Haschisch über Gefängnismauer geworfen, Handys beschlagnahmt

29.01.2021 Auch in den Berliner Haftanstalten hat Corona vieles verändert. Besuche von draußen wurden stark eingeschränkt, Quarantänestationen eingerichtet. Es gibt viele Kontrollen und weniger Gefangene. Wie wirkt sich das aus?

Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen), Justizsenator in Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Corona-Jahr 2020 sind in den Gefängnissen der Hauptstadt knapp 8,5 Kilogramm illegale Drogen beschlagnahmt worden. Das waren rund 3,7 Kilogramm mehr als 2019, wie aus einer Bilanz der Berliner Justizverwaltung hervorgeht. Da Besuche bei Gefangenen wegen der Pandemie stark eingeschränkt wurden, sei eine «beachtliche Menge» illegaler Substanzen von draußen über Gefängnismauern geworfen worden, sagte am Freitag Susanne Gerlach, Abteilungsleiterin Strafvollzug. Allein im Gefängnis Tegel hatten demnach Bedienstete 295 Gramm Haschisch nach einem «Überwurf» sichergestellt.

Der größte Teil der eingezogenen Drogen waren mit knapp 6,8 Kilogramm Cannabisprodukte. 2019 lag die gefundene Menge hier noch bei rund 3,9 Kilogramm. Auch rund 28 Gramm Heroin wurden 2020 sichergestellt. (2019: knapp 19 Gramm). Den stärksten Anstieg gab es bei Tilidin-Funden. Waren es 2019 noch 65 Gramm des Opioids, stieg die Menge 2020 auf rund 435 Gramm.

Bei den Kontrollen halfen Drogenspürhunde von Zoll und Polizei. Die Tiere waren 42 Mal im Einsatz. Das Meiste entdeckten aber die Mitarbeiter, so Gerlach.

Auch 1076 Handys, die Gefangene privat nicht haben dürfen, wurden eingezogen. Das waren 100 Geräte mehr als 2019. Am häufigsten wurden Handys 2020 in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee konfisziert, es waren demnach 340.

Nach Einschätzung von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) meistern viele «tolle Mitarbeiter» im Strafvollzug die Pandemie bestens. Videotelefonate für Inhaftierte mit ihren Familien wurden ermöglicht, Quarantänestationen eingerichtet. Rund 4800 Gefangene wurden auf das Virus getestet. 77 Infizierte wurden erkannt und isoliert. Derzeit sitzen in Berlin 3284 Menschen hinter Gittern.

Aktuell werden laut Behrendt 260 Menschen für den Vollzugsdienst ausgebildet. Es gebe so viele Bewerber wie seit zehn Jahren nicht mehr. Aus Sicht des Grünen-Politikers hängt das mit Corona zusammen.

Das Projekt, Gefangene mit Laptops auszustatten, um sie besser auf die digitalisierte Welt nach der Haft vorzubereiten, werde ausgeweitet, so der Senator. Derzeit werde dazu eine internationale Ausschreibung vorbereitet. Ziel seien Laptops in jeder Haftanstalt. Bislang wurden diese nur in der Anstalt Heidering getestet.

Wegen der Pandemie wurden im Vorjahr knapp 2700 Menschen mit geringen Ersatzfreiheitsstrafen begnadigt. Davon profitierten Verurteilte, die etwa wegen Schwarzfahrens oder Ladendiebstahls ihre Geldstrafe nicht zahlen konnten und deshalb für kurze Zeit ins Gefängnis sollten. Anliegen war, das Einschleppen des Virus zu verhindern.

Derzeit wird laut Abteilungsleiterin Gerlach das Impfen von vier Gefangenen organisiert, die älter als 80 Jahre sind. Es sei noch unklar, ob sie in Impfzentren «ausgeführt» werden.

Gerlach und Behrendt berichteten, dass inhaftierte Frauen wegen einer möglichen Ansteckung seit Monaten ihre Kinder bei Besuchen nicht mehr in den Arm nehmen durften. In der Weihnachtszeit sei es ein Gebot der Menschlichkeit gewesen, Begegnungen zu ermöglichen, sagte der Justizsenator. Danach seien die inhaftierten Mütter getestet worden.

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