Umsätze bei Obst und Gemüse steigen

22.03.2021 Natürlich hat Corona seine Spuren hinterlassen auf den Feldern und Wiesen der Obst- und Gemüsebauern. Es wurden weniger Äpfel, Paprika und Zwetschgen geerntet, der Spargel stürzte auf ein historisch niedriges Niveau. Aber völlig unzufrieden sind die Erzeuger nicht.

Ein Gemüsehändler bietet frisches Obst und Gemüse auf einem Wochenmarkt an. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wer nicht raus kann, weil die Restaurants geschlossen sind, greift zum Kochlöffel und macht sich sein Essen zu Hause selbst. Wegen dieses Trends zum heimischen Herd in der Corona-Pandemie und wegen der höheren Preise sind die baden-württembergischen Obst- und Gemüsebauern nach eigenen Angaben mit einem blauen Auge durch das vergangene Krisenjahr gekommen.

«Die Menschen haben in der Pandemie verstärkt zuhause gekocht und dabei häufig auf frische, gesunde und regional erzeugte Lebensmittel gesetzt», sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, Roman Glaser, am Montag in Karlsruhe. Zwar seien die vermarkteten Mengen bei Obst und Gemüse im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Der Gesamtumsatz hingegen nahm spürbar zu, wie der Verband mitteilte.

Auch für das laufende Jahr gehen die Erzeuger von vergleichsweise guten Zahlen aus. «Die tiefen Temperaturen im Winter und die durchgängigen Frostperioden haben den Böden gut getan», sagte Glaser. «So etwas wünscht man sich in der Landwirtschaft.» Mit großen Mengen an Freiland-Spargel und ersten Erdbeeren zu Ostern rechnet er allerdings nicht.

Im vergangenen Jahr wurden vor allem wegen Rückgängen bei den Äpfeln, Zwetschgen und Erdbeeren 13 Prozent weniger Obst vermarktet. Insgesamt verkauften die Erzeuger der Genossenschaften 211 000 Tonnen. Auch beim Gemüse gingen die Zahlen zurück: um 12 Prozent auf 83 000 Tonnen.

Dagegen wuchs der Umsatz der genossenschaftlichen Erzeugergroßmärkte und ihrer Vertriebsgesellschaften auf insgesamt 511 Millionen Euro, das ist ein Plus von 19 Millionen Euro oder vier Prozent. «Der Marktmechanismus hat funktioniert: geringere Ware, steigende Preise», sagte Glaser. Während die Obsterzeuger 206 Millionen Euro (Vorjahr: 177 Millionen Euro) umsetzen konnten, waren es bei den Gemüsebetrieben im vergangenen Jahr 251 Millionen Euro (Vorjahr: 253 Millionen Euro).

«Die höheren Umsätze haben die Betriebe dringend benötigt, um die stark gestiegenen Ausgaben durch Corona zumindest teilweise abfedern zu können», sagte Hans Lehar, Geschäftsführer der Obst- und Gemüse-Vertriebsgenossenschaft Nordbaden. Die Auflagen bei der Hygiene und der Unterbringung von Saison-Arbeitskräften hätten die Betriebe viel Geld gekostet.

Auch im laufenden Jahr setzten die Landwirte stark auf die Hilfe von außerhalb. Denn das Ausbleiben ausländischer Saisonarbeitskräfte wegen der Grenzschließungen und Quarantäneregelungen habe Spuren hinterlassen. Einige Spargelfelder hätten zum Beispiel nicht abgeerntet werden können und fielen für die komplette Saison aus, sagte Präsident Glaser. «Wenn der schnell wachsende Spargel nicht rechtzeitig gestochen wird, fällt die Pflanze für die komplette Erntezeit aus. Er grünt innerhalb von 24 Stunden aus und ist für die Saison verloren.» Mit 4700 Tonnen habe die Absatzmenge daher auf einem historisch niedrigen Niveau gelegen, 14 Prozent unter dem Vorjahr.

Die 21 Obst-, Gemüse- und Gartenbaugenossenschaften sowie genossenschaftlichen Vertriebsorganisationen in Baden-Württemberg werden von rund 3800 Einzelmitgliedern getragen.

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