Brauchen mehr Menschen: Bayern will die Pflege aufwerten

14.03.2021 Pflegerinnen flüchten erschöpft und frustriert aus dem Beruf, der Notstand in den Einrichtungen ist allgegenwärtig. Bayern will den Beruf aufwerten - etwa auch mit Steueranreizen.

Klaus Holetschek (CSU) gibt ein Pressestatement. Foto: Peter Kneffel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat zur Verbesserung der Pflegesituation in Bayern eine ständige Pflegereserve und steuerliche Vergünstigungen für die Bediensteten vorgeschlagen. «Wir müssen mehr Menschen, mehr Köpfe im System haben, ich glaube das ist unabdingbar», sagte Holetschek der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei etwa denkbar, Zuschläge steuerfrei zu stellen. Die Kosten wären dann vom Steuerzahler zu tragen. «Ich möchte, dass wir uns über den Wert der Pflege unterhalten und uns auch gesellschaftlich noch mal versichern, was wir denn wollen», sagte der Minister. Es gebe nur zwei Richtungen: Entweder gehe es hin zu einer Pflegeversicherung oder zu einem Steuerzuschuss. Der Pflegeberuf müsse mehr Kompetenzen übertragen bekommen und zu einem echten Beruf der Gesundheitsvorsorge entwickelt werden. «Fakt ist, dass wir so nicht weitermachen können.»

Die Nachfrage nach Pflegekräften auf dem bayerischen Arbeitsmarkt sei ungebrochen, sagte der Leiter der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart. «Wir sehen, dass der Bedarf an Pflegefachkräften bei weitem nicht gedeckt werden kann», sagte er. Das bedeute langfristig noch deutlich höhere Investitionen.

Derzeit würden 2800 Menschen in Bayern von den Arbeitsagenturen zu Pflegekräften qualifiziert. Die Pflege habe aber in der Corona-Krise auch an Stellenwert gewonnen, die Pflegeschulen hätten einen Zulauf erfahren. Viele junge Menschen wollten etwas Sinnvolles leisten.

Bayern hat bereits einen Pflegepool gegründet, in dem Freiwillige - etwa aus dem Beruf ausgeschiedene Menschen, die früher einmal im Gesundheitswesen tätig waren - sich für spontane Einsätze registrieren können. Das Instrument funktioniere, es sei aber klar, dass es nicht ausreiche, sagte Holetschek. Mehr als 3800 Freiwillige hätten sich bereits gemeldet. «Der Pool ist ein guter Aufschlag, aber im Kern noch nicht die Lösung», sagte er.

Die Hilfe durch Pflegekräfte aus dem Ausland sei ebenfalls eine willkommene Ergänzung, könne aber nicht die tragende Säule sein, sagte Holtzwart. Die Anstrengungen müssten aus dem eigenen Land heraus kommen. «Die Pflege muss für die Menschen attraktiv sein.» Dabei spiele neben der Bezahlung auch die Frage der Arbeitszeiten eine Rolle. So könnten etwa Schichtsysteme verbessert und attraktiver gemacht werden. Außerdem könnten Aufgaben aus der Pflege ausgegliedert werden, etwa Catering.

Einen zunehmenden Trend zur Akademisierung sehen sowohl der Minister als auch der Arbeitsmarktexperte skeptisch. «Ich weiß nicht, ob das dem Menschen im Bett tatsächlich hilft», sagte Holtzwart. Es gehe darum, einen vernünftigen Mix zu finden zwischen der Pflege am Menschen und einem Berufsbild, das auch gewisse Aufstiegschancen beinhalte.

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