Personalmangel und Corona: Hebammen sehen sich am Limit

29.03.2021 Während viele Bereiche des Lebens wegen Corona heruntergefahren sind, haben Hebammen genauso viel zu tun wie vorher - wenn nicht sogar mehr. Mehr Kolleginnen gibt es in den Kliniken dennoch kaum. Der Hebammenverband Hamburg warnt vor Überbelastung.

Eine Mutter hält die Hand eines wenige Tage alten Kindes. Foto: Sina Schuldt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Geburtshilfe mit Schutzmontur, deutlich längere Beratungszeiten, nötige Doppelschichten bei coronapositiven Gebärenden und kaum neue Kolleginnen: Hamburgs Hebammen arbeiten dem Hebammenverband zufolge derzeit am Limit und wünschen sich endlich mehr Verstärkung in den Kliniken. «Ich mache mir große Sorgen um die Kollegen. Da ist es nicht nur fünf vor zwölf, sondern zwölf», sagte Verbandsvorsitzende Andrea Sturm der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Um diese Situation zu verbessern, sei es endlich an der Zeit für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. «Personalmangel an den Kliniken herrscht ja schon lange. Bundesweit ist jahrelang an allem gespart worden, vor allem am Gehalt.»

Der Hebammenverband Hamburg plädiere dafür, dass die Geburtshilfe im Ganzen neu gedacht werde: «Gerade eine Eins-zu-eins-Betreuung nicht nur während der Geburt, sondern bereits mit Beginn der geburtsrelevanten Wehen ist wichtig.»

Zudem sei es nicht sinnvoll Leistungen auf Geburtsstationen nach Handgriff, also nach rein medizinischer Handlung, abzurechnen. «Das muss aufhören. Das kann so nicht sein. Die kompetente Beratung und die persönliche Begleitung durch die Schwangerschaft und durch die Geburt sind in diesem System nicht beinhaltet.» Für gute Geburten in den Kliniken seien bis 30 Prozent mehr Personal nötig, ist Sturm überzeugt.

Hebammen müssten zudem Tag für Tag mit Risikopatienten arbeiten - denn als solche werden Schwangere von der Weltgesundheitsorganisation im Zusammenhang mit Corona eingestuft - und hätten dennoch bislang in den meisten Fällen keinen oder einen geringeren Corona-Bonus bekommen. «Viele Kliniken haben den nicht an Hebammen ausgezahlt. Das ist nicht motivierend.» Nun hofft Sturm darauf, dass ihre Kolleginnen bei der zweiten Runde der Bonuszahlungen bedacht werden. In Hamburg arbeiten Sturm zufolge rund 350 festangestellte und freiberufliche Hebammen.

Die durch die Corona-Zeit entstanden Ruhe habe aus Sicht der Hebammen den Frauen eine problemlosere Stillzeit ermöglicht: Deutlich mehr Frauen können demnach ohne Probleme ihre Neugeborenen stillen. Das liege vor allem am reduzierten Besuch auf den Stationen und im Wochenbett. «Die Ruhe für Erstgebärende ist doch deutlich ausgeprägter. So haben sie mehr Konzentration, mehr Erholung und weniger Verunsicherung durch zu viel Input von außen.»

Ein Lichtblick sei zudem, dass nun so langsam auch die Hebammen gegen Corona geimpft würden. «Das ist ein wichtiger Schritt für die eigene Sicherheit - auch, wenn die Hygieneregeln natürlich weiter einhalten werden müssen.»

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