Vom Labor auf den Markt: Start von Wasserstoff-Denkfabrik

02.03.2021 Mit dem Kohleausstieg will Brandenburg in Zukunftstechnologien einsteigen. Das Land ist bei der Erzeugung erneuerbarer Energien Vorreiter in Deutschland. Und die könnten für die Produktion von klimafreundlichen Stoffen genutzt werden.

Auf einem Wasserstoffspeicher ist die Aufschrift «Wasserstoff» zu lesen. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Um die Energiewende voranzutreiben und die Industrie frei von Kohlendioxid-Ausstoß zu machen, soll in Brandenburg der Fokus künftig auf grünem Wasserstoff liegen. Dazu startete am Dienstag in Cottbus die Denkfabrik PtX Lab Lausitz. Das neue Kompetenzzentrum soll internationaler Anlaufpunkt für grünen Wasserstoff und dessen Folgeprodukte werden. Dort soll Expertenwissen aus Forschung, Technik und Unternehmen gebündelt werden, um die PtX- Technologie in der Industrie zu etablieren.

PtX steht für Power-to-X, die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien, um synthetische Treib- und Kraftstoffe herzustellen. Dazu wird per Elektrolyse zunächst aus Wasser Wasserstoff gewonnen. Der Wasserstoff wird dann mit Kohlendioxid (CO2) zusammengeführt. In weiteren Schritten entstehen Kraftstoffe wie etwa Benzin oder Kerosin, aber auch Grundstoffe für die chemische Industrie.

«Wir wollen, dass die PtX-Technologie ihren Weg aus dem Labor in den Markt findet», sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Start. «Für dieses große industriepolitische Vorhaben soll die Denkfabrik die allererste Anlaufstelle in Deutschland werden.» Bis 2030 soll im Luftverkehr nach Aussage von Schulze mindestens zwei Prozent an klimafreundlichem Kerosin eingesetzt werden.

Für das PtX Lab Lausitz und eine Demonstrationsanlage stehen der Ministerin zufolge bis 2024 bis zu 180 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz zur Verfügung. Nach Aussage des Leiters der neuen Denkbarik, Harry Lehmann, sind in diesem Jahr 30 Arbeitsplätze vorgesehen, im kommenden Jahr solle die Zahl der Mitarbeiter dann 60 betragen mit der Option «nach oben offen». Know-how-Austausch und gemeinsame Projekte in Gang bringen nannte Lehmann als Aufgaben.

Große Unternehmen wie BASF am Standort Schwarzheide und der Triebwerkshersteller Rolls-Royce, aber auch die Firma Sunfire aus Dresden wollen mit der Denkfabrik zusammenarbeiten, wie Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte. Schulze, Steinbach und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatten in einem ersten Fachdialog mit Führungskräften aus Forschung und Unternehmen zu Kooperationen für die Entwicklung von Power-to-X gesprochen.

Die PtX-Technologie ermöglicht es auch, die Energie aus nicht sofort genutztem Ökostrom in Form von Wasserstoff zu speichern und bei Bedarf wieder in elektrischen Strom umzuwandeln.

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