Brandenburg stoppt Astrazeneca-Impfung für unter 60-Jährige

31.03.2021 In Brandenburg werden Astrazeneca-Impfungen für Menschen unter 60 Jahren vorerst ausgesetzt. Am Mittwoch soll über die weitere Impfstrategie beraten werden. Die Termine dieser Woche stehen jedoch, versichert der Innenminister.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca stehen auf einem Tisch. Foto: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Impftermine in dieser Woche sind nach Angaben des Innenministeriums trotz der neuen Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Vakzin von Astrazeneca gesichert. Für alle unter 60-Jährigen mit Termin für eine Erstimpfung mit Astrazeneca werde kurzfristig der Impfstoff von Biontech als Ersatz zur Verfügung gestellt, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) der Deutschen Presse-Agentur am Abend. Lösungen für vereinbarte Termine in der kommenden Woche würden morgen geklärt. Es gelte weiterhin, dass kein Wahlrecht beim Impfstoff besteht.

Brandenburg hatte die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren am Dienstag vorerst ausgesetzt. Am Abend beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern dann, dass das Präparat ab diesem Mittwoch in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden solle. Unter 60-Jährige sollen sich «nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung» weiterhin damit impfen lassen können. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen. Erst Mitte März waren Astrazeneca-Impfungen nach einer mehrtägigen Impfpause und neuen Überprüfungen wieder angelaufen.

Stübgen hatte sich zuvor bereits für einheitliche Entscheidungen zum Umgang mit dem Impfstoff ausgesprochen. «Ziel ist, dass wir einen einheitlichen klaren Umgang, auch Bewertung der möglichen Risiken von Astrazeneca dann haben und auch wissen, wie wir ab Mittwoch mit den Impfungen weiter fortfahren können», sagte er.

Brandenburg will beim Impfen gegen das Coronavirus trotzdem weiter aufs Tempo drücken. Bei Erstimpfungen liegt das Land im bundesweiten Vergleich im vorderen Mittelfeld, bei den Zweitimpfungen dagegen weiter hinten. «Wir wären in der Lage gewesen, in der nächsten Woche ungefähr 120 000 Impfungen durchzuführen», betonte Stübgen. Knapp die Hälfte davon wären allerdings Astrazeneca-Impfungen gewesen, vor allem in Impfzentren und Krankenhäusern werde damit geimpft. Mobile Impfteams, die auch über 80-Jährige aufsuchten, seien nicht betroffen, sie verwendeten andere Impfstoffe. Auch bis zu 1500 niedergelassene Ärzte, die in einem landesweiten Modellprojekt Impfungen durchführen, sollten in der kommenden Woche Astrazeneca-Impfdosen erhalten.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung mit Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren, wie die Expertengruppe am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben.

In Deutschland sind bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekannt, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Dienstag berichtete. Bis Montagmittag (29.3.) waren dem Institut 31 Fälle gemeldet worden, in 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie angezeigt. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete.

Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen laut PEI alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren 36 und 57 Jahre alt. Laut dem Impfquoten-Monitoring des Robert-Koch-Instituts wurden bis einschließlich Montag 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen von Astrazeneca gespritzt.

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