Missbrauchskomplex: Polizei sucht mit Foto nach Verdächtigem

22.06.2021 Im Missbrauchskomplex Münster werten die Ermittler seit Monaten große Datenmengen aus, die sie auf Mobiltelefonen und PC-Festplatten gefunden haben. Mit Hilfe eines Fotos suchen sie nach einem unbekannten Tatverdächtigen - er soll mit Berliner Dialekt sprechen.

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht am Straßenrand. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Ermittler im Missbrauchskomplex Münster suchen mit einem Foto nach einem unbekannten Tatverdächtigen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe ein Richter einen Beschluss zur Öffentlichkeitsfahndung erlassen, hieß es von der Polizei am Dienstag. Der Gesuchte könnte aus dem Berliner Raum stammen, twitterte die Polizei in der Hauptstadt. Er spreche mit Berliner Dialekt.

Der männliche Verdächtige sei auf mehreren beschlagnahmten Bild- und Videodateien zu sehen. «Diese zeigen schwere sexuelle Missbrauchshandlungen an einem unbekannten männlichen Kleinkind», teilten die Fahnder der Ermittlungskommission «Rose» mit. Der Tatverdächtige habe kurze hellbraun beziehungsweise dunkelblonde Haare und ausgeprägte Geheimratsecken.

Bis zum Nachmittag (Stand 15.00 Uhr) waren nach Angaben der Polizei in Münster per Mail und Telefon 40 Hinweise bei den Ermittlern zu dem veröffentlichten Foto eingegangen. «Die werden jetzt nach und nach abgearbeitet», sagte ein Sprecher. Zur Qualität der Hinweise und woher sie stammen, konnte die Polizei vorerst keine Angaben machen.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben.

In dem Komplex wurden bereits fünf Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt wurden durch die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in U-Haft sitzen. Am Dienstag wurde der Hauptprozess mit weiteren Plädoyers fortgesetzt. Die Anklage fordert für den mutmaßlichen Haupttäter, einen IT-Experten aus Münster, 14 Jahre Gefängnis und wegen Wiederholungsgefahr anschließende Sicherungsverwahrung. Ein Urteil am Landgericht Münster wird frühestens Ende Juni erwartet.

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