Mehr schnelles Kabel-Internet für Vodafone-Kunden

29.06.2021 Vodafone treibt den Ausbau seines Kabelnetzes ja bereits seit längerem voran, doch die kommende Ausbaustufe betrifft vor allem Kunden in kleineren Städten und Gemeinden, die bis dato ziemlich langsame Leitungen hatten – gute Nachrichten für den ländlichen Raum, der von Ex-Monopolist Deutsche Telekom bislang sträflich vernachlässigt wurde.

Vier Millionen Haushalte bis 2023

Bis 2023 sind es rund vier Millionen Bestandskunden-Haushalte, die nach Angaben von Vodafone über das hybride Glasfaser-Kabelnetz ein Speed-Upgrade erhalten. Das macht sich auch in den angebotenen Tarifen bemerkbar.

Von der dauerhaften Geschwindigkeitserhöhung profitieren nämlich Vodafone-Privatkunden, die in einem Tarif-Portfolio von vor 2020 sind. Bei ihnen steigen die Übertragungsgeschwindigkeiten je nach Tarifklasse auf eines der aktuell vermarkteten Tarife – und das ohne Zuzahlung.

Schnelleres Internet für das gleiche Geld

Bei rund 500.000 Kunden hat Vodafone im Mai und Juni 2021 bereits die Geschwindigkeit erhöht. Nun stehen vor allem ältere Tarife mit niedrigen ein- oder zweistelligen Download-Geschwindigkeiten im Mittelpunkt. Sie erhalten nach und nach eine Download-Rate von bis zu 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s). Das entspricht in etwa einem üblichen VDSL-Anschluss.

Auch bei höheren Tempoklassen wertet Vodafone die Geschwindigkeit auf. Wer bislang beispielsweise mit 150 oder 200 MBit/s gesurft hat, erhält innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Upgrade auf 250 Mbit/s. Wer zurzeit mit 400 MBit/s im Internet unterwegs ist, bekommt zukünftig 500 MBit/s.

Automatische Benachrichtigung

Nicht berücksichtigt werden können laut Vodafone nach aktuellem Stand Kabel-Bestandskunden, die über die Discountermarke eazy im Gigabit-Netz von Vodafone surfen. Auch einige ältere Tarife, in die TV-Produkte integriert sind oder die an Mehrnutzer-Verträge gekoppelt sind, werden noch nicht aufgewertet.

Das Speed-Upgrade erfolgt automatisch und die Kunden werden von Vodafone informiert, wenn es durchgeführt wurde. Alle weiteren Vertragsbedingungen, wie z.B. die Vertragslaufzeit ändern sich nicht.

Durchschnittsgeschwindigkeit steigt

Das sind gute Nachrichten für den ländlichen Raum, der bislang vom Platzhirschen Deutsche Telekom sträflich vernachlässigt wurde. Zudem steigen auch hier die durchschnittlichen Download- und Upload-Geschwindigkeiten, obwohl der Ex-Monopolist sich vielerorts gegen einen Ausbau seiner Netze sträubte, weil sich dieser wegen der geringen Zahl der zu erwartenden Kunden nicht lohnte.

Nach Angaben des Branchenportals Netzwelt lag die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit in Deutschland im Jahr 2020 bei 54,12 MBit/s und die durchschnittliche Upload-Geschwindigkeit bei 16,94 MBit/s. Gegenüber 2019 war dies eine deutliche Verbesserung. 2019 lag die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit nämlich bei nur 39,7 MBit/s und die durchschnittliche Upload-Geschwindigkeit bei lediglich 11,67 MBit/s.

Alternative Anbieter machen Dampf

Woran liegt das? Nicht an der Telekom, sondern an alternativen Anbietern wie Vodafone. So sind die Kunden der Düsseldorfer in Nordrhein-Westfalen und Hessen mit 80,93 MBit/s im Download bundesweit am schnellsten unterwegs.

Aber auch viele Private-Public-Partnerschaften in kleinen Orten und Gemeinden sorgen für ein Ansteigen der Durchschnittsgeschwindigkeiten. Häufig kommen hier Telekommunikations- und Energieunternehmen zusammen, denn wenn die Straße erst einmal aufgerissen wird, um z.B. Stromkabel zu erneuern, kann man auch leicht Rohre verlegen, durch die Glasfaser durchgeschoben wird.

In dicht bebauten Gegenden wie z.B. Industriegebieten am Stadtrand, kommt zudem immer öfter das sogenannte Nano-Trechning zum Einsatz. Mit einem feinen Schnitt wird die Glasfaser dabei direkt in der Asphaltdecke verlegt ohne diese zu durchtrennen und damit die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen. Sogar bei kurvigen Straßenverläufen ist diese Vorgehensweise möglich. Ein weiterer Vorteil von Nano-Trenching ist, dass dauerhafte Baustellen nicht mehr nötig sind.

Telekom steht auf der Bremse

Das vom Bundesverkehrsministerium initiierte Graue-Flecken-Programm fördert solche Projekte. Bis zu 2,8 Millionen Anschlüsse sieht das Programm aus dem Hause von Andreas Scheuer (CSU) vor. Es gilt für Regionen, in denen bislang maximal 100 MBit/s im Download anliegen.

Die Telekom steht derweil auf der Bremse und will sich sogar dagegen wehren, dass ihre einfachen Vectoring-Zugänge durch das Graue-Flecken-Programm überbaut werden. Vectoring, das ist eine Ausbaustufe von VDSL, die Download-Geschwindigkeiten von eben bis zu 100 MBit/s ermöglicht – und der Telekom nebenbei ein lukratives Quasi-Monopol ermöglicht.

FTTH statt Vectoring

Zudem argumentieren die Bonner damit, dass sie – genau wie andere Unternehmen – einen massiven Ausbau von Fiber to the Home (FTTH) planen. Das sind Glasfasernetze, die direkt bis an die Telefondose der Kunden reichen und deutlich höheren Speed als VDSL oder Vectoring ermöglichen.

Die Taktik dahinter ist schnell durchleuchtet. Die Telekom möchte ihre Vectoring-Kunden möglichst geräuschlos in das modernere FTTH-Netz überführen – anstatt sie an die Konkurrenz zu verlieren.

Für den Verbraucher bleibt zu hoffen, dass auch der nächste Bundesverkehrsminister standhaft bleibt und am Graue-Flecken-Programm festhält, denn ohne Druck wird sich die Telekom auch in den nächsten Jahren kaum bewegen.

© Tom Meyer

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