USA und Russland wollen über Cybersicherheit sprechen

16.06.2021 Attackieren russische Hacker gezielt Behörden und Unternehmen in den USA? Die Vorwürfe wiegen schwer. Nun verständigen sich Putin und Biden auf ein gemeinsames Vorgehen gegen Cyberkriminalität.

Der russische Präsident Wladimir Putin (l) und US-Präsident Joe Biden schütteln sich die Hände bei ihrem Treffen in der "Villa la Grange". Foto: Patrick Semansky/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts großer Spannungen wegen mutmaßlich russischer Hackerattacken auf amerikanische Regierungsstellen und Unternehmen wollen die USA und Russland Gespräche über Cybersicherheit aufnehmen.

US-Präsident Joe Biden sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in Genf, die beiden hätten vereinbart, dass ihre Regierungen Beratungen zu dem Thema beginnen. Dabei solle es etwa darum gehen, konkrete Fälle anzusprechen und Ziele zu definieren, die tabu sein sollten für Attacken.

Biden sagte, gewisse kritische Infrastruktur etwa müsse ausgenommen werden. Außerdem appellierte er erneut, verantwortungsvolle Staaten müssten gegen Urheber von Ransomware-Attacken vorgehen.

Die USA machen russische Geheimdienste für einen massiven Hackerangriff auf Ministerien, Behörden und Firmen in den USA verantwortlich. Moskau hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen und angeboten, Vorwürfe aufzuklären und bei der Cybersicherheit zusammenzuarbeiten. Putin beklagte zudem immer wieder Cyberangriffe gegen russische Stellen.

Am Mittwoch sagte Putin bei einer separaten Pressekonferenz in Genf, die geplanten Cybersicherheits-Gespräche seien «sehr wichtig». Zugleich wies er die Vorwürfe der USA erneut zurück und konterte stattdessen. «Man muss einfach alle Unterstellungen verwerfen, sich auf Expertenebene hinsetzen und im Interesse der USA und Russlands zu arbeiten beginnen», sagte Putin. Außerdem beklagte er, Russland sei Ziel von Attacken «aus dem Cyberraum der USA», insbesondere auf das russische Gesundheitssystem.

Mutmaßlich russische Hacker hatten sich in den USA Zugang zu der viel genutzten Wartungssoftware der Firma SolarWinds verschafft. Der Fall wurde im Dezember bekannt. Der Angriff war über Monate unentdeckt geblieben und ein peinlicher Rückschlag für US-Sicherheitsdienste. Nach US-Angaben gab der Angriff Russland die Möglichkeit, weltweit mehr als 16.000 Computersysteme auszuspionieren oder zu stören. Russland weist das zurück.

Als großes Problem sehen die USA außerdem die Zunahme von Ransomware-Attacken. Dabei werden Daten auf Computern von Hackern verschlüsselt und meist erst gegen Lösegeld freigegeben. Die US-Regierung macht dafür nicht Moskau, aber Kriminelle in Russland verantwortlich - und sieht die russische Regierung in der Pflicht, gegen die Hacker vorzugehen.

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