Heckler & Koch verlängert Vertrag vom Chef um drei Jahre

28.01.2021 Immer wieder machte die Waffenschmiede Heckler & Koch in den vergangenen Jahren Negativschlagzeilen, ob Mexiko-Exporte, hohe Schulden oder Querelen unter Großaktionären. Nun setzt das Unternehmen ein Zeichen der Kontinuität.

Eine Säule mit dem Logo und dem Firmennamen steht vor der Unternehmenszentrale in Oberndorf. Foto: Wolf von Dewitz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach turbulenten Jahren mit Chefwechseln und einem internen Machtkampf kehrt beim Waffenhersteller Heckler & Koch etwas Ruhe ein. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des seit 2018 amtierenden Vorstandschefs Jens Bodo Koch um drei Jahre bis Ende Januar 2024, wie das Unternehmen aus Oberndorf südwestlich von Stuttgart am Donnerstag mitteilte. Er habe die Firma «in schwieriger Zeit übernommen und innerhalb der zurückliegenden drei Jahre in die Profitabilität und in ruhigeres Fahrwasser zurückgeführt», erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Runte.

Der 48-jährige Koch - die Namensgleichheit zum Firmengründer Theodor Koch ist zufällig - übernahm das Unternehmen in tiefroten Zahlen, dank eines harten Sparkurses und umfangreicher Investitionen kehrte es zurück in die Gewinnzone. Der Schuldenberg der 1000-Mitarbeiter-Firma bleibt mit zuletzt 238 Millionen Euro aber sehr hoch - grob gesagt entspricht das dem Jahresumsatz.

In den Jahren zuvor war der Chefposten bei dem Hersteller von Sturmgewehren und Pistolen eher ein Schleudersitz - Kochs Vorgänger wurde nach nur etwa anderthalb Jahren vor die Tür gesetzt. Auch davor blieben die Manager nicht lange auf ihren Chefsesseln.

Koch, der vom Bremer Sonarhersteller Atlas Elektronik gekommen war, geriet nach seinem Amtsantritt im Schwarzwald in einen internen Machtkampf zwischen zwei Investoren. Während der eine Anteilseigner Kritik an Koch durchblicken ließ, stärkte der andere Aktionär dem Manager den Rücken - letzterer gewann den Machtkampf, was die Stellung des Firmenchefs verbesserte.

Langjährige Firmenkritiker wie der Kleinaktionär Jürgen Grässlin sehen die Rolle von Koch positiv und bescheinigen ihm «Fachkompetenz und eine lobenswerte kommunikative Offenheit». Sie werfen ihm aber vor, dass er die «Grüne-Länder-Strategie» nicht konsequent umsetze. Hierbei geht es um eine Selbstbeschränkung, derzufolge HK «in erster Linie» nur demokratische und nichtkorrupte Nato- und EU-Staaten beliefert - Staaten wie die Türkei fallen weg. Dass aber Ausnahmen gemacht und doch bestimmte Geschäfte gemacht werden etwa mit Kunden in Indien, führt zu Kopfschütteln bei dem Friedensaktivisten von der Initiative «Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!».

Zudem fordert Grässlin, dass Heckler & Koch endlich Geld in einen Fonds investieren müsse, um weltweit Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten Opfer von HK-Schusswaffen wurden, zu helfen. Koch hatte zugesichert, die Umsetzung so einer Forderung zu prüfen.

Ein düsteres Kapitel der Firmengeschichte wird Mitte Februar Thema vor dem Bundesgerichtshof. In der Verhandlung geht es um die Frage, wie in den Jahren 2006 bis 2009 etwa 4500 Sturmgewehre in mexikanische Unruheprovinzen gelangen konnten, wo sie nicht hätten landen dürfen. Das Stuttgarter Landgericht hatte 2019 zwei Ex-Mitarbeiter wegen bandenmäßiger Ausfuhr von Gütern zu Bewährungsstrafen verurteilt, zudem soll Heckler & Koch 3,5 Millionen Euro zahlen. Dieses Urteil nimmt das höchste deutsche Strafgericht unter die Lupe.

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