Müller: Klaus Wowereit hat vielen anderen Mut gemacht

09.06.2021 Klaus Wowereits Coming-out vor 20 Jahren steht mit einem Satz in Verbindung, der schnell für große Aufmerksamkeit sorgte. Und der immer noch viel zitiert wird.

Klaus Wowereit hält 2001 auf dem Landesparteitag der SPD in Berlin eine Rede. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat an das berühmte Zitat seines Amtsvorgängers Klaus Wowereit «Ich bin schwul - und das ist auch gut so» erinnert. «Dieser markige Satz war prägend. Für Wowereit, für die Stadt und vor allem für die queere Community in Berlin, aber auch darüber hinaus», sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. Wowereit hatte ihn vor 20 Jahren auf einem Sonderparteitag am 10. Juni 2001 vor seiner Nominierung zum SPD-Kandidaten als Regierender Bürgermeister von Berlin gesagt. Wowereit stand von 2001 bis 2014 an der Spitze des Berliner Senats.

«Ich glaube, Klaus Wowereit hat damit vielen anderen Mut gemacht: Zeigt euch, versteckt euch nicht, seid stark und setzt euch für eure Rechte ein», sagte Müller weiter. «Es war wichtig, dass ein Politiker wie Klaus Wowereit diese Worte und damit so vielen Berlinerinnen und Berlinern aus der Seele sprach und damit auch zu einem Vorbild wurde», so der SPD-Politiker.

Berlins Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) sagte, es sei heute kaum noch vorstellbar, was Wowereits Satz vor 20 Jahren ausgelöst habe. «Er sorgte dafür, dass Verklemmtes, Verschämtes, Verstecktes in der Mehrheitsgesellschaft aufgebrochen wurde und das öffentliche Klima sich änderte.»

Dennoch gebe es heute noch immer täglich Übergriffe, erlebte Ausgrenzung und Diskriminierung. «Und es gibt nach wie vor Milieus, in denen es noch immer als fast unmöglich gilt, sich offen zu seiner sexuellen Identität zu bekennen, wie beispielsweise Religionsgemeinschaften oder im männlichen Profisport», sagte Lederer. «Das zeigt, dass noch immer viel zu tun bleibt und wir im Kampf gegen Homophobie und für Gleichberechtigung weiterhin viel Kraft brauchen. Diese Kraft aber haben wir.»

Die queerpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Anja Kobinger, hat die Bedeutung von Wowereits Coming-out betont: «In unserer politischen Welt war das sehr, sehr wichtig. Wir brauchten auch noch mal eine andere Partei an unserer Seite», sagte die Grünen-Politikerin der dpa. «Dass wir sehr pro Homosexuellenrechte waren, ist ja nun kein Geheimnis.» Wowereits Satz habe mit einem Schlag vieles verändert. «Für uns in Berlin war das schon bedeutend und hat auch deutschlandweit für Wirbel gesorgt.»

Berlins CDU-Landesvorsitzender Kai Wegner sagte: «Das war ein Satz, der Klaus Wowereit schlagartig bekannt machte. Dieser Satz und das damit verbundene Lebensgefühl hat das Image Berlins als weltoffene Metropole ein Stück weit geprägt». Der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst betonte: «Vom aktuellen rot-rot-grünen Senat hingegen wird kein Satz, keine Idee, kein Impuls positiv in Erinnerung bleiben.»

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