Einbruch in Juwelierladen: Berliner Polizist verdächtig

26.01.2021 In Bamberg mit seinen 77 000 Einwohnern ist es eine spektakuläre Tat. Zwei Kriminelle fahren mit einem Auto in das Schaufenster eines Juweliergeschäfts. Sie können zunächst entkommen. Ihre Spur führt nach Berlin. Dort wartet eine Überraschung auf die Polizei.

Blaulichter leuchten auf einem Streifenwagen der Polizei. Foto: Jens Büttner/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es sollte ein ganz raffinierter Coup in einem bayerischen Juwelierladen werden. Doch wenig später sitzt ein Berliner Polizist im Gefängnis. Was ist passiert?

Die Täter stahlen Mitte Januar eigens ein Handy und ein Auto, um dann in einen Juwelierladen in Bamberg in Nord-Bayern zu fahren und ihn auszuräumen. Abschließend versuchten sie, auch ihre digitalen Spuren im Internet zu verwischen. Die gründliche Planung war wohl kein Zufall: wenn die Indizien und der dringende Verdacht der Bamberger Kriminalpolizei stimmen, war einer der Täter ein Fachmann für Fragen der Kriminalität: ein 30-jähriger Berliner Polizeibeamter. Am 19. Januar wurde er gefasst, auch sein mutmaßlicher gleichaltriger Komplize sitzt inzwischen im Gefängnis.

Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Bamberg hatten intensiv ermittelt und waren so auf die Spur der beiden Männer gekommen. Der Ablauf der Taten stellt sich laut Polizei nun so dar:

Am 14. Januar traf ein Täter im Landkreis Bamberg eine Frau, die ihr teures Handy im Internet verkaufen wollte. Der Mann raubte der Frau mit Gewalt das Handy und sprang in einen wartenden hellen Mercedes, an dessen Steuer bereits ein Komplize wartete. Die Täter konnten trotz sofortiger Fahndung der Polizei entkommen. Am selben Abend stahlen die Männer in der Gegend von Schweinfurt eine BMW-Limousine im Wert von 18 000 Euro, indem sie vortäuschten, das Auto kaufen zu wollen.

Am nächsten Morgen gegen 5.45 Uhr rammten die Täter mit dem gestohlenen Auto im Rückwärtsgang das Schaufenster eines Juwelierladens in Bamberg. Sie schlugen Vitrinen ein und erbeuteten mehrere Schmuckstücke mit einem Wert im unteren sechsstelligen Bereich. Die Verdächtigen flüchteten laut den Angaben mit einem anderen Auto, einem hellen Mercedes, auf dessen Dach sie ein Blaulicht montiert hatten. Den BMW ließen sie am Schaufenster stehen.

Die Kriminalpolizei kam den Verdächtigen dann nach eigener Darstellung indirekt über das geraubte Handy auf die Spur. Zwar seien die Täter «äußerst konspirativ» vorgegangen und hätten ihre digitalen Spuren verwischt, hieß es. Allerdings habe die «die schnelle Übermittlung von Informationen des Betreibers der Internetplattform Ebay zu entscheidenden Erkenntnissen über die Täter und der von ihnen genutzten Geräte» geführt.

Im nächsten Schritt ermittelte die Bamberger Kripo - möglicherweise über das Abhören eines Handys -, dass einer der Täter das geraubte Handy in Berlin verkaufen wolle. Die Berliner Polizei wurde informiert. Zivilfahnder observierten am 19. Januar den Ort der Übergabe am S-Bahnhof Westhafen in Moabit und nahmen den Verdächtigen fest. Schnell stellten sie fest, dass der Mann ebenfalls Polizist war. Er war seit längerem krank gemeldet. Am 21. Januar wurde der zweite Verdächtige aus Norddeutschland in einer Wohnung im Landkreis Bamberg festgenommen. In der Wohnung fand die Polizei zahlreiche Schmuckstücke aus dem Einbruch. Beide Männer sitzen nun in Bamberg in Untersuchungshaft.

Die Berliner Polizei hatte zuletzt immer wieder mit einzelnen Fällen von Verdächtigen und Kriminellen in den eigenen Reihen zu tun. Erst in diesem Januar wurden bei einem Polizei-Auszubildenden Drogen und Handys gefunden. Im November erwischten Polizisten einen angestellten Wachmann der Berliner Polizei als Fahrer eines sogenannten Drogentaxis. Im Auto lagen ein Kilogramm Marihuana und 2000 Euro. Andere Polizeischüler fielen im Lauf der Jahre betrunken oder schlimmer noch mit rechtsextremistischen Äußerungen auf.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wendete sich am Dienstag gegen Verallgemeinerungen: «Es gibt Polizisten, die rauben, rechtswidrige Gewalt verüben und extremistisches Gedankengut an den Tag legen. Niemand aber sollte den Fehler machen und wegen dieser Taten Hunderttausende diffamieren, die sich tagtäglich in den Dienst der Menschen in unserem Land stellen.»

In Bamberg wurde bei demselben Juwelier bereits vor zwei Jahren eingebrochen, ebenfalls mit einem Auto als Rammbock. Die Polizei überprüfte direkt nach dem Einbruch vom 15. Januar einen Zusammenhang - die beiden aktuellen Verdächtigen kommen für die damalige Tat aber nicht in Frage.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News