Wachsamkeit von Hunden in Bahnen lenken

23.08.2021 Viele Hunde sind von Natur aus wachsam. Doch ständiges Bellen am Zaun kann zur Belastungsprobe werden. Was Hundehalter dagegen unternehmen können.

Morris weiß, was er zu tun hat. Wenn Spaziergänger oder Radfahrer am Gartenzaun vorbeikommen, meldet der Australian Shepherd das mit einem Bellen. Seiner Besitzerin Manuela Zaitz ist das ganz recht: Da sie abgelegen am Rand der Stadt Moers wohnt, möchte sie nicht, dass sich jeder Mensch unbemerkt ihrem Haus nähern kann.

Zaitz ist Hundetrainerin - und weiß daher: Nicht jedem Halter gefällt es, wenn der Hund am Gartenzaun ständig Rabatz macht. In der Stadt kann das nicht nur den Besitzern auf die Nerven gehen, sondern auch den Nachbarn. Doch Zaitz hat eine gute Nachricht: Bellen oder Stillsein lassen sich mit dem Hund durchaus trainieren.

Bellen und Stillsein von klein auf üben

Von der Wachsamkeit des Hundes hat der Mensch jahrtausendelang profitiert. Der Vierbeiner beschützte Lagerstätten oder Bauernhöfe. Gerade auf Höfen gibt es noch heute den klassischen Wachhund - und nicht nur dort kann es praktisch sein, wenn ein lautes Bellen ungebetene Gäste verschreckt.

Die Erfahrung hat auch Christa Bremer gemacht. Die Vizepräsidentin des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) hat ihrer Airedale-Terrier-Hündin beigebracht, kontrolliert zu bellen, wenn sich eine Person dem Haus nähert. Auf den Befehl «Platz» legt sich die Hündin hin, bleibt ruhig, beobachtet aber weiterhin das Geschehen. Die Situation gilt für den Hund als aufgelöst, wenn der Gast hereingebeten wird oder sich die Tür wieder schließt.

«Das muss man dem Hund aber von klein auf beibringen, damit er weiß, was er zu tun hat und was nicht», sagt Bremer. «Der Hund muss kontrollierbar sein und darf nicht dauerhaft durchbellen. Das muss er schon sehr früh lernen.» Als typische Wachhunde gelten Rassen wie Schäferhunde, Rottweiler oder Hovawart. Allerdings ist eine beeindruckende Stimme nicht unbedingt eine Frage der Körpergröße. Auch ein kleiner Terrier kann größer klingen, als er ist.

Haltung im Hundezwinger ist keine Option mehr

Generell warnen Expertinnen und Experten jedoch davor, Hunde als lebende Alarmanlage anzuschaffen und sie zum Beispiel in einen Zwinger zu sperren. «Zwinger sind heute keine Option mehr, weil Hunde dringend ihre Bezugspersonen brauchen», sagt Bettina Haas, Hundetrainerin im fränkischen Vorra.

Viele Hunde besitzen eine natürliche Wachsamkeit. «Ich warne davor, das Schutzverhalten durch Training noch zu verstärken», sagt Haas. «Die meisten Hunde, die Menschen gegenüber friedlich und aufgeschlossen sind, reagieren anders, wenn sich nachts ein Einbrecher dem Haus nähert. In so einer Situation wird ein Hund reagieren - das braucht man nicht noch extra zu trainieren.»

Wachsamkeit kann zudem in unerwünschtes Verhalten umschlagen - etwa wenn der Hund beginnt, am Gartenzaun zu kläffen. «Ich schaue mir als Trainerin dann zuerst an: Warum bellt der Hund?», erklärt Bettina Haas. Einem Verhalten würden immer eine Emotion und ein Bedürfnis zugrunde liegen. Wenn der Hund zum Beispiel im Garten allein gelassen wird, kann es sein, dass er sich aus Langeweile eine Aufgabe sucht.

Es kann aber auch sein, dass ihn dieses Alleinsein verunsichert und er deshalb alles verbellt, was am Zaun vorbeikommt. «Ein Hund, der viel bellt, sollte sehr oft für ruhiges Verhalten belohnt werden», sagt die Trainerin. Sie schlägt vor, einen «Vielbeller» nicht mehr im Garten allein zu lassen, sondern sich dort mit ihm zu beschäftigen. «Der Hund kann lernen, im Garten zu entspannen, statt aufzudrehen.»

Anti-Bell-Halsbänder und Wurfketten kontraproduktiv

Die Moerser Hundetrainerin Manuela Zaitz warnt vor sogenannten Anti-Bell-Halsbändern, die einen bellenden Hund verstummen lassen sollen, indem sie automatisch ein Spray, Ultraschall oder sogar Strom abgeben. Diese Werkzeuge sind nicht nur aus Tierschutzgründen bedenklich, sondern können auch kontraproduktiv sein. Das Gleiche gilt für «Wurfketten», mit denen man den bellenden Hund zur Bestrafung bewirft.

«Wenn ein Hund am Zaun Menschen erblickt, sie verbellt und dann mit der Wurfkette beworfen wird, wird er die Menschen deswegen nicht besser finden. Im Gegenteil: Er wird noch stärker versuchen, sie durch abschreckendes Bellen loszuwerden», gibt die Expertin zu bedenken. Zaitz rät stattdessen, erwünschtes Verhalten zu bestärken. Zum Beispiel durch Training mit dem Clicker. Das klickende Geräusch verbinden Hunde mit etwas Positiven - zumindest wenn sie mit dieser Methode vertraut sind.

Die Halterin oder der Halter könne sich zum Hund in den Garten setzen, jedes Mal den typischen Click-Laut erzeugen und dem Hund ein Leckerli geben, wenn sich Menschen dem Zaun nähern. Dann wird die Belohnung interessanter sein als das Geschehen am Zaun. «Der Hund merkt: Immer wenn jemand am Zaun vorbeikommt, passierte etwas Gutes bei meinem Menschen. Das verändert seine Stimmung.»

Bellen lasse sich vielleicht nie komplett abstellen, erklärt Zaitz - schließlich sei das für einen Hund auch ein ganz natürliches Verhalten. «Aber es lässt sich gut trainieren. Schon mit wenigen Einheiten.»

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