Platz fünf für Schleswig-Holstein beim Zubau neuer Windräder

26.01.2021 Zehn Gigawatt Windenergie will Schleswig-Holstein bis 2025 erreichen. Davon ist das Land noch weit entfernt. Beim Zubau neuer Windräder waren vier andere Länder 2020 besser. Hoffnung macht aber die Spitzenposition in einem anderen Bereich.

Windkraftanlagen stehen auf einem Deich. Foto: Peter Dejong/AP/dpa/archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Ausbau der Windkraft an Land ist in Schleswig-Holstein noch nicht richtig in Schwung gekommen. 2020 wurden im Norden 35 neue Windkraftanlagen gebaut, wie aus am Dienstag in Berlin vorgestellten Zahlen der Deutschen WindGuard im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie sowie des Fachverbandes VDMA Power Systems hervorgeht. 122 Megawatt Leistung bedeuteten unter den Bundesländern Platz fünf. Schleswig-Holsteins Anteil am bundesweiten Brutto-Zubau von 1431 Megawatt betrug neun Prozent. Nach Zahlen der Fachagentur Wind waren in Schleswig-Holstein 2019 nur 12 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 39,4 Megawatt hinzugekommen.

Laut den am Dienstag vorgestellten Zahlen fiel der Zubau 2020 in Nordrhein-Westfalen mit 317 Megawatt und 93 Windrädern am größten aus. Bundesweit kamen 420 neue Windräder hinzu. Deren Gesamtleistung von 1431 Megawatt entspricht einer Steigerung um 46 Prozent gegenüber dem Rekordtief des Vorjahres. 2019 lag der Ausbau auf dem niedrigsten Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000. Als Gründe für den stockenden Windkraftausbau sehen Branchenverbände fehlende Flächen, lange Genehmigungsverfahren und viele Klagen. Zum Jahresende 2020 wurde eine Novelle verabschiedet, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen.

2020 wurden in Schleswig-Holstein 15 alte Windräder durch sogenanntes Repowering durch neuere ersetzt. Deren Leistung betrug insgesamt 50 Megawatt. Es wurden aber auch 30 alte Windräder (52 Megawatt) abgebaut. Die neuen Anlagen hatten im Schnitt eine Gesamthöhe von 159 Metern und 3,486 Megawatt Leistung. Platz eins belegte der Norden bei den Zuschlägen für neue Windkraftanlagen mit einem Volumen von 583 Megawatt vor Niedersachsen mit 503 Megawatt.

Schleswig-Holsteins Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «2020 war ein Wendejahr für die Windkraft in Schleswig-Holstein nach zuletzt schwierigen Zeiten». Das Land liege bei den Ausbauzahlen in der Spitzengruppe und bei Neu-Genehmigungen an der Spitze. Die neuen Regionalpläne für die Windkraft brächten der Branche Planungs- und Rechtssicherheit und dürften für einen weiteren Schub beim Ausbau sorgen. «Ich bin zuversichtlich, dass wir auf diesem Wege unser Ausbauziel von 10 Gigawatt Windenergie im Jahr 2025 erreichen.»

Nach Angaben der Landesregierung wurden im Norden im vergangenen Jahr 144 Windräder mit einer Gesamtleistung von 602 Megawatt genehmigt. Um das Ausbauziel des Landes von zehn Gigawatt bis 2025 zu erreichen, müssen jährlich 500 Megawatt hinzukommen.

Die Opposition forderte dagegen mehr Tempo beim Windkraftausbau. «Jetzt läuft uns sogar schon das alte Kohlebinnenland NRW unter einer schwarz-gelben Regierung den Rang ab», sagte der SPD-Energiepolitiker Thomas Hölck. Im vergangenen Jahr habe Albrecht die Kritik am «schleppenden Windenergieausbau» noch mit Empörung zurückgewiesen. Nun zeige das neue Ranking, «dass wir der Wahrheit doch wohl näher waren, als die Behauptungen von Jamaika». Die Koalition sei Spitze im Ankündigen, «in der Umsetzung reicht es aber nur für den fünften Platz - und das obwohl Schleswig-Holstein das windreichste Land Deutschlands ist».

Bundesweit stieg der kumulierte Anlagenbestand zum 31. Dezember 2020 auf 29 608 Windenergieanlagen. In Schleswig-Holstein gab es demnach 3673 Windräder mit einer Gesamtleistung von 7064 Megawatt.

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