MeinAuto verschiebt Börsengang: Ungünstige Marktbedingungen

11.05.2021 Praktisch in letzter Minute bekommen der Online-Autohändler und sein Mehrheitseigner kalte Füße. Das verschobene Börsendebüt begründen sie mit dem Marktumfeld. Ein Berliner Online-Autohändler hat dagegen schon im Februar einen erfolgreichen Start auf dem Parkett hingelegt.

Die Kurve des Deutschen-Aktien-Index (DAX) im Handelssaal der Börse in Frankfurt. Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Online-Neuwagenhändler MeinAuto Group hat seinen für diesen Mittwoch geplanten Börsengang überraschend abgesagt. Die Emission werde verschoben. «Grund dafür sind die derzeit ungünstigen Marktbedingungen für wachstumsstarke Unternehmen», teilte MeinAuto am Dienstag in Oberhaching mit. Die Entscheidung hätten das Unternehmen und der britische Finanzinvestor und Hauptaktionär Hg getroffen. MeinAuto und Hg strebten weiter einen Börsengang an, «sobald sich die Marktbedingungen normalisieren».

Das Unternehmen hatte als ersten Handelstag an der Frankfurter Börse den 12. Mai anvisiert. Geplant war eine Marktkapitalisierung von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. In der Tat haben die Schwankungen bei Technologie-Aktien seit Februar zugenommen. Allerdings halten sich die Verluste in Grenzen: So ist der US-Aktienindex Nasdaq Composite als wichtiges Barometer für Tech-Werte von seinem Höchstkurs lediglich um knapp 6 Prozent gefallen - eher eine kleine Korrektur. Am Dienstag hatten zunehmende Inflationssorgen in den USA Aktien-Anleger an den Börsen abgeschreckt.

Vorstandschef Rudolf Rizzolli sagte am Abend auf Anfrage: «Wir haben sehr positives Feedback der Investoren zu unserer profitablen Wachstumsstory erhalten». Die Bücher seien bereits am ersten Tag der Roadshow - einer Verkaufsveranstaltung für institutionelle Investoren - überzeichnet gewesen. «Allerdings glauben wir, dass wir unter den derzeitigen ungünstigen Marktbedingungen nicht die von uns und unserem Hauptaktionär hg angestrebte, robuste Aftermarket-Performance sicherstellen können.» Es werde weiterhin ein Börsengang angestrebt.

Der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hatte Anfang Februar ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt. Nach Angaben von Marktbeobachtern war die Nachfrage nach Aktien des Berliner Start-ups damals schon in der Zeichnungsphase groß gewesen.

MeinAuto Group hatte die Preisspanne für den geplanten Börsengang auf 16 bis 20 Euro je Aktie festgelegt und wollte mit den neu ausgegebenen Inhaber-Stammaktien am unteren Ende der Preisspanne einen Bruttoerlös von 150 Millionen Euro erzielen.

Die MeinAuto Group mit rund 380 Mitarbeitern ist nach eigenen Angaben die führende Online-Plattform für den digitalen Vertrieb von Neuwagen in Deutschland. Hg ist den Angaben zufolge ein «führender Investor in Software- und Dienstleistungsunternehmen» und verwalte derzeit über 30 Milliarden US-Dollar Kapital. Das Portfolio umfasse mehr als 35 Software- und Technologieunternehmen weltweit.

Ende März hatte die MeinAuto Group darauf verwiesen, dass Deutschland der mit Abstand größte Neuwagenmarkt in Europa sei mit einem Gesamtvolumen von etwa 70 Milliarden Euro. Der Online-Anteil liege bisher bei 2 Prozent, erwartet werde eine Steigerung auf mindestens 15 Prozent bis 2025. MeinAuto Group habe 2020 mehr als 39 000 Neuwagen-Bestellungen abgewickelt. Der bereinigte Umsatz sei im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 212 Millionen Euro gestiegen, das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) um 25 Prozent auf 38 Millionen Euro. Zum Ergebnis unterm Strich wurden keine Angaben gemacht.

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