Hilfe für Alpenflüsse: Naturschützer kritisieren Wasserkraft

29.01.2021 Der wildromantische Oberlauf der Isar, aber auch Loisach, Lech und Ammer locken immer mehr Erholungssuchende. Zudem dient das Wasser zur Energiegewinnung. Ein Projekt fördert den Erhalt der einzigartigen Landschaften. Dabei spielen auch Esel eine Rolle.

Das WWF-Logo ist auf einem Aufsteller zu sehen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Freizeitbedürfnisse, Energiegewinnung, Landwirtschaft - der Druck auf die natürlichen Alpenflüsse durch unterschiedliche Interessen steigt. Mit einem millionenschweren Projekt «Alpenflusslandschaften» hat die Umweltorganisation WWF gemeinsam mit 18 Partnern aus Naturschutz, Verwaltung, Wirtschaft und Sozialbereich binnen sechs Jahren mehr als 50 Maßnahmen zum Schutz der sensiblen Landschaften umgesetzt, wie WWF-Projektleiter Wolfgang Hug am Freitag mitteilte.

Mit einem Budget von knapp sechs Millionen Euro - davon 4,3 Millionen Euro Bundesmittel - starteten die Umweltschützer mehr als 500 Aktivitäten, zwei Drittel davon betrafen Informationsmaßnahmen.

Zudem wurden Brutgebiete des vom Aussterben bedrohten Alpenflussläufers kartiert, um mit Schildern Besucher besser zu lenken. Tümpel wurden neu angelegt, so dass sich Insekten wie Libellen wieder ansiedeln konnten. Esel und Rinder wurden zum Beweiden entlang von Isar und Lech eingesetzt, um artenreiche Magerrasen und Wiesen zu erhalten.

Selten gewordene Fischarten wie Seeforelle, Alpenknorpellattich und Deutsche Tamariske wurden vermehrt und ausgesetzt, Laichplätze an der Litzauer Lechschleife neu geschaffen. Mehrere Maßnahmen sollen weiter umgesetzt werden, unter anderem eine Renaturierung an der Ammer im nächsten Winter.

Die Umweltschützer kritisierten erneut Schäden durch die Wasserkraft. Vor allem Kleinwasserkraftwerke seien nicht ökologisch. Rund 3500 Kleinstwasserkraftwerke unter 100 Kilowatt Leistung trügen nur zu 0,3 Prozent zur bayerischen Stromgewinnung bei. Jede der Anlagen unterbreche aber den natürlichen Flusslauf.

Unter anderem an Isar und Lech werde Wasser auch für Großkraftwerke entnommen, etwa für das seit fast 100 Jahren bestehende Walchenseekraftwerk. Im Fluss bleibe weniger Wasser, das Ufer verbusche. Mit schwerem Gerät und Lastwagen müssten deshalb Kiesbänke wieder hergestellt werden, damit die dortigen Arten überleben könnten. Es sei keine klimaneutrale Wasserkraft, «wenn wir mit Diesel hinfahren müssen, um die Lebensgrundlage zu erhalten», sagte Harald Jungbold vom Verein Lebensraum Lechtal.

Die Umweltschützer wiederholten die Forderung nach einem besseren Schutz der Natur am Walchenseekraftwerk. Darüber müsse vor dem Auslaufen der Konzession 2030 verhandelt werden. «Wir haben an der oberen Isar eine der bedeutendsten Wildflüsse Deutschlands. Dieser Wildflussabschnitt ist ein Naturjuwel mit mehr als 200 Rote-Liste-Arten», sagte Fabian Unger vom Umweltverband LBV.

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