Kriminalitätsstatistik: Mischung aus Licht und Schatten

08.03.2021 Weniger Straftaten in Brandenburg - die Beschränkungen in der Corona-Pandemie hatten im vergangenen Jahr durchaus positive Effekte. Die aktuelle Kriminalstatistik birgt aber auch Erschreckendes.

Ein als Silhouette abgebildeter Mann droht einer Frau mit der Faust. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Brandenburg hat sich die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr auch auf die Kriminalstatistik ausgewirkt: Die Zahl der Straftaten erreichte einen historischen Tiefststand - allerdings nahm die häusliche Gewalt stark zu. Die Auswertung stellten Innenminister Michael Stübgen (CDU) und Polizeipräsident Oliver Stepien am Montag in Potsdam vor. «Die Kriminalitätsbilanz für das vergangene Jahr ist eine Mischung aus Licht und Schatten», fasste Stepien die Ergebnisse zusammen.

Demnach stieg 2020 die Zahl der Straftaten im Bereich häusliche Gewalt um 19,8 Prozent auf 5235 Fälle; im Vorjahr waren es 4371. Davon wurden 3087 Fälle zur Kategorie «einfache» Körperverletzung gerechnet - ein Anstieg von 24,7 Prozent im Vergleich zu 2019. Im Bereich schwere Körperverletzung kam es gegenüber 2019 zu einem Anstieg von 29,8 Prozent. Unter denen, die Opfer von männlicher Gewalt wurden, waren laut Statistik 307 Kinder, 221 Jugendliche und 231 Heranwachsende. Unter den Opfern, die Gewalt von Frauen erfuhren, waren 146 Kinder, 65 Jugendliche und 52 Heranwachsende.

Stübgen sprach von einer «beängstigenden» Zunahme und einer nicht hinnehmbaren Entwicklung. Unter häusliche Gewalt fallen laut Definition der Polizei alle Formen physischer, psychischer und sexueller Gewalt, die gegenüber Personen stattfindet, die in enger Beziehung zum Täter stehen.

«Dass Menschen häufiger zu Hause blieben, sich Existenzängste breit machten und der Zugang zu Hilfsangeboten erschwert war, sind erste Erklärungsansätze», sagte der Innenminister. Er kündigte mit Blick auf die hohe Dunkelziffer in diesem Bereich an, dass die Möglichkeit einer «phänomenbezogenen Dunkelfeldstudie» geprüft werde. Nur wer viel über das Dunkelfeld wisse, könne es aufhellen. Zusätzlich gelte bei häuslicher Gewalt: «Wer schlägt, der geht». Die Polizei könne per Gesetz einen Täter zehn Tage der Wohnung verweisen. Opferschutz stehe in Brandenburg an erster Stelle.

Erfreulich ist laut Stübgen der Rückgang der Kriminalität in Brandenburg insgesamt und die höhere Aufklärungsquote durch die Polizei. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 162 941 Straftaten registriert - ein Rückgang um 8887 Straftaten (5,2 Prozent) im Vergleich zu 2019. So wenige Straftaten seien seit Bestehen des Landes nicht begangen worden. Damit bewege sich Brandenburg im Vergleich mit anderen Bundesländern im «guten» Mittelfeld. Die Aufklärungsquote betrug 56,4 Prozent, was einem leichten Anstieg um 0,1 Prozent im Vergleich zu 2019 entspricht - die höchste Quote seit 2008.

Die Zahl der Diebstähle sank auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Auch die erfassten Fälle von Gewaltkriminalität gingen laut Daten-Auswertung im Vergleich zu 2019 um 6,7 Prozent zurück. In diesen Bereich fallen unter anderem gefährliche und schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Insgesamt wurden 2020 in zehn Fällen Mordermittlungen durch die Polizei abgeschlossen; im Jahr davor waren es 18 Fälle. Die Anzahl der Straftaten unter Beteiligung von Zuwanderern sank ebenfalls leicht um 0,8 Prozent auf 11 474 Fälle im Vergleich zum Jahr 2019.

Die Zahl der Gewalttaten gegen Polizistinnen und Polizisten bleibt dagegen nach Angaben des Innenministeriums weiter auf hohem Niveau. Zwar gab es 2020 einen Rückgang um 98 Fälle gegenüber 2019. Trotzdem wurden insgesamt 1158 Übergriffe verzeichnet. Meist handelte sich laut Statistik um Widerstand gegen Polizeibedienstete. Bei der Hälfte der Fälle standen die Tatverdächtigen unter dem Einfluss von Alkohol.

«Gewalt gegen Polizeibedienstete ist nicht tolerierbar und muss mit der vollen Härte des Rechtsstaats begegnet werden», unterstrich Stübgen. Deshalb setze er sich hier wie seine Kollegen von CDU und CSU für eine Verschärfung des Strafmaßes ein.

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