Bau der Potsdamer Synagoge kann beginnen

18.02.2021 Ein Streit unter jüdischen Gemeinden verhindert seit vielen Jahren den Bau einer Synagoge in Potsdam. Nun soll es noch in diesem Jahr losgehen. Das Gebäude ist als Heimstatt für alle Juden gedacht.

Manja Schüle (SPD), Wissenschaftsministerin, spricht. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach Jahren des Streits und der Ungewissheit kann mit dem Bau einer Synagoge in Potsdam begonnen werden. Das Land werde mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) das Synagogen- und Gemeindezentrum auf dem Gelände der Schloßstraße errichten, kündigte Kulturministerin Manja Schüle (SPD) am Donnerstag an. Mehr als 75 Jahre nach der Shoa und rund 30 Jahre nach der Wiedergründung der ersten jüdischen Gemeinde in Brandenburg hätten Juden Anspruch auf eine sichere Heimstatt und auf ein religiöses und kulturelles Zentrum.

Eine Synagoge und ein Gemeindezentrum seien ein langgehegter Wunsch der jüdischen Community in Potsdam, unterstrich Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Potsdam sei bislang die einzige Landeshauptstadt ohne klassischen Synagogenbau. Baubeginn soll den Angaben zufolge in diesem Jahr sein, die Eröffnung ist für 2024 geplant. Das Land finanziert das Projekt mit rund 13,7 Millionen Euro.

Bislang konnten sich der Landesverband West der jüdischen Kultusgemeinden und der Landesverband der jüdischen Gemeinden Brandenburg nicht über Bau und Betrieb des religiösen Zentrums einigen. Aus diesem Grunde sei die ZWST, eine Dachorganisation der Wohlfahrtspflege für rund 100 jüdische Gemeinden, gebeten worden, das Projekt gemeinsam zu realisieren, erläuterte Schüle.

Durch das Bündeln der Aktivitäten innerhalb eines Zentrums sollten neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet werden, sagte Abraham Lehrer, Vorstandsvorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle. Allen jüdischen Gemeinden in Potsdam werde angeboten, sich konstruktiv und aktiv an der Nutzung zu beteiligen. Nach Fertigstellung sollen Synagoge und Gemeindezentrum über eine Stiftung durch das ZWST betreut und nach drei Jahren an den Landesverband übergeben werden.

Die jüdische Gemeinde zu Potsdam und die Gemeinde Adass Israel Potsdam zeigten sich erleichtert, dass es dem Land gelungen sei, eine Lösung zu finden, mit der der Bau der Synagoge in Potsdam nun endlich möglich werde. «Die Synagoge ist eine zentrale Voraussetzung, damit sich jüdisches Leben und jüdische Religion in Potsdam entfalten kann», hieß es in einer Mitteilung. «Meine Hoffnung ist: Es soll ein Zentrum im Sinn der Einheitsgemeinde werden, das den Interessen aller Strömungen des Judentums in Potsdam dient», betonte der Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Rabbiner Walter Homolka.

Mit der Einbindung des Zentralrats und der ZWST seien wichtige Vertragspartner für den Synagogenbau gewonnen worden, lobte der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Andreas Büttner. Er halte diesen Schritt für sehr bedeutend, aber auch längst überfällig, sagte Johannes Funke, kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Auch die Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Grüne, Petra Budke, begrüßte das Projekt. Mit der ZWST sei ein neutraler jüdischer Vermittler von außen gefunden worden, konstatierte André Schaller, religionspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Nach dem Entwurf des Architekten Jost Haberland ist im Erdgeschoss des geplanten Baus ein Café für die Öffentlichkeit vorgesehen. Das religiöse Zentrum liegt im ersten Geschoss mit einem Synagogenraum, der rund neun Meter hoch sein wird.

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