Scheeres kündigt «Aufholprogramm» für Schüler an

03.08.2021 Zwei Corona-Schuljahre mit mehreren Lockdowns haben Schülerinnen und Schülern stark zugesetzt. Nun startet die nächste Lernperiode unter dem Eindruck der Pandemie. Dabei soll sich einiges ändern.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) spricht. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat für das neue Schuljahr ein «Aufholprogramm» angekündigt, um negative Folgen der Corona-Pandemie für Schüler zu lindern. Unter dem Titel «Stark trotz Corona» soll es an den Schulen unterschiedliche Angebote geben, um Lernrückstände aufzuholen, wie die SPD-Politikerin am Dienstag nach der Senatssitzung sagte.

Dabei gehe es schwerpunktmäßig um Basiskompetenzen bei der Sprache und in der Mathematik, aber auch um das «Lernen lernen», berufliche Kompetenzen, Schwimmen oder Radfahren. Ein weiterer Schwerpunkt seien psychosoziale Fragen und Persönlichkeitsförderung, Demokratieerziehung und Gewaltprävention. Außerdem umfasst das Vorhaben mehr Sozialarbeit an Schulen sowie Unterstützungsangebote für Kinder und Familien in der frühkindlichen Bildung.

Für das Programm in Zusammenarbeit auch mit externen Partnern stehen Scheeres zufolge 64 Millionen Euro bereit, darunter allein 44 Millionen für die Lernförderung. 30 Millionen Euro aus diesem Topf sollen direkt an die Schulen fließen, die für die Umsetzung des Programms eigene Budgets bekommen.

Basis werden verpflichtende sogenannte Lernstandserhebungen für alle Schüler sein, um ihren individuellen Förderbedarf zu ermitteln. Dabei kommen laut Scheeres unterschiedliche Instrumente zum Einsatz, darunter digitale Module, Vergleichsarbeiten oder auch ein Lesecheck. Geplant sind außerdem mindestens zwei «Feedbackgespräche» mit jedem Schüler. Sofern diese noch nicht volljährig sind, werden die Erziehungsberechtigten hinzugebeten.

«Eineinhalb Jahre Pandemie haben tiefe Spuren an den Berliner Schulen hinterlassen. Viele Schülerinnen und Schüler hatten es schwer, auch das gesamte Schulpersonal war ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt und musste außerordentlich viel leisten», sagte Scheeres. «Nun geht es darum, die Schülerinnen und Schüler wieder an den regulären Schulalltag zu gewöhnen, ihnen Sicherheit zu geben und ihnen verschiedene Hilfsangebote zukommen zu lassen. Dazu soll dieses Schuljahr dienen, und ich bin dankbar, dass sich alle Pädagoginnen und Pädagogen dieser besonderen Aufgabe bewusst sind.»

In den vergangenen Monaten sei deutlich geworden, dass der Präsenzunterricht nicht so einfach zu ersetzen sei, so Scheeres weiter. Deshalb wolle Berlin, «solange es irgend möglich ist», im neuen Schuljahr am Regelunterricht festhalten. Die Senatorin verwies auf Hygienekonzepte, die Maskenpflicht, die zunächst für zwei Wochen gelte, und regelmäßige Corona-Tests, darunter jeweils drei in den ersten drei Schulwochen. «Berlin beginnt das Schuljahr mit 6,5 Millionen Schnelltests, weitere rund 5 Millionen Tests sind bestellt und in der Auslieferung.» 8000 Luftfilter seien vorhanden, weitere 3000 bestellt.

An den Oberstufenzentren werde es ab dem ersten Schultag ein Impfangebot mobiler Teams geben, erläuterte die Senatorin. Es richte sich zunächst an knapp 70.000 junge Erwachsene, die bereits volljährig seien. Auch 16- bis 18-Jährige, die eine Erlaubnis der Erziehungsberechtigten vorweisen können, erhalten ein Impfangebot.

Insgesamt starten am kommenden Montag 376.460 Schüler allgemeinbildender Schulen (2020: 369.841) und 87.360 Schüler (2020: 83.264) berufsbildender Schulen ins neue Schuljahr. Rund 32.000 Lehrkräfte sowie Tausende Erzieher kümmern sich um sie.

2440 unbefristete Lehrerstellen waren Scheeres zufolge neu zu besetzen. Trotz des harten bundesweiten Wettbewerbs um qualifiziertes Personal und der pandemiebedingten Ausnahmesituation sei es gelungen, bisher 2886 Lehrkräfte einzustellen - nicht alle in Vollzeit. 1526 von ihnen seien sogenannte Laufbahnbewerber. Hinzukommen 790 Quereinsteiger, die mindestens ein Schulfach studiert haben, sowie 420 sonstige Lehrkräfte. Hierzu zählen etwa Künstler oder Lehrer in Willkommensklassen. 150 Bewerber befinden sich laut Scheeres noch im Einstellungsprozess, 80 Stellen sind noch unbesetzt.

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