Brackmann: Investitionen in Zukunftstechnologien

12.03.2021 Angesichts der von der Corona-Pandemie ausgelösten Krise sucht die Werftindustrie händeringend nach Lösungen. Das könnten emissionsfreie Antriebe und engere Kooperationen der Werften sein, sagt Norbert Brackmann, Experte für die maritime Wirtschaft.

Norbert Brackmann (CDU), Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Um wettbewerbsfähig aus der Corona-Krise zu kommen, muss der Schiffbau nach Ansicht des Koordinators der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, verstärkt in Zukunftstechnologien investieren. Bereits zuvor habe die deutsche maritime Wirtschaft bei den klimaschonenden Technologien eine Führungsrolle eingenommen, sagte Brackmann der Deutschen Presse-Agentur. Die deutschen Werften hätten sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise richtigerweise auf den Bau von Passagierschiffen, Fähren, Jachten und anderen Spezialschiffen ausgerichtet und auf anspruchsvolle Nischenmärkte spezialisiert.

Nun sei auf Vorschlag der maritimen Branche und auf Betreiben der Bundesregierung die maritime Initiative «Emissionsfreier Schiffsverkehr» in das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation aufgenommen worden, sagte Brackmann. Dessen Ziel sei es, bis 2030 für alle Hauptschifftypen und Dienstleistungen emissionsfreie Lösungsansätze bereitzustellen. Dies sei ein Beitrag dafür, dass die EU das Ziel der emissionsfreien Schifffahrt bis 2050 erreichen könne. Dabei sollen Lösungen für Fracht- und Passagierschiffe auf See und auf Binnenwasserstraßen gefunden werden.

Um den Ausstoß an CO2, Stickoxiden und Schwefel deutlich zu vermindern und internationale Abgasvorgaben zu erfüllen, muss der Schiffbau verstärkt zu alternativen Antrieben umschwenken. Optionen sind etwa Antriebe mit verflüssigtem Erdgas oder Hybridmotoren, zumindest aber eine aufwendige Nachbehandlung der Abgase in nachgerüsteten Anlagen. Auch zu Brennstoffzellen-Antrieben laufen Forschungen. Vieles davon ist allerdings - auf die Schifffahrt angewandt - noch teuer, technisch komplex oder zu ineffizient.

Die Corona-Pandemie habe weite Teile der maritimen Wirtschaft mit besonderer Wucht getroffen, sagte Brackmann. «Die Personenschifffahrt, insbesondere die Kreuzfahrtbranche, sei praktisch völlig zum Erliegen gekommen - mit erheblichen Konsequenzen für den deutschen und europäischen Schiffbau. «Die Branche in Deutschland geht derzeit von einem Ausbleiben von Neubauaufträgen für Kreuzfahrtschiffe bis 2023/2024 aus.»

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