Impftermine im Norden wieder binnen Minuten ausgebucht

12.01.2021 Mehr als 31 400 Schleswig-Holsteiner sind gegen Covid-19 geimpft. Die 15 500 Termine für kommende Woche waren in zwölf Minuten weg. Ministerpräsident Günther will derweil eine Testpflicht für Einreisende aus Dänemark. Gute Nachrichten gibt es für Firmen.

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Termine für eine Schutzimpfung gegen Covid-19 bleiben in Schleswig-Holstein heiß begehrt. Die nächsten 15 500 Termine für eine Erst- und Zweitimpfung von 7700 Norddeutschen waren am Dienstagmorgen binnen 12 Minuten vergriffen; eine Woche zuvor hatte dies auch schon nur 24 Minuten gedauert. Abhilfe verspricht sich die Landesregierung vom mittlerweile neben dem Impfstoff von Biontech/Pfizer ebenfalls in Europa zugelassenen Produkt des US-Herstellers Moderna. Am Dienstag trafen die ersten 2400 Dosen im Land ein.

Schleswig-Holstein gehöre zu den Bundesländern, die bisher am meisten geimpft hätten, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Er bat Menschen, die auch am Dienstagmorgen wieder mit einem Anmeldeversuch scheiterten, um Geduld. «Die Situation wird sich dann spürbar entspannen, wenn deutlich mehr Impfstoff verfügbar ist.»

Bis Anfang Februar werden Impftermine über die Telefon-Hotline nur an Menschen über 80 vergeben. Sie sollen zeitnah mit einem Schreiben über das Verfahren informiert werden. Die übrigen Termine für weitere priorisierte Gruppen sollen zeitversetzt online buchbar bleiben, um das Verfahren zu entzerren.

Bislang haben sich in Schleswig-Holstein mehr als 31 400 Menschen gegen Covid-19 impfen lassen. Die Landesregierung bleibt dabei, dass bei den Anmeldungen neben den Terminen für die erste Impfung bereits welche für die zweite Impfung vergeben werden. Die nächsten Impftermine im Norden sollen am 19. Januar ab 8.00 Uhr buchbar sein.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will eine Testpflicht bei Einreisen aus ausländischen Risikogebieten nach Schleswig-Holstein. «Dies muss auch für dänische Grenzpendler gelten», sagte er. Details einer entsprechenden Regelung sollen demnach zeitnah umgesetzt werden. Grundlage seien die Einreisebestimmungen in das Bundesgebiet, die derzeit angepasst würden. Günther verwies darauf, dass Dänemark angesichts des Infektionsgeschehens in seinem Hoheitsgebiet bereits am vergangenen Wochenende die Einreisebestimmungen verschärft habe.

Menschen mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein können demzufolge zwar weiterhin ohne triftige Gründe in das Nachbarland einreisen, müssen aber nun einen maximal 24 Stunden alten, negativen Corona-Test vorlegen. Unter anderem für Grenzpendler reicht es aus, wenn sie einen maximal sieben Tage alten negativen Corona-Test vorlegen. «Ich wäre sehr dafür, wenn wir das bei uns ähnlich wie in Dänemark regeln», sagte der Regierungschef.

Am Wochenende hatten beispielsweise in der Grenzregion Hunderte Menschen an privaten Testzentren in Flensburg und Handewitt stundenlang angestanden, um einen Schnelltest machen zu können. Die Polizei auf der nördlichen Grenzseite hatte bis Dienstagmorgen 7.00 Uhr innerhalb von 24 Stunden rund 200 Menschen die Einreise verweigert.

Die Region Syddanmark kündigte am Dienstag an, dass sich Grenzpendler, die beruflich nach Dänemark einreisen, künftig kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Um einen solchen Schnelltest zu erhalten, müssen sie beispielsweise anhand von Gehaltsabrechnungen oder Arbeitsverträgen nachweisen, dass sie in Dänemark arbeiten. Für alle anderen kosten die Corona-Schnelltests 299 Kronen.

Bald soll auch in Schleswig-Holstein Geld aus den regulären Novemberhilfen für Firmen in der Corona-Krise fließen. «Seit heute Mittag bearbeiten die Mitarbeiter die Anträge», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). «Wir hoffen, dass es schon heute zu ersten Auszahlungen kommen wird.» Jetzt sei es wichtig, jenen Betrieben noch zusätzlich zu Liquidität zu verhelfen, deren Umsätze massiv eingebrochen sind. Als Beispiele nannte Buchholz Einzelhändler von Mode, Schuhen, Sportartikeln und Getränken.

Ein Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte stieß auf den Widerspruch der Landesregierung. «Ich muss den Menschen erklären, dass derzeit nur für eine minimale Anzahl impfberechtigter Personen überhaupt Impfstoff zur Verfügung steht», sagte Gesundheitsminister Garg. Vor diesem Hintergrund zum jetzigen Zeitpunkt über eine Impfpflicht zu diskutieren, sei «absurd».

Die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli forderte unterdessen Ministerpräsident Günther auf, die großen Arbeitgeber im Land zu einem digitalen «Homeoffice-Gipfel» einzuladen. Dabei müsse er eindringlich für das Arbeiten zu Hause werben, sagte Midyatli unter Hinweis auf die hohen Corona-Infektionszahlen. «Wir dürfen nichts unversucht lassen, um Kontakte zu reduzieren.»

Innerhalb von 24 Stunden waren im Norden laut Regierung mit Stand Montagabend 216 neue Corona-Fälle registriert worden. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche sank leicht auf nun 98,0 (Sonntag: 99,7). Die Zahl der Menschen, die mit oder an Corona gestorben sind, stieg um 15 auf 569.

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