Präsenzunterricht-Start in allen Schulen: Verbände skeptisch

06.06.2021 Monatelang mussten auch die Brandenburger Schüler wegen der Corona-Pandemie häufig zuhause lernen. Nun geht es wieder zurück in den Präsenzunterricht in den Schulen - doch die Gewerkschaft, der Pädagogenverband und der Landesschülerrat sehen hohe Risiken.

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor dem Start des Präsenzunterrichts in allen Brandenburger Schulen haben sich die Bildungsgewerkschaft GEW und weitere Verbände skeptisch gezeigt. Unabdingbare Voraussetzung dafür wäre zumindest eine Corona-Erstimpfung für alle im Präsenzunterricht eingesetzten Lehrkräfte, sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. «Und viele Lehrkräfte haben noch immer keine Impfung erhalten.»

Der Brandenburgische Pädagogenverband und die Landesschülervertretung befürchten, dass Corona-Infektionen den Schülern und ihren Familien den Start in die Sommerferien verhageln könnten.

Am Montag starten in Brandenburg nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen wieder im Präsenzunterricht. Zweieinhalb Wochen später beginnen in Brandenburg am 24. Juni die Sommerferien.

Das Bildungsministerium hatte erklärt, dass bereits alle Lehrkräfte und das gesamte Personal an den Schulen ein Impfangebot erhalten hätten. Es bestehe allerdings ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Ausgabe der Berechtigungsscheine, dem Bemühen um einen Termin und einer tatsächlichen Impfung, kritisierte Fuchs. «Die Lehrkräfte fühlen sich von den Äußerungen verkohlt und im Stich gelassen.» Wichtig sei zugleich, dass schnell zusätzliche Stellen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt würden. «Die Rückkehr zum Präsenzunterricht darf nicht bedeuten, dass die Klassen wieder übervoll werden», betonte Fuchs.

Auch der Brandenburgische Pädagogenverband (BPV) sieht große Risiken für die Lehrkräfte. «Sie riskieren ihre Gesundheit, wenn sie noch nicht geimpft beziehungsweise durchgeimpft sind», sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. «Ich schätze 80 Prozent der Lehrer haben noch keine oder keine zweite Impfung.» Dabei müssten sich im vollen Präsenzunterricht 30 Schüler und ein Lehrer einen meist kleinen Klassenraum teilen. «Und wenn vor den Ferien die Inzidenzen wieder hochgehen, dann ist auch der Urlaub im Eimer», warnte Stäker.

Stäker räumte aber ein, dass es wichtig für die Schüler sei, sich im Klassenverband wieder direkt zu begegnen und auszutauschen. Zudem würden die Eltern vom Homeschooling entlastet und auch viele Lehrer begrüßen die Rückkehr zum Präsenzunterricht. «Die Meinungen der Lehrer sind in dieser Frage gespalten.»

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Landesschülerrats, Katharina Swinka. Der gemeinsame Unterricht und Tagesausflüge brächten auf jeden Fall einen Ausgleich für die lange Zeit allein zuhause. Doch: «In diesen zwei Wochen, die uns jetzt noch bleiben, wird keine Stoffvermittlung mehr stattfinden können», sagte Swinka. Daher liege der Fokus wohl auf der Verbesserung der Sozialkompetenz. «Aber da man sich nicht umarmen soll und auf dem Schulhof Abstand halten soll, wird das ein bisschen schwierig mit der Sozialkompetenz», meinte sie.

Hinzu komme die Angst vor einer Corona-Infektion. «Und das betrifft einen ja nicht nur selbst, sondern auch die Familie, Eltern, Großeltern und so weiter», sagte Swinka. «Meine persönlich Angst ist, dass ich mich in den zwei Wochen vor den Ferien irgendwo infiziere und dann in den Sommerferien erstmal zuhause sitze.»

Dagegen erklärte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf Anfrage, sie freue sich, dass ab Montag alle Schüler und Lehrer wieder zurückkehren könnten. «Die verbleibenden Wochen vor den Sommerferien sollen insbesondere für den sozialen Zusammenhalt der gesamten Klassengemeinschaft genutzt werden», betonte sie. «Das ist ganz wichtig, denn viele haben unter den Beschränkungen enorm gelitten.» Daher seien eintägige Ausflüge und Exkursionen wieder erlaubt und außerschulische Lernorte könnten verstärkt besucht werden.

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