mikrofone beim Filmen genau die Geräusche aufzeichnen, die von den Objekten erzeugt werden, die auch im Bild sind. Was darum herum passiert, wird ausgeblendet. Eine Audio-Buchse fehlt hingegen unverständlicherweise. Stattdessen legt Samsung ein USB-C-Headset und einen USB-C-zu-Audio-Adapter bei – wie umständlich!

Konnektivität

Das Samsung Galaxy Note 10+ ist mit der WiFi-6-Technologie ausgerüstet und kann via LTE in der Theorie mit bis zu zwei Gigabit pro Sekunde (GBit/s) im Download und 300 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Upload surfen. Bei unserem Praxistest im Düsseldorfer 4G-Netz von Vodafone realisierte das Phablet sehr gute 235 MBit/s im Download und 55 MBit/s im Upload.

Sprach- und Empfangsqualität

Sowohl in Gebäuden als auch in Tunneln gab sich das Phablet keine Blöße bei der Sprach- und Empfangsqualität im Vodafone-Netz. Voice over LTE und WiFi Calling stehen als Optionen selbstverständlich zur Verfügung. Darüber hinaus beherrscht das Samsung Galaxy Note 10+ den Bluetooth-5.0-Standard, so dass der Klang über eine Freisprechanlage optimal drahtlos übertragen wird.

Fazit

Das Samsung Galaxy Note 10+ schneidet in fast allen Kategorien sehr gut ab und ist die perfekte Symbiose zwischen Smartphone und Tablet. Der Bildschirm ist fast so groß wie bei einem Tablet, aber Außenabmessungen und Gewicht halten sich Smartphone-typisch in Grenzen. Zudem bietet das Phablet mit seinem S-Pen diverse Funktionen, die Smartphones ohne Bedienstift nicht haben.

Bei der Oberflächengestaltung des Samsung Galaxy Note 10+ ging leider offensichtlich Design vor Funktion, denn das Phablet kommt auf glatten Flächen schon mal ins Rutschen. Zum anderen ist die Rückseite des Gehäuses schnell mit hässlichen Fingerabdrücken übersät. Sehr schade ist das Fehlen einer separaten Audio-Buchse, weshalb konventionelle Kopfhörer umständlich über einen Adapter an die USB-Buchse angedockt werden müssen.

 

© Tom Meyer

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