Kokain-Verkäufe per Lieferservice - Dealer-Bande gefasst

02.03.2021 Viele Berliner Drogenkonsumenten bestellen ihren Stoff seit längerem über Chatprogramme. Diese Form der Lieferdienste beschäftigt Kripo und Justiz schon eine Weile.

Ein Suchhund der Polizei steht in einer Wohnung auf einem Bett. Sechs mutmaßliche Drogenhändler sind bei einer Razzia in Berlin verhaftet worden. Foto: ---/Polizei Berlin/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit sogenannten Koks-Taxis sollen die Täter Tausende Drogenportionen ausgeliefert haben. Die Berliner Kriminalpolizei fasste die große Dealer-Bande am Dienstag, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

200 Polizisten durchsuchten seit dem frühen Morgen bei einer Razzia 14 Wohnungen und andere Räume. Ermittelt wird gegen 13 Verdächtige, fünf von ihnen wurden verhaftet. Die Polizei dokumentierte laut Staatsanwaltschaft mehr als 2200 Verkäufe von Kokain.

Bei der Razzia waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) im Einsatz. Zum Aufspüren des Rauschgifts setzte die Polizei auch Suchhunde ein. Fotos, die von der Polizei veröffentlicht wurden, zeigten einen Hund auf einem Bett in einer Wohnung und eine aufgebrochene Tür.

Ermittelt wurde seit fünf Monaten «wegen des organisierten und bandenmäßig begangenen Handels mit Rauschgift». Die 13 Verdächtigen gehören zur organisierten Kriminalität, einer von ihnen soll Mitglied eines arabischstämmigen Clans sein. Sie sind zwischen 23 und 45 Jahren alt und haben unterschiedliche Nationalitäten.

Vor allem durch den Kokain-Lieferdienst sollen die Täter «erhebliche Vermögenswerte» eingenommen haben. Die Polizei beschlagnahmte am Dienstag etwa 47.000 Euro Bargeld, drei mutmaßliche sogenannte Koks-Taxis oder Fahrzeuge zur Aufbewahrung von Drogen, eine scharfe Pistole sowie eine Machete, die hinter eine gesicherten Wohnungstür aufbewahrte wurde. Außerdem wurden knapp drei Kilogramm Kokain und acht Kilo Marihuana sowie eine Geldzählmaschine sichergestellt. Insgesamt soll Vermögen von fünf mutmaßlichen Tätern im Wert von 478.000 Euro sichergestellt werden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte: «Drogen sind nach wie vor das Schmiermittel der organisierten Kriminalität.» Der Einsatz zeige beispielhaft, wie Banden zunehmend internationaler und mobiler operieren. Immer mehr Netzwerke und Geschäfte würden über Messenger-Dienste organisiert.

Marihuana, Kokain und Amphetamin-Pillen werden in Großstädten seit Jahren von Kunden auch über Chatprogramme im Internet bestellt und von Dealern ausgeliefert. In Berlin stehen immer wieder Drogendealer mit Koks-Lieferdiensten vor Gericht. Die Hauptstadt-Polizei hat die Kokain-Taxis verstärkt im Blick.

Bestellen können Kunden Lieferung per Post oder Auto: «the safest and easiest way to become your stuff‼» Bezahlung ist in bar oder per Bitcoin möglich.

An diesem Mittwoch beginnt ein Prozess gegen zwei Männer im Alter von 24 und 28 Jahren. Sie sollen mit Komplizen als Bande agiert und fünf Kilogramm Kokain sowie Streckmittel bei einem niederländischen Drogenhändler bestellt haben. Im Herbst hatte am Kriminalgericht ein Prozess gegen eine Koks-Taxi-Bande begonnen. Die Angeklagten sollen Kokain von einem Hauptquartier in Hellersdorf aus per Limousine in der ganzen Stadt ausgeliefert haben.

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