Pistorius gegen allgemeine Flugverbotszonen über Stadien

17.06.2021 Nach der missglückten Protestaktion von Greenpeace bei der Fußball-Europameisterschaft sieht Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) keinen Anlass für eine grundsätzliche Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen in Stadien. «Für mich ist das nicht zuallererst ein gravierendes Sicherheitsproblem», sagte Pistorius am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Innenministerkonferenz im badischen Rust. Deutschland habe die sichersten Stadien der Welt. Solche Dinge passierten immer mal wieder. «Genau wie Flitzer, die über den Platz laufen und anderes.» In der jetzigen Situation sehe er keine akute Sicherheitsgefahr. «Ich würde das jetzt nicht überdramatisieren.»

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius informiert. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Pistorius stellte klar, dass er wenig Verständnis habe für die Aktion. Rechtsstaatliche Grenzen und Regeln würden auch für diejenigen mit legitimen Zielen gelten. Man müsse nun nachschärfen und sehen, was man tun könne, um solche Aktionen in Zukunft zu verhindern. Nach dem Vorfall mit dem Gleitflieger werde man sicher nochmal genauer hingucken und geeignete Überwachungsmaßnahmen einleiten. Er sei aber dagegen, jetzt über allen Stadien Flugverbotszonen einzurichten. «Wir sollten auch aufpassen, dass wir unser Leben von einzelnen Vorfällen wie diesen nicht zu sehr einschränken lassen.»

Kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich am Dienstagabend hatte ein Motorschirm-Flieger sich selbst und die Fans in der Arena mit einer Notlandung im Stadion in Gefahr gebracht. Zwei Männer wurden verletzt. Hinter der Aktion stand die Umweltorganisation Greenpeace, die damit gegen den EM-Sponsor Volkswagen protestieren wollte. Greenpeace entschuldigte sich wenig später für den missglückten Protest; es sei nie die Absicht gewesen, das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzen.

Die bayerische Polizei werde bei den kommenden drei EM-Spielen in München die Luftüberwachung verstärken, kündigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an. Auch die Bundesregierung verurteilte die Aktion. Mehrere Politiker, darunter auch der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Innenminister, hatten gefordert, die Gemeinnützigkeit von Greenpeace auf den Prüfstand zu stellen.

«Das ist eine beliebte Forderung der Union, die immer dann kommt, wenn jemand unliebsame Aktionen startet», sagte der SPD-Politiker Pistorius der dpa. «Ich halte davon nach einer einmaligen Aktion dieser Art nichts.» Es sei aber an der Zeit, dass Greenpeace auf höchster Ebene klargemacht wird, dass sie ihren Status gefährdeten.

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