Rund 850 Arztpraxen impfen im Regelbetrieb: Impfstoff knapp

07.04.2021 Insbesondere im Flächenland Brandenburg können Corona-Impfungen in Arztpraxen den Schutz der Bürger deutlich beschleunigen - denn in vielen Regionen ist der Weg zum nächsten Impfzentrum weit. Doch der begehrte Stoff ist noch knapp.

Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Gesundheit, spricht. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In rund 850 Brandenburger Arztpraxen haben die Impfungen gegen das Coronavirus im Regelbetrieb begonnen. «Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen den Corona-Impfstoff möglichst leicht zugänglich zu machen», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch zum Start der Kampagne. Neben den Impfzentren, den mobilen Teams und den kommunalen Impfstellen gebe es nun mit den Arztpraxen eine weitere wichtige Säule für das Impfen. «Nicht nur die kurzen Wege sind für eine hohe Impfbereitschaft von großem Vorteil», betonte Nonnemacher. «Die Ärztinnen und Ärzte kennen ihre Patientinnen und Patienten auch am besten.»

Nach Angaben des Ministeriums erhalten die Praxen in dieser Woche aus Beständen des Bundes allerdings nur maximal 36 Impfdosen. Bereits seit Anfang März können 217 Praxen zudem im Rahmen eines Modellprojekts Impfstoff über das Land beziehen.

Voraussichtlich bis Ende April oder Anfang Mai sei die an die Praxen gelieferte Menge Impfstoff noch zu gering, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, der Deutschen Presse-Agentur. Daher würden die meisten Praxen derzeit die Patienten entsprechend der festgelegten Reihenfolge aus der Kartei heraussuchen und auf eine Impfung ansprechen.

«Wenn dann ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, werden sich sicher mehr als die 2200 Praxen im Land beteiligen, die nach unseren Unterlagen bislang regelmäßig impfen», meinte Noack. Dann könnten auch Patienten bei ihren Ärzten nach Impfungen fragen. So habe er von Orthopäden und anderen Fachärzten, die sonst nicht impften, gehört, dass sie sich beteiligen wollten. Als Beispiel nannte Noack auch seine eigene chirurgische Praxis. «Ich habe dort bislang nur Tetanusimpfungen aufgefrischt», sagt der KVBB-Chef. «Die Corona-Impfungen werde ich aber auch anbieten.»

Noack forderte als Konsequenz, die Impfzentren herunterzufahren, sobald genügend Impfstoff für die Ärzte zur Verfügung stehe. «Wenn das Impfen in den Praxen in der Breite funktioniert, wird sich diese Frage für den teuren Betrieb der Impfzentren stellen», meinte er.

Der Chef des Brandenburger Hartmannbundes, Hanjo Pohle, forderte am Mittwoch ein sofortiges Herunterfahren der Impfzentren zu Gunsten der Praxen. «Dass Impfungen in den Arztpraxen der schnellste Weg zur Immunisierung der Bevölkerung sind, hatten wir bereits mehrfach dargelegt», sagte Pohle. Darum sei es unverständlich, dass Praxen derzeit mit durchschnittlich 26 Impfdosen pro Woche abgespeist würden, obwohl sie mindestens 100 Impfungen durchführen könnten. «Daher appelliere ich eindringlich an die Landesregierung in Potsdam, das sofortige Auslaufen sämtlicher Impfzentren in die Wege zu leiten, die für die Praxen vorgesehenen Impfstoffmengen unverzüglich zu erhöhen und letzteren auch die Wahl des Vakzins freizustellen.»

Denn die Diskussionen um Nebenwirkungen des Impfstoffs von Astrazeneca hätten zu einer großen Verunsicherung bei der dafür vorgesehenen Patientengruppe über 60 Jahren geführt, betonte Pohle. «In der Konsequenz sind langwierige Gespräche mit den Patientinnen und Patienten zu erwarten, was nicht ohne Folge für das Impftempo bleiben würde», befürchtete er. «Die Vertragsärzte werden hier mit einem Problem konfrontiert, das sie nicht zu verantworten haben.»

Nach Angaben des Innenministeriums soll Brandenburg im April rund 67 000 Impfstoffdosen pro Woche erhalten, davon rund 50 000 von Biontech/Pfizer. Die restlichen Mengen verteilen sich auf Moderna und Astrazeneca. Arztpraxen sollen nach Angaben des Ministeriums in den April-Wochen 29 000, 36 000, 30 000 und 95 000 Impfstoffdosen erhalten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben 357 347 Menschen im Land eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten, 112 420 wurden bereits zum zweiten Mal geimpft. Insgesamt wurden nach Angaben des Impflogistik-Stabes 469 767 Impfungen verabreicht. Das sind 13 606 Impfungen mehr als am Dienstag. Im bundesweiten Vergleich liegt Brandenburg damit bei Erstimpfungen im guten Mittelfeld, bei den Zweitimpfungen dagegen weiter hinten.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News