Frühjahrsbelebung: Arbeitslosenzahlen in Bayern gesunken

01.06.2021 Die Tendenz ist eindeutig: Corona-Inzidenzen und Arbeitslosigkeit sinken quasi im Gleichschritt. Vom Niveau vor der Pandemie sind die Arbeitslosenzahlen aber noch weit entfernt.

Ein Schild weist den Weg zur Agentur für Arbeit. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist erneut gesunken. Insgesamt waren im Mai 268 884 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das waren 13 298 weniger als im April. Die Arbeitslosenquote ging leicht auf 3,6 zurück. «Dies zeigt, dass sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Bayern von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nach und nach erholen», sagte Arbeitsministerin Carolina Trautner. Kritik gab es trotzdem.

Die Regionaldirektion führt den Rückgang etwa auf beschlossene Lockerungen in der Pandemie sowie die Impfungen zurück. Auch im Vergleich zum Mai 2020 ging die Arbeitslosigkeit zurück: um 21 696. Dabei müsse man jedoch beachten, dass die Arbeitslosigkeit im Vorjahreszeitraum stark vom Pandemiebeginn geprägt gewesen sei, sagte der Direktionschef Ralf Holtzwart. Verglichen mit früheren Jahren liege die Arbeitslosigkeit krisenbedingt noch immer weit höher: im Mai 2019 waren 201 226 Menschen und damit 67 658 Personen weniger als im Mai 2021 arbeitslos.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in Bayern gab es in Eichstätt mit 1,9 Prozent. Die höchste wiesen die Städte Nürnberg und Hof mit 6,3 Prozent auf.

Ein Zeichen des Trends ist die weiter steigende Nachfrage nach Arbeitskräften - zum vierten Mal in Folge wurden mehr Stellen gemeldet als im Vormonat. Der Bestand liege bei rund 110 000 offenen Stellen. «Damit nähert sich der Arbeitskräftebedarf allmählich wieder an das Vorkrisenniveau an», sagte Holtzwart.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte, diese Aufbruchsstimmung mit einem Drei-Punkte-Programm zu unterstützen. Erstens müssten geltende Auflagen und Einschränkungen zügig gelockert werden, zweitens brauche es steuerliche Entlastungen für die Wirtschaft. «Und drittens brauchen wir eine Verlängerung der Hilfsprogramme.»

Der DGB Bayern und der Wirtschaftsverband vbw zeigten sich erfreut und äußerten dennoch Kritik. Es brauche mehr Flexibilität im Arbeitsrecht und eine Entlastung von Kosten und Bürokratie, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. «Leider befasst sich die Bundesregierung stattdessen auf ihren letzten Metern mit Projekten, die das Gegenteil bewirken», sagte er im Hinblick auf das zuletzt beschlossene Lieferkettengesetz. Damit müssen Unternehmen bald genauer hinschauen, wie sauber ihre internationalen Zulieferer arbeiten.

Die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Verena Di Pasquale, forderte, den Fokus stärker auf existenzsichernde Löhne zu richten. «Nach wie vor haben zu viele Menschen im Freistaat einen Lohn, der kaum zum Leben reicht».

Arbeitsministerin Trautner sagte, trotz spürbarer Belebung zeichne sich ab, dass etwa die Gastronomie- oder Tourismusbranche sowie der Einzelhandel weiter belastet seien. «Ich begrüße deshalb, dass die Corona-Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld nochmals bis Ende September 2021 verlängert werden sollen.» Das verschaffe den Betrieben Planungssicherheit.

Von der Corona-Krise ebenfalls betroffen ist der Ausbildungsmarkt. Von Oktober 2020 bis Mai 2021 gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen sowie die Zahl der Bewerber zurück.

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