«NSU 2.0»-Drohungen: Innensenator erleichtert über Festnahme

05.05.2021 Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat sich erleichtert und erfreut gezeigt über die Festnahme eines verdächtigen Mannes aus Berlin im Zusammenhang mit den «NSU 2.0»-Morddrohungen. «Das bedeutet auch eine Erleichterung für die Opfer, dass der mutmaßliche Täter jetzt gestellt ist», sagte Geisel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch für die Polizei sei es entlastend, weil es immer den Verdacht gegeben habe, «dass es aus der Polizei heraus kommt». Aber es habe sich deutlich gezeigt: «Nein, es war jemand, der polizeibekannt war mit kriminellen Taten. Durchaus auch mit rechtsextremistischen Taten.»

Andreas Geisel (SPD), Innensenator von Berlin. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weitere Erkenntnisse zu dem Mann gebe es derzeit noch nicht, sagte Geisel. Das werde aufgearbeitet. «Es sieht aber nicht so aus, als ob es ein harter, bekannter Rechtsextremist gewesen wäre. Eher in Richtung eines Trolls, der an seinem Computer sitzt und Drohbriefe schreibt. Aber damit ein Unsicherheitsgefühl verbreitet hat unter den Menschen.»

Aus Ermittlerkreisen war zu hören, dass der 53-jährige Mann in den vergangenen 20 Jahren eine hohe zweistellige Zahl von Straftaten begangen haben soll. Aber nur etwa zehn Prozent davon sollen politisch motivierte, rechtsextreme Delikte sein, etwas der Gebrauch von entsprechenden Symbolen oder das Zeigen eines Nazi-Grußes. Ob es sich um einen gebürtigen Berliner handelt, war zunächst noch unbekannt. Der Mann lebte im Stadtteil Gesundbrunnen im Norden des Bezirks Mitte in der Osloer Straße. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) des hessischen Landeskriminalamtes hatte den Mann in der Nacht zu Dienstag in seiner Wohnung gefasst.

Der arbeitslose Deutsche steht im dringenden Verdacht, seit August 2018 unter dem Synonym «NSU 2.0» bundesweit eine Serie von Drohschreiben mit volksverhetzenden und drohenden Inhalten verschickt zu haben. Die ersten Drohschreiben waren im August 2018 an die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz gegangen, die seitdem rund 20 Schreiben mit Morddrohungen gegen sich und ihre Familie erhalten hatte.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News