Partyvolk gegen Polizei: Randale in Berliner Parks

12.06.2021 Laue Sommernächte - aber dann wohin in der Pandemie? Für Anwohner sind die Berliner Parks mit lauter Musik in der Nacht und viel Müll am Morgen danach keine Lösung. Die Polizei spricht von einer Herausforderung. Die Clubszene startet Pilotprojekte - draußen.

Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In mehreren Berliner Parks haben große Partys in der Nacht zum Samstag die Polizei auf den Plan gerufen. Anwohner waren gegen Mitternacht vom Lärm genervt. Auch wegen Verstößen gegen die Hygieneauflagen in der Pandemie räumte die Polizei einige Grünanlagen, teilte die Behörde am Samstag mit. Dabei kam es mitunter zu Randale. Kulturverwaltung und Clubszene denken über Lösungen nach. Denn nächste Woche startet der Sommer richtig durch.

Im Mauerpark feierten Freitagnacht rund 1500 Menschen. Nach Beschwerden von Anwohnern über den Krach im dicht besiedelten Stadtteil kam die Polizei und versuchte, die Lage zu beruhigen. Dabei seien Beamte aber auch von Feiernden angegriffen und mit Flaschen beworfen worden, sagte eine Sprecherin. Zwei Polizisten seien leicht verletzt worden. Es gebe nun Strafermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie tätlichen Angriffs.

Mit dem EM-Fußballspiel Italien gegen die Türkei hätten die Zusammenstöße auch in anderen Parks nichts zu tun gehabt, ergänzte die Polizeisprecherin. Es sei immer um zu laute Musik gegangen. Einige Feiernde seien nach Alkoholgenuss weniger bereit gewesen, die Parks zu verlassen als andere. Dazu kämen die strengen Pandemie-Auflagen, die auch bei sinkenden Corona-Inzidenzen weiter gelten. Solche Einsätze in lauen Sommernächten seien zur Zeit eine Herausforderung für die Polizei, sagte die Sprecherin.

Die Lage in der Pandemie bleibt verzwickt. Denn die Clubs sind weiter geschlossen. Und für Open Air Locations zum Tanzen sind in Berlin bisher erst wenige Pilotversuche bekannt, darunter zwei Clubprojekte. Weitere sind geplant.

Die Senatskulturverwaltung appellierte am Samstag an eine sichere, aber auch willige und lockere Hand bei Genehmigungsverfahren für Flächennutzungen draußen. Die Clubszene habe sich 15 Monate lang vorbildlich und verantwortungsvoll verhalten, sagte Sprecher Daniel Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. «Solche Sachen sollten ermöglicht werden.» Dabei seien Konzepte gemäß der Auflagen nötig.

Mit dem Pilotprojekt «Open Air» soll zum Beispiel an diesem Sonntag im Berliner Club Revier Südost getestet werden, wie in der Corona-Pandemie sicher unter freiem Himmel getanzt werden kann. Dabei soll ein Konzept entstehen, das sowohl für Behörden als auch für Clubs eine Richtlinie sein kann. Das Pilotprojekt startet in der neuen Location des Technoclubs Griessmühle. 300 freiwillige Tänzer dürfen über ein Losverfahren teilnehmen. Alle müssen dafür entweder getestet, geimpft oder genesen sein. Maskentragen bleibt Pflicht.

Freitagnacht sah das ganz anders aus. Im James-Simon-Park und benachbarten Monbijoupark nahe der Museumsinsel feierten nach Polizeiangaben gegen 23.30 Uhr rund 2000 Menschen. Es sei an manchen Stellen zu dichtem Gedränge gekommen, hieß es. Ein Besucher soll Reizgas in die Menge gesprüht haben. Nach Angaben der Polizei gab es bei der Räumung dieser Parks aber keine Verletzen.

Im Bürgerpark Pankow trafen sich gegen 23.00 Uhr rund 200 Feierlaunige. Da es aus der Gruppe heraus auch hier zu Gewalt gekommen sei, hätten Einsatzkräfte die Grünfläche geräumt und Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Auch den Park Hasenheide im Szenebezirk Neukölln ließ die Polizei räumen, weil sich dort größere Gruppen aufhielten, laute Musik hörten und Hygieneregeln missachteten. Ein Ärgernis für Anwohner sind nicht nur hier die Müllberge am Morgen danach. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) schlug am Samstag im rbb-Inforadio vor, das betonierte Vorfeld des Flughafens Tempelhof im angrenzenden Bezirk Kreuzberg als bewirtschaftete Feier-Fläche auszuweisen. Ob das funktionieren würde, konnte die Senatskulturverwaltung wegen komplizierter Zuständigkeiten auf die Schnelle nicht sagen. Eine Prüfung wäre wünschenswert, sagte Sprecher Bartsch. Es seien bereits Flächen für Open-Air-Veranstaltungen gemeldet. Auch die Bezirke sollten mögliche Standorte mit ins Spiel bringen, findet Bartsch.

Die Umweltverwaltung stellt aber schon klar, dass das zentrale Tempelhofer Feld mit seinen ausgedehnten Rasenflächen und ehemaligen Start- und Landebahnen für große Partys tabu bleibe. Dafür gebe es ein Gesetz, sagte ein Sprecher.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News