Vorläufer des Alpen-Nationalparks wird 100 Jahre alt

11.06.2021 Vor 100 Jahren entstand der Vorläufer des Nationalparks Berchtesgaden. Der Gründungsvater des frühen Naturschutzgebietes hatte dabei auch die nachfolgenden Generationen im Blick. An dieser Idee hat sich nichts geändert.

Königssee in Berchtesgaden. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nationalparke gelten weltweit als Aushängeschilder des Umweltschutzes. In Bayern entstand 1970 im Bayerischen Wald der erste Nationalpark Deutschlands, acht Jahre später kam dann mit dem Nationalpark Berchtesgaden der zweite im Freistaat dazu. Doch im Grunde hat Deutschlands einziger Alpen-Nationalpark mittlerweile eine mehr als 100-jährige Geschichte.

Denn der Vorläufer des Schutzgebietes wurde bereits 1921 ausgewiesen. Dieses «Naturschutzgebiet Königssee» umfasste bereits weitgehend die Grenzen des späteren Nationalparks - ein Gebiet von mehr als 20.000 Hektar Fläche. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) bezeichnete die oberbayerische Region deswegen am Freitag aus Anlass einer Festveranstaltung als «Vorreiter des Naturschutzes in Deutschland».

Das damalige Schutzgebiet war ein früher Triumph des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), der erst wenige Jahre zuvor gegründet wurde. Der Verband hatte die Ausweisung des Gebietes damals verlangt, die Behörden setzten die Forderungen um. Der Nationalpark sei damit Ergebnis einer über hundertjährigen erfolgreichen Arbeit des verbandsmäßigen Naturschutzes sowie auch des amtlichen Naturschutzes, betonten der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner und Nationalparkchef Roland Baier gemeinsam.

Wenige Jahre vor der Gründung des Naturschutzgebietes hatte der BN bereits seinen ersten großen Erfolg als Umweltverband am Königssee verbucht. Im Jahr 1916 - mitten im Ersten Weltkrieg - entstand die Idee, in die Felswand an dem See einen monumentalen assyrischen Löwen als Kriegsdenkmal einzumeißeln. Der BN-Gründungsvorsitzende Carl Freiherr von Tubeuf konnte den Plan verhindern.

Zudem beantragte der Forstwissenschaftler das Naturschutzgebiet rund um den oberbayerischen See. Der BN-Chef betonte damals, dass insbesondere an die künftigen Generationen gedacht werden müsse: «Dieses einzigartige Gebiet soll vor dem Menschen geschützt werden für den Menschen, nicht nur den heutigen, sondern auch den künftigen, es soll erhalten bleiben in seiner Ursprünglichkeit und Kraft, in seiner Unberührtheit und majestätischen Schönheit auch für spätere Geschlechter», schrieb er in einer Denkschrift vor 100 Jahren.

Umweltminister Glauber betont auch ein Jahrhundert später, dass es um «Naturschutz über mehrere Generationen» gehe. Tourismus und Naturschutz müssten dabei Hand in Hand gehen. «Dafür entwickeln wir Konzepte zur Besucherlenkung für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur.»

Allerdings hatte sogar der nun 100 Jahre alte Nationalpark-Vorläufer bereits einen Vorläufer. Denn schon im Jahr 1910 wurde am Königssee der «Pflanzenschonbezirk Berchtesgadener Alpen» eingerichtet. Dieser sei mit rund 83 Quadratkilometern Fläche das erste größere Pflanzenreservat im Alpenraum gewesen, erklärt der Nationalpark die Bedeutung.

Hintergrund waren damals Pflanzensammler und ein schwunghafter Handel mit den seltenen Blumen aus den Bergen. In einer Dokumentation der Freunde des Nationalparks heißt es, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Forstämter der Region dafür ausgesprochen hätten, «in Anbetracht des Rückgangs der dortigen Alpenflora, nämlich des Edelweiß, der Alpenrose und des Alpenveilchens», dringend solche Schonbezirke einzurichten.

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