Mord nach 50 Jahren Ehe: Sieben Jahre Gefängnis für Rentner

18.06.2021 Der Mann war in der harmonischen Ehe zunehmend der Versorger. Bis er ins Krankenhaus sollte und nicht wusste, was in der Zeit aus seiner 93 Jahre alten Frau werden sollte. Während sie schlief, griff er mit einem Hammer an.

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach mehr als 50-jähriger Ehe tötete er seine Frau: Wegen Mordes an seiner 93 Jahre alten Ehefrau ist ein 84-jähriger Berliner zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Als die 93-Jährige im Bett lag und schlief, habe er sie heimtückisch mit einem Hammer angegriffen und mindestens 30 Mal zugeschlagen, begründete das Landgericht der Hauptstadt am Freitag das Urteil. Anschließend habe er mit einem Messer auf seine Frau eingestochen.

Der Angeklagte habe allerdings nicht aus Hass oder Verdruss gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter. Die Tötung sei für ihn in dem Moment «schlichtweg der einzige Ausweg gewesen». Das kinderlose Paar habe zuletzt sehr auf sich selbst bezogen gelebt. Der 84-Jährige habe zunehmend die Rolle des Versorgers übernommen. Bei dem Mann habe laut einem Gutachten neben vielen körperlichen Gebrechen auch eine schwere depressive Episode vorgelegen. Das Gericht schloss nicht aus, dass er in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert war. Deshalb erging keine lebenslange Haft.

Eine «Spirale von Problemen» habe zu einem Tunnelblick geführt, hieß es weiter im Urteil. Der Angeklagte habe in der Situation nicht mehr Abstand nehmen und überlegen können, ob der Tod der Person, die man liebt, wirklich die Lösung sein kann. Sein Plan sei gewesen, sie mit einem einzigen Schlag im Schlafzimmer der Wohnung in Berlin-Neukölln umzubringen. Dies sei ihm nicht gelungen. Er sei in Panik geraten und habe immer wieder zugeschlagen. Er habe seine Frau nach jahrzehntelanger harmonischer Ehe bestialisch ermordet.

Der 84-jährige Deutsche hatte gestanden. Als seine Frau am frühen Morgen des 6. Januar 2021 im Bett lag und wieder einmal leise weinte, habe es «Klick gemacht», sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn. Er sei aufgestanden und habe einen Hammer geholt. «Ich wollte, dass das Weinen aufhört.» Sie habe sich in der letzten Zeit überflüssig und unnütz gefühlt, er habe immer wieder versucht, sie aufzumuntern. Er sei mit seiner Geduld am Ende gewesen. Wie oft er zugeschlagen habe, wisse er nicht. Alles sei «wie im Nebel».

«Was ich meiner Kleenen angetan habe, tut mir in der Seele weh», sagte der gelernte Werkzeugmacher aus Berlin. Er schilderte vor Gericht eine Überforderungssituation, die drei Jahre zuvor begonnen habe. Damals habe seine Frau erklärt, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen könne. Er habe seitdem alle Besorgungen erledigt. Kategorische habe seine Frau fremde Hilfe im Haushalt abgelehnt und auch nicht in eine Senioreneinrichtung gewollt.

Die Situation habe sich zugespitzt, als der 84-Jährige zu weiteren Untersuchungen in ein Krankenhaus sollte, sagte der Richter. Was mit seiner Frau in der Zeit seiner Abwesenheit werden sollte, hätten sie am Abend vor der Tat nicht klären können. Dem Mann sei der Gedanke gekommen, seine Frau aus dem Leben zu nehmen.

Der 84-Jährige habe bereits am Abend einen Hammer auf eine Kommode gelegt und gewartet, bis seine Frau eingeschlafen war, stand für das Gericht fest. Ohne Rücksicht auf Konsequenzen habe er sie getötet. «Als er dann sah, was er der Frau, die er liebte, angetan hatte, legte er das Messer an sich selber an», so der Richter. Der Versuch einer Selbsttötung scheiterte.

Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwältin. Der Verteidiger hatte ebenfalls auf Mord plädiert, allerdings keinen konkreten Strafantrag gestellt. Er beantragte, den 84-Jährigen von weiterer Untersuchungshaft zu verschonen. Dem kam das Gericht nicht nach. Derzeit befindet sich der Senior in einem Haftkrankenhaus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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