Betrug mit Polizistentrick: Angeklagte schweigen zunächst

28.05.2021 Gegen zwei Männer, die an Betrügereien falscher Polizisten beteiligt gewesen sein sollen, hat der Prozess vor dem Berliner Landgericht begonnen. Die 40- und 58-Jährigen sollen Mitglieder einer Bande gewesen sein, die bundesweit Senioren mit dem sogenannten Falsche-Polizisten-Trick um ihr Vermögen brachte. Angeklagt sind 18 Taten mit einem Schaden von rund 585.000 Euro.

Die Notrufnummer der Polizei wird auf einem Smartphone gewählt. Foto: picture alliance /dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Angeklagten, die zuletzt in Bremen lebten, schwiegen zunächst. Ein Anwalt sagte zu Prozessbeginn am Freitag, eine Erklärung seines Mandanten zu einem späteren Zeitpunkt sei beabsichtigt.

Die 40- und 58-Jährigen sollen laut Anklage als «Logistiker» in einer «hierarchisch strukturierten Bande» eingebunden gewesen sein. Komplizen hätten von einem in der Türkei gelegenen Callcenter aus Senioren angerufen und sich dabei als Polizisten oder Staatsanwälte ausgegeben. Opfern sei vorgegaukelt worden, sie müssten ihr Geld und ihre Wertgegenstände an bestimmten Orten ablegen, weil Einbrüche zu erwarten seien. Die Polizei werde alles abholen.

In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen sowie in Hamburg, Ingolstadt (Bayern) und Berlin habe die Bande ältere Menschen betrogen. Ältestes Opfer sei laut Anklage ein 95 Jahre alter Mann aus Duisburg. Er sei per Telefon so lange unter Druck gesetzt worden, bis er 14.000 Euro auf einem Stromkasten in der Nähe seiner Wohnung und einen Tag später 14 500 Euro in einer Mülltonne in der Nähe einer ihm genannten Gaststätte deponierte. Ein Kölner Ehepaar habe die Bande um 100.000 Euro gebracht. Auch sie seien angewiesen worden, das Geld in eine Mülltonne zu legen.

Bei den Taten zwischen Juli und Dezember 2020 wurde laut Anklage ein Verfahren eingesetzt, das es den Tätern ermöglichte, auf dem Display des angerufenen Telefons die Polizeirufnummer 110 anzeigen zu lassen. Den zumeist betagten Geschädigten sei durch häufige und langandauernde Telefonate erheblich zugesetzt worden.

Die Angeklagten sollen als «Logistiker» sogenannte Abholer von Beute eingewiesen, kontrolliert und entlohnt haben. Zudem hätten sie den Weitertransport der Beute in die Türkei organisiert. Sie wurden Anfang Dezember 2020 festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am 4. Juni fortgesetzt.

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