Kalayci dringt auf schnellen Re-Start bei Astrazeneca

17.03.2021 Der Impfstopp für das Astrazeneca-Vakzin wirft die Planungen für die Corona-Impfkampagne über den Haufen - gleichzeitig steigen die Infektionszahlen wieder. Berlins Gesundheitssenatorin macht nun Druck.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci spricht im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Jörg Carstensen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci dringt auf eine rasche Wiederaufnahme der aus Sicherheitsgründen vorsorglich gestoppten Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca. «Wir sehen es als Verschwendung an, dass Impfstoff, der da ist, nicht verimpft werden kann», sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch. «Diesen Luxus können wir uns nicht leisten. Das ist eine vertane Chance.»

Sie hoffe deshalb sehr, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff nach der laufenden Prüfung weiterhin empfehle und der Bund den Impfstopp danach rasch aufhebe. Nötig sei auch eine klare Kommunikation von EMA und Bund, um womöglich verlorengegangenes Vertrauen in das Vakzin wieder herzustellen.

In Deutschland waren die Impfungen mit Astrazeneca am Montag vorsorglich ausgesetzt worden. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden bis Dienstagabend bundesweit acht Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Die Zahl der Fälle ist statistisch höher als in der Bevölkerung ohne Impfung.

Von der EMA wird am Donnerstag eine Empfehlung zur Sicherheit des Impfstoffs erwartet. Derzeit wird untersucht, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose besteht.

«Ich habe großes Zutrauen, was Astrazeneca angeht», sagte Kalayci. Es sei richtig und wichtig, Daten zu möglichen Komplikationen im Zusammenhang mit den Impfungen auszuwerten. Die Menschen, die mit dem Stoff geimpft worden seien, hätten indes einen hohen Impfschutz. Das Risiko schwerer Krankheitsverläufe werde deutlich verringert.

Sollte die EMA grünes Licht geben, könnten in Berlin die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca am Freitag wieder aufgenommen werden, sagte Kalayci. 6000 Impfungen mit dem Vakzin seien wegen des Impfstopps verschoben worden.

Um die Impfkampagne stärker voranzutreiben, forderte Kalayci, dass auch in Hausarztpraxen zügig geimpft werden könne. Zudem sei mehr Impfstoff nötig. Für Mai sei nach wie vor nicht klar, wieviel Impfstoff zu erwarten sei, kritisierte sie den Bund.

In Berlin wie auch bundesweit war die Zahl der Corona-Ansteckungen zuletzt gestiegen. Am Dienstag verzeichnete die Hauptstadt laut Gesundheitsverwaltung 91,3 Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, nach 75,1 am Montag. Vor einer Woche hatte diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 59,6 gelegen.

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