87-Jähriger verprügelt: Angeklagter mit Erinnerungslücken

31.05.2021 Nach einem brutalen Überfall auf einen damals 87 Jahre alten Mann in Berlin-Wedding hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Angreifer begonnen. Der 50-Jährige soll den Senior in einer Tordurchfahrt durch Faustschläge in das Gesicht so schwer verletzt haben, dass der pensionierte Polizist seitdem pflegebedürftig ist. Der Angeklagte erklärte zu Prozessbeginn am Montag vor dem Landgericht der Hauptstadt, er sei stark betrunken gewesen und könne sich an das Geschehen und an den Mann kaum erinnern. Er bitte um Vergebung.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Senior war Ende November 2020 in der Nähe seines Wohnhauses attackiert worden. Er sei laut Ermittlungen mit zwei Tüten von einem Einkauf gekommen, als der Angeklagte von ihm Geld gefordert habe. Als der Senior der Forderung nicht nachgekommen sei, habe der 50-Jährige mehrfach mit den Fäusten zugeschlagen, so die Anklage. Der inzwischen 88-Jährige habe schwer Verletzungen erlitten. Er sei durch massive Gewalt auf einem Auge erblindet und könne auf dem anderen Auge nur noch schemenhaft sehen.

Einer der beiden Söhne des Opfers erklärte als Zeuge, sein Vater habe bis zu dem Überfall ein selbstbestimmtes Leben in seiner eigenen Wohnung geführt und sei ohne Hilfe ausgekommen. Nun lebe der 88-Jährige in einer Pflegeeinrichtung. «Er kann sich nicht mehr allein versorgen.»

Ein Handy, das der mutmaßliche Angreifer am Tatort verloren hatte, führte zur Festnahme des Angeklagten zehn Tage nach dem Überfall. Bei der Polizei soll der 50-Jährige erklärt haben, er habe aus Wut einen «erstbesten» Passanten geschlagen, «weil mein Handy weg war». Ob das Opfer ein älterer Herr gewesen sei, könne er nicht sagen. Im Prozess erklärte der nicht vorbestrafte Mann, er habe kaum Erinnerung an den Tattag - «es ist alles wie hinter einem Nebel». Der Prozess wegen versuchten Raubes und schwerer Körperverletzung wird am 2. Juni fortgesetzt.

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