Corona-Fälle treffen Hertha und Liga hart

15.04.2021 Als erster Bundesliga-Cheftrainer muss Pal Dardai in häusliche Isolation. Insgesamt gibt es drei positive Corona-Tests bei Hertha BSC. Für das Team wurde Arbeits-Quarantäne verordnet. Trotzdem wird weiter gespielt. Die Schutzmechanismen aber stoßen an ihre Grenzen.

Herthas Trainer Pal Dardai gibt Dodi Lukebakio Anweisungen. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Jetzt wird es noch härter für Hertha. Einen Tag nach der Verpflichtung von Hoffnungsträger Fredi Bobic haben positive Corona-Tests bei Cheftrainer Pal Dardai und Stürmer Dodi Lukebakio die abstiegsbedrohten Berliner in neue Probleme gestürzt. Als Interimstrainer übernimmt Sportdirektor Arne Friedrich ab sofort von Dardai das Team. Zugleich werden generelle Fragen zum Profifußball in der schwierigen Phase der Corona-Pandemie neu aufgeworfen.

Vor dem ohnehin komplizierten Saison-Endspurt mussten sich Dardai, Lukebakio und Assistenzcoach Admir Hamzagic, der auch positiv getestet wurde, in häusliche Quarantäne begeben. Co-Trainer Andreas Neuendorf wurde als Kontaktperson ersten Grades eingestuft und befindet sich ebenfalls in Quarantäne. «Alle sind symptomfrei», teilte der Berliner Fußball-Bundesligist am Donnerstag mit.

Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf wurden die komplette Mannschaft, Trainerteam und enge Mitarbeiter um den Kader in einem gemeinsamen Quartier isoliert und nicht in häusliche Quarantäne geschickt. Das gilt zunächst bis zum 28. April. «Spiel- und Trainingsbetrieb sind grundsätzlich möglich», erklärte Vereinssprecher Marcus Jung.

Somit müssen anders als bei den jüngsten Corona-Fällen bei Holstein Kiel, dem Karlsruher SC und dem SV Sandhausen in der 2. Liga die kommenden Spiele von Hertha BSC nicht verschoben werden. Sowohl die Partie im Abstiegskampf am Sonntag beim FSV Mainz 05 als auch die folgenden Spiele gegen den SC Freiburg und bei Schalke 04 können wie geplant ausgetragen werden. Die Berliner stehen derzeit mit 26 Zählern auf Tabellenplatz 15 und nur durch die Tordifferenz vor den punktgleichen Bielefeldern auf dem Abstiegs-Relegationsplatz.

Zum neuen erhofften Retter auf der Trainerposition rückt plötzlich Sportdirektor Friedrich auf. Der Ex-Nationalspieler hatte 2014 einen DFB-Trainerlehrgang besucht und danach auch die A-Lizenz erworben. Erfahrung als Trainer aber hat der 41-Jährige seitdem nur von 2014 bis 2015 als Assistenzcoach der U18-Auswahl des DFB gesammelt.

«Wir hatten nach Rücksprache mit unserem Hygiene-Beauftragen in der zurückliegenden Länderspielpause die Hygienemaßnahmen bereits noch mal verschärft, haben beispielsweise tägliche Schnelltests umgesetzt, bevor sie zur Pflicht im DFL-Hygienekonzept wurden», berichtete Friedrich, der Ende des Jahres 2019 vom damaligen Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann als Performance Manager installiert worden war.

Danach rückte er zum Sportdirektor auf und übernahm nach der Beurlaubung von Geschäftsführer Michael Preetz auch dessen Aufgaben. Der Job wird im Juni an Bobic gehen, der Hertha - wie von Investor Lars Windhorst erhofft - in Richtung «Big-City-Club» entwickeln soll.

Zunächst aber geht es unter verschärften Bedingungen darum, den Absturz in Liga zwei zu vermeiden. Auch wenn in dieser Spielzeit weiterhin keine Erstliga-Partie wegen Corona verschoben werden muss, wird die Aufgabe für Hertha durch die häusliche Isolation des Cheftrainers und die Arbeits-Quarantäne für das komplette Team noch schwieriger. Lediglich zu den Trainingseinheiten und zu den Spielen können Spieler und Betreuer das Quarantäne-Hotel verlassen, Dardai und Lukebakio sind erst einmal ganz ausgeschlossen. Zuvor musste sich schon Torhüter Rune Jarstein nach einem positiven Test in Quarantäne begeben.

Friedrich gab sich am Donnerstag sofort kämpferisch: «Wir werden diese herausfordernde Situation als Team annehmen und gemeinsam alles dafür tun, die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten.» Mit maximalen Kontaktbeschränkungen und täglichen PCR-Testungen soll die größtmögliche Sicherheit geschaffen werden.

Ob die positiven Testungen bei Hertha die Überlegungen neu beleben, dass sich die gesamte Liga in der Saison-Endphase in ein Quarantäne-Trainingslager begeben soll, bleibt abzuwarten. Die Deutsche Fußball-Liga hatte zunächst auf Empfehlung der Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer beschlossen, angesichts steigender Infektionszahlen ihr Hygienekonzept weiter zu verschärfen. Eine hundertprozentige Sicherheit aber kann auch dies nicht gewähren, wie die jüngsten Fälle bei Hertha zeigen.

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