Ministerium: Impfen mit Astrazeneca vorerst gestoppt

15.03.2021 Eigentlich wollte Brandenburg nach dem schlechten Start beim Impfen aufholen. Impfzentren wurden hochfahren, erste Arztpraxen eingebunden. Nun wird das Land zunächst wieder ausgebremst.

Auf einem Tisch stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca. Foto: Nicolas Armer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Brandenburg kann seine Impfstrategie zunächst nicht wie geplant umsetzen - das Land stoppt vorerst die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Das teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit. Es reagiert damit auf eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts. In den elf Impfzentren im Land waren demnach in dieser Woche insgesamt rund 22 500 Impftermine mit Astrazeneca gebucht. Betroffene Personen, die bei der Terminbuchung eine E-Mail-Adresse hinterlegt haben, werden per E-Mail über die Terminabsage informiert. Gebuchte Termine mit den Impfstoffen von Biontech seien davon nicht betroffen. Somit geht auch das neue Impfzentrum in Perleberg (Prignitz) an diesem Dienstag in Betrieb, da dort zunächst nur der Impfstoff von Biontech verwendet wird.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte mitgeteilt, auch Deutschland setze Corona-Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns vorsorglich aus. Es verwies auf eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts zu notwendigen weiteren Untersuchungen.

Eine Reihe anderer Länder hatte bereits zuvor Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt. Am Wochenende waren sechs Fälle möglicher Nebenwirkungen in Dänemark und Norwegen bekannt geworden.

Das Brandenburger Gesundheitsministerium hatte zuvor betont, dass trotz Lieferengpässen des Herstellers Astrazeneca alle für diese und nächste Woche vereinbarten Impftermine gesichert seien. Nun wird das weitere Vorgehen nach der Entscheidung über den Stopp des Impfstoffs beraten. Mit Stand 15. März wurden in Brandenburg 269 100 Impfdosen des Herstellers Biontech, 21 600 von Moderna und 103 200 von Astrazeneca verwendet.

Die Zahl der verabreichten Corona-Schutzimpfungen liegt derzeit nach Ministeriumsangaben bei insgesamt 261 971. Davon erhielten 181 451 Menschen eine erste Impfung, 80 520 wurden bereits das zweite Mal geimpft.

Unterdessen steigt der zur Einschätzung der Corona-Pandemie wichtige Inzidenzwert in Brandenburg weiter: Binnen einer Woche wurden je
100 000 Einwohner 80,9 Infizierte registriert. «Im Moment gibt es keinen Spielraum für weitere Lockerungen», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montag. Das Land nähere sich dem kritischen Wert von 100.

Das Brandenburger Kabinett kommt angesichts einer steigenden Sieben-Tage-Inzidenz voraussichtlich noch diese Woche zu einer Sondersitzung zusammen. Die Landesregierung müsse nun beraten, ob Lockerungen möglicherweise zurückgenommen werden müssen. «Das wird gemeinsam diskutiert», so Nonnemacher.

Es gehe um geöffnete Baumärkte und Floristikgeschäfte sowie die Kontaktbeschränkungen. Sie sehe die Entwicklung derzeit mit Sorge, sagte die Ministerin unter Hinweis auf steigende Infektionszahlen.

Die Bundesregierung hat unterdessen eindringlich die Länder zur Einhaltung der beschlossenen Notbremse aufgerufen. «Wir müssen den Beschluss vom 3. März umsetzen, nicht nur in seinen erfreulichen Passagen, sondern eben auch in seinen schwierigen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Bund und Länder hatten beschlossen, dass die Lockdown-Regeln wieder in Kraft treten, wenn die Inzidenz in einem Bundesland oder einer Region an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt, es also mehr Infektionen als 100 pro 100 000 Einwohnern und sieben Tagen gibt. «Dieser Beschluss ist umzusetzen», betonte Seibert.

Corona-Schwerpunkt im Land ist weiter der südliche Landkreis Elbe-Elster mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 176,8, gefolgt vom Nachbar-Kreis Oberspreewald-Lausitz (164,6). Die Landräte beider Kreise hatten am Freitag erklärt, dass sie trotz Werten über 100 keine schärferen Corona-Regeln planen. Die Staatskanzlei hatte am Wochenende auf Anfrage mitgeteilt, dass die Kreise und kreisfreien Städte aufgefordert seien, bei Überschreitung der 100er-Grenze geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dies könnten etwa verschärfte Kontrollen und die Verhängung von Bußgeldern sein.

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