Wagenknecht: «bissige» und positive Reaktionen auf Buch

03.05.2021 Sie steht zwar nicht mehr in der ersten Reihe der Linkspartei, bleibt aber ihr wohl bekanntestes Gesicht mit Promi-Status. Mit ihrem neuem Buch sorgt Sahra Wagenknech für Wirbel in den eigenen Reihen.

Sahra Wagenknecht, Autorin und frühere Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die frühere Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, bekommt nach eigener Aussage positive Rückmeldungen auf ihr viel diskutiertes neues Buch.

«Von denen, die mich nicht mögen, habe ich natürlich auch einige bissige Reaktionen erhalten», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Es kämen aber auch aus der eigenen Partei «sehr viele positive Rückmeldungen».

Mit ihrem Buch «Die Selbstgerechten - Mein Gegenprogramm für Gemeinsinn und Zusammenhalt» hatte Wagenknecht ein großes Medienecho ausgelöst. Einige Vertreter der Linken hatten mit Empörung reagiert. Einen halben Monat nach dem Erscheinungstermin steht das Buch in den Bestsellerlisten von «Spiegel» und «Focus» weit vorn. Wagenknecht zufolge war die erste Auflage in den Buchläden bereits einen Tag nach Erscheinen weitgehend vergriffen.

Die Politikerin, die in der Vergangenheit immer wieder den Kurs der eigenen Partei kritisiert hatte, etwa in der Migrationspolitik, greift im Buch die aktuelle Ausrichtung linker Parteien grundsätzlich an. Sie beklagt eine Überheblichkeit und spricht von einer dominierenden Strömung von «Lifestyle-Linken», die ihrer Ansicht nach den eigenen Lebensstil zur Tugend verklären, die Bodenhaftung verloren haben und auf diejenigen herabblicken, die ein einfacheres oder traditionelleres Leben führen.

«Bioprodukte muss man sich leisten können, genau wie den schmucken Tesla oder die Wohnung in der Innenstadt, von der aus viele Wege tatsächlich mit dem Rad erledigt werden können. Wer weniger verdient, kauft eben sein Fleisch beim Discounter, und er ist eher mit einem älteren Diesel unterwegs, zumal in ländlichen Regionen, wo es gar keine Alternative zum Auto gibt», erklärte Wagenknecht dazu im dpa-Interview. Auch die Sprache einfacher Leute werde niedergemacht, weil sie nicht «irgendwelchen Gender-Regeln» entspreche. Solche Debatten seien das Gegenteil dessen, was linke Politik tun müsse, kritisierte die 51-Jährige.

Linke Parteien sollten sich ihrer Ansicht nach vor allem um «Niedriglohnjobs, schlechte Renten, Großunternehmen, die sich um Steuern drücken» kümmern. Wagenknecht schlägt zudem eine «andere Digitalisierung, jenseits des Überwachungskapitalismus» vor und plädiert für mehr direkte Demokratie, wie Volksentscheide.

Parteiintern sieht sich die ehemalige Fraktionschefin mit ihren Positionen nicht in einer Außenseiterrolle. Sie verwies auf positive Reaktionen aus den eigenen Reihen. «Die Frage, wohin wir als Linke gehen, ist noch nicht entschieden», fügte sie hinzu. Bei der Bundestagswahl im September steht Wagenknecht auf Platz eins der nordrhein-westfälischen Landesliste der Linken. Schon allein auf dieser Liste kandidierten «ganz viele», die ihre Sicht im Großen und Ganzen teilten und sie unterstützten. «Insofern besteht kein Grund zur Sorge, dass ich irgendwann mutterseelenallein im Bundestag sitzen könnte.»

Sie wolle eine gesellschaftliche Debatte über die Rolle linker Parteien anstoßen. «Das ist kein Buch gegen die Linke und insofern auch kein Schlag in die Magengrube. Es ist ein Angriff auf ein bestimmtes Verständnis von Links-Sein, das die linken Parteien europaweit schwächt und viele in die Bedeutungslosigkeit geführt hat.» Zur Frage, ob die Linken-Spitze im anstehenden Bundestagswahlkampf mit einem Reingrätschen ihrerseits rechnen müsse, sagte Wagenknecht: «Ich werde nichts machen, was uns im Wahlkampf schadet, sondern ich hoffe, dass wir gemeinsam im Wahlkampf auf die richtigen Themen setzen, damit wir ein gutes Ergebnis bekommen.»

Ihr Buch sei sicherlich polarisierend, weil es eine bestimmte politische Richtung attackiere. «Aber die ist eben wesentlich verantwortlich dafür, unsere Gesellschaft immer weiter zu spalten.» Es gehe ihr darum, mehr sozialen Ausgleich zu erreichen. «Aber wenn die Parteien, die für dieses Ziel stehen, immer weniger gesellschaftlichen Rückhalt haben, werden sie es nie umsetzen können.»

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